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Borna Kleine Pleiße soll in Rötha besser fließen
Region Borna Kleine Pleiße soll in Rötha besser fließen
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08:50 07.02.2019
Unterhalb des Schlossgeländes in Rötha holt ein Bagger Schlamm aus der Kleinen Pleiße. Die LTV lässt den Bach aus Gründen des Hochwasserschutzes beräumen.
Unterhalb des Schlossgeländes in Rötha holt ein Bagger Schlamm aus der Kleinen Pleiße. Die LTV lässt den Bach aus Gründen des Hochwasserschutzes beräumen. Quelle: André Neumann
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Rötha

2200 Kubikmeter. So viel Schlamm soll das Bauunternehmen Oehme aus Dorfchemnitz im Erzgebirge im Auftrag der Landestalsperrenmeisterei (LTV) bis Ende Februar in Rötha aus der Kleinen Pleiße holen. Dabei geht es um den Abschnitt zwischen dem Grundablass des Stausees Rötha an dessen Nordseite und der Mündung in die Pleiße bei Böhlen.

Das Hochwasser im Jahr 2013 habe zahlreiche Sedimente in den kleinen Fluss gespült, sagt Planer Bernd Hollwitz vom Ingenieurbüro Wolff. Der Bach schlängelt sich mitten durch den Röthaer Schlosspark und versorgt den Schlossteich mit Wasser. Nicht nur hier hat sich in dem Flüsschen einiges angesammelt. Wann die Kleine Pleiße auf den 2,2 Kilometern zwischen Stausee und Böhlen überhaupt das letzte Mal beräumt wurde, darüber gebe es keine Unterlagen, sagt der Planer.

Durchgängiger Abfluss in der Kleinen Pleiße

Deswegen, ergänzt der Bornaer Flussmeister Remo Fahr von der LTV, soll jetzt ein „durchgängiges Abflussprofil“ geschaffen werden, um die Gefahr von Überschwemmungen zu mindern. Immerhin fließt die Kleine Pleiße südlich des Schlossparkes teils an bebauten Grundstücken entlang. Zwar habe es, sagt der Flussmeister, seit 2013 keine Überschwemmungen mehr gegeben, „kurz vor knapp“ sei es aber schon gewesen.

Das „durchgängige Abflussprofil“ bedeutet aber nicht, dass die Kleine Pleiße wie ein Kanal begradigt werden soll. Hollwitz legt Wert auf eine naturnahe Beräumung, bei der zudem die Eingriffe in die Uferbereiche so gering wie möglich gehalten werden sollen. Was gerade im Schlosspark nicht einfach ist. An einigen Stellen mussten doch Bäume gefällt werden, damit der Bagger an den Bach herankam.

Die Arbeiten finden in einem Landschaftsschutzgebiet statt und stehen unter der Aufsicht einer ökologischen Baubegleitung. Die hat unter anderem angeordnet, dass Flussmuscheln, die in der Kleinen Pleiße vorkommen, herausgeholt werden müssen, bevor der Bagger mit der Schaufel ins Wasser greift. Sie werden in einer Wanne oder Eimern gesammelt und hinterher wieder ins Wasser gesetzt.

Die LTV lässt noch bis Ende Februar die Kleine Pleiße zwischen dem Stausee Rötha und der Mündung in die Pleiße bei Böhlen ausbaggern.

Was auffällt: Neben Schlamm und Muscheln finden die Beräumer auch jede Menge Müll in dem Bach. Darunter etliche Autoreifen und sogar ein Stück von einem Kühlergrill unterhalb des Schlossgeländes. Weiter flussabwärts an den Gärten hätten auch Betonabfall, Bretter und Asbestplatten im Wasser gelegen.

Unrat im Schlamm erschwert Entsorgung

Was für die Entsorgung des Schlammes ein Problem ist. Der wird in drei Depots gelagert, die aus Erdwällen gebaut sind. Zwei befinden sich rechts und links der Böhlener Straße. Darin soll die schwarze, feuchte und faulig riechende Masse trocknen. Hollwitz befürchtet, dass da noch einiges aussortiert werden muss, bevor das Material auf die Deponie gebracht werden kann. Bis Mitte des Jahres, davon geht der Flussmeister aus, soll der Schlamm entsorgt sein. Der sei zwar nicht so gut, dass er auf die Felder ausgebracht werden kann, sagt Planer Hollwitz, „es ist aber kein gefährlicher Abfall“, betont er.

Wege im Schlosspark Rötha instandgesetzt

Noch früher, nämlich schon bis Ende April, sollen die Wege in und um den Schlosspark wieder in Ordnung gebracht werden, kündigt er an. Denn der Bagger und der Traktor mit Anhänger haben doch einige Spuren hinterlassen. Zu sehen sind die im Park und auf der Koppelwiese, wo die Theateraufführungen der „Stadtraben“ stattfinden.

Die 2,2 Kilometer bis zum Grundablass des Stausees neben dem Gelände der Stauseepiraten müssen bis zum 28. Februar geschafft werden, danach darf aus Gründen des Vogelschutzes nicht mehr gearbeitet werden. Im nächsten Winter will die LTV dann den Abschnitt zwischen Stauseeablass und dem Gauliser Wehr beräumen lassen. Weil der sich komplett im Wald befindet, soll hier vom Wasser aus gearbeitet werden, kündigt Bernd Hollwitz einen Wechsel der Technologie an.

Fließhindernisse aus der Pleiße entfernt

Neben der Beräumung des Schlammes sind für die Kleine Pleiße auch so genannte strukturverbessernde Maßnahmen vorgesehen. Dahinter verbirgt sich die Absicht, unnatürliche Fließhindernisse zu entfernen. An vielen Stelle haben Anlieger im Laufe der Zeit die Ufer verbaut. Mal um einen dicht am Ufer stehenden Komposthaufen zu sichern, mal um einen Unterstand abzustützen. Holzwände, Bretter, sogar Betonpfeiler finden sich im Bach.

All das, sagt Hollwitz, gehöre da nicht rein. „Wenn Uferbefestigungen nötig sind, werden wir das auf unsere Weise mit natürlichen Mitteln machen.“ Statt begradigter, gestützter Ufer wünscht er sich für die kleine Pleiße eher ab und zu eine gebrochene Böschung, so genante Fehlstellen, in denen sich in niedrigem, ruhigen Flachwasser Tiere ansiedeln können.

Womit er allerdings nicht die völlig scheulosen Nutrias meint, die im Schlosspark die Ufer von Bach und Teich bevölkern und Schaden anrichten, indem sie die Böschung unterhöhlen. Die bricht dann irgendwann ab, schlimmstenfalls samt der Bäume, die darauf stehen.

Von André Neumann