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Borna Kitzener Kirche erhält weitere Fördermittel
Region Borna Kitzener Kirche erhält weitere Fördermittel
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12:19 14.10.2018
Die Bänke haben noch nicht ihren endgültigen Anstrich erhalten. Erst wenn die Dachbalken fertig sind, erfolgt der finale Anstrich.
Die Bänke haben noch nicht ihren endgültigen Anstrich erhalten. Erst wenn die Dachbalken fertig sind, erfolgt der finale Anstrich. Quelle: Julia Tonne
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Pegau / Kitzen

Die Sanierung eines mehr als 920 Jahre alten Gotteshauses ist eine Mammutaufgabe. Sie ist langwierig und kostenintensiv – und sie braucht Menschen, die mit Herzblut bei der Sache sind. Der Förderverein der Kreuzkirche Sankt Nikolai Hohenlohe-Kitzen hat 58 solcher Menschen, die sich seit Jahren um die Kirche bemühen.

Finanzielle Unterstützung vom Freistaat

Und wieder einmal zahlt sich das Engagement aus: Der Verein hat am Freitagnachmittag rund 31 000 Euro vom Freistaat Sachsen erhalten. Innenstaatssekretär Günther Schneider übergab den Bescheid – mit den Worten, von der Umtriebigkeit der Förderer mehr als beeindruckt zu sein.

„Das Geld ist hier in Kitzen bestens angelegt“, erklärte Schneider. Noch nie habe er erlebt, dass sich so viele Bewohner eines Ortes so dermaßen für eine Sache einsetzten und eine Entwicklung in Gang gebracht hätten, die ihresgleichen sucht. Weshalb er Ingrid Riedel, Vorsitzende des Vereins, zusicherte, auch in den kommenden Jahren das Vorhaben in Pegaus Ortsteil weiter begleiten zu wollen – „auch finanziell, wenn sich Wege auftun“.

Neue Elektrik und Anstrich für die Deckenbalken

Riedel nahm die Worte wohlwollend zur Kenntnis, denn trotz bereits jahrelanger Sanierungsarbeiten wird der Verein auch weiterhin auf Fördermittel angewiesen sein. Bergfest feiern die Mitstreiter in diesem Jahr – mit anderen Worten: Die Hälfte der gesamten Sanierung und Restaurierung ist abgeschlossen. Heißt aber auch: Da kommt noch was auf die Helfer zu.

Seit Jahren kümmert sich der Förderverein der Kitzener Kirche um deren Sanierung – und entsprechende Fördermittel. Mit dem jüngsten Bescheid gewährte er Einblicke in den Stand der Bauarbeiten.

In den kommenden Monaten steht der Einbau der neuen Elektrik ebenso auf der Agenda wie die Sanierung der Deckenbalken. Während es für die Elektrik Leader-Fördermittel gab, nutzt der Förderverein die 31 000 Euro vom Freistaat für die Balken. „Wir haben Musterflächen an der Decke über der Orgel angelegt, um zu sehen, wie welcher Farbton am besten auf den Innenraum der Kirche wirkt“, erklärte Chefrestauratorin Birgit Mühler. „Außerdem spielen wir mit farblichen Absetzungen. Erst dann fällt eine Entscheidung für den gesamten Kirchenraum.“

Sensationsfund: romanische Malerei in Fragmenten

Steht schließlich fest, im welchem Farbton die Deckenbalken erstrahlen, erhalten auch die bislang provisorisch gestrichenen Bänke ihren letzten Schliff. Nächster Schritt ist dann die Wandgestaltung. Und dabei, hofft die Restauratorin, kommen weitere Funde von Malereien zum Vorschein.

Entdeckung im Nordportal

Für eine kleine Sensation sorgte erst kürzlich eine romanische Malerei, die im Nordportal in kleinsten Fragmenten entdeckt worden ist. „Zu erkennen ist Christus in einer Mandorla sitzend mit zwei Engeln neben sich“, sagte Mühler. Allerdings mussten bei der anschließenden Besichtigung zahlreiche Besucher passen, das Erkennen des Motivs blieb den Restauratoren vorbehalten. „Fantasie braucht man schon, um zu sehen, was man vor sich hat“, betonte Mühler.

In den Originalzustand könne das Werk kaum noch versetzt werden, aber Andeutungen, wie es einst ausgesehen haben könnte, seien möglich. „Man kann nicht alles eins zu eins restaurieren.“ Doch gerade das mache die Kitzener Kirche aus: Vieles sei zu entdecken, manches bleibe im Verborgenen.

Über der Tür haben die Restauratoren Fragmente romanischer Malerei entdeckt. Quelle: Julia Tonne

Nach der Innensanierung folgt der Kirchturm

Riedel, Mühler und ihre Mitstreiter rechnen damit, noch drei bis vier Jahre zu brauchen, bis die Sanierung vollständig abgeschlossen ist. „Und dann müssen wir uns Gedanken um den Kirchturm machen“, gab die Vereinsvorsitzende einen Ausblick.

Sanierung der Kirche Kitzen

Seit sich der Förderverein um die Nikolaikirche in Hohenlohe-Kitzen bemüht, schaffen die Vereinsmitglieder jedes Jahr ein weiteres Puzzlestück bei der Sanierung des mehr als 920 Jahre alten Gotteshauses. Allein eine Million Euro floss in den vergangenen Jahren in die Instandsetzung des Daches und der Außenfassade.

Kurz darauf investierte der Förderverein noch einmal 130 000 Euro in die Wiederherstellung der Patronatsloge, die zugemauert und nur unter großer Vorsicht überhaupt begehbar war. Einst verfolgten die Rittergutsbesitzer die Gottesdienste von der Loge aus, unter dem gemeinem Volk zu sitzen, war zu damaliger Zeit undenkbar.

 Dem Verein ist es immer wieder gelungen, Fördermittel zu bekommen. Ob aus dem Topf Leader, ob vom Freistaat Sachsen oder aus privaten Spendentöpfen. Nicht auszuschließen also, dass die Kirche schon bald rundum in neuem Glanz erstrahlt.

Von Julia Tonne