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Borna Klimaschützer tanzen gegen Kohleabbau zum Kraftwerk
Region Borna Klimaschützer tanzen gegen Kohleabbau zum Kraftwerk
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18:39 10.08.2019
Mit einer Tanzdemo vom Bahnhof Neukieritzsch zum Kraftwerk Lippendorf ist das zweite Klimacamp Leipziger Land zu Ende gegangen. Rund 1500 Klimaschützer, Pödelwitzer und Sympathisanten zeigten hier Flagge gegen Kohleabbau und für eine klimagerechte Welt. Quelle: Kathrin Haase
Neukieritzsch/Groitzsch

Sie tanzen für soziale Klimagerechtigkeit und eine Welt ohne Kohleabbau: Fast 1500 Klimaschützer, Einwohner von Pödelwitz und umliegender Ortschaften sowie Sympathisanten versammelten sich am Sonnabend auf dem Bahnhofsvorplatz in Neukieritzsch und zogen die rund drei Kilometer singend und tanzend bis zum Kraftwerk Lippendorf. Dort fand zum Ende des einwöchigen Klimacamps Leipziger Land, das bereits zum zweiten Mal in Pödelwitz stattfand, eine Abschlusskundgebung statt.

Dutzende Einsatzkräfte der Polizei hatten die Veranstaltung am Sonnabend abgesichert, ein Hubschrauber der Bundespolizei kreiste bereits seit den Morgenstunden über der Region. „Damit niemand unbefugt ins Tagebaugelände eindringt“, erklärte ein Polizeisprecher.

Ein Großteil der Klimaschützer war am Vormittag mit der S-Bahn oder radelnd nach Neukieritzsch gereist – unter ihnen Jens Hausner, Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Pödelwitz“. Sein Fahrrad hatte er mit einer Fahne des deutschlandweiten Bündnisses „Alle Dörfer bleiben“ geschmückt. „Wir möchten darauf dringen, dass unsere Interessen genauso beachtet werden wie die der Bergleute. Wir sind doch keine Menschen zweiter Klasse.“

Mit diesem Fahrrad reiste Jens Hausner von der Bürgerinitiative „Pro Pödelwitz“ zur Tanzdemo nach Neukieritzsch. Quelle: Kathrin Haase

Die Kohle unter Pödelwitz werde für den Weiterbetrieb des Kraftwerkes nicht benötigt, berichtet Hausner und weiß im Kampf um den Erhalt seines 700 Jahre alten Heimatortes „die gesamte Klimabewegung hinter sich, wie auch schon der Hambacher Forst“. Um den sozialen Frieden im Land zu wahren, müsse die Politik endlich reagieren und Planungssicherheit zur genauen Umsetzung des Kohleausstiegs schaffen.

Eine Regierungskommission hatte den kompletten Ausstieg Deutschlands aus der klimaschädlichen Kohleverstromung bis 2038 vorgeschlagen. Im Osten sind davon das Mitteldeutsche Revier, zu dem Schleenhain gehört, und die Lausitz betroffen. Es gibt immer wieder auch Forderungen nach einem früheren Ausstieg sowie nach dem Erhalt der noch von Tagebauen bedrohten Dörfer. Deutschlandweit steht die Zukunft von mehr als einem Dutzend Dörfern weiterhin auf der Kippe.

„Wir werden uns dem Druck von Mibrag und sächsischer Landesregierung nicht beugen und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln für den Erhalt unserer Heimat kämpfen“, erklärt der 53-jährige Landwirt. Bis heute gebe es keine rechtliche Grundlage für die Umsiedlung von Pödelwitz, und dennoch halte der Tagebaubetreiber an der Umsiedlung fest. Jens Hausner und die anderen Pödelwitzer blicken zuversichtlich in die Zukunft: „Wir wissen, das Dorf bleibt stehen.“

Die Zeiten seien günstig wie nie: Der Kohleausstieg ist ein großes Thema, das Kraftwerk Lippendorf fährt derzeit nur halbe Kraft, die Großstadt Leipzig orientiert sich mit ihrer Energie-Versorgung um. Gab es vor Jahren häufig noch Skepsis oder auch Kritik von Bürgern der Region, „die Stimmung hat sich komplett gedreht“. So mancher würde heute zu ihm sagen: „Na, ihr habt’s wohl jetzt geschafft!“

Mit der getanzten Demo ist das zweite Klimacamp Leipziger Land am Sonnabend friedlich zu Ende gegangen. In mehr als 100 Workshops, Diskussionsrunden, Film- und Theaterbeiträgen befassten sich die rund tausend Teilnehmer nicht nur mit dem Ausstieg aus dem Kohleabbau, sondern mit dem weltweiten Klimawandel und Alternativen für eine soziale, ökologische Gesellschaft.

„Die Klimakatastrophe zerstört die Lebensgrundlage von Milliarden Menschen“, wandte sich die Leipziger Klimaaktivistin Teresa an die Demonstranten. Insbesondere dort, wo ohnehin schon Knappheit etwa beim Trinkwasser bestehe, spitzten sich Verteilungskämpfe zu. „Ein Leben in Würde wird damit unmöglich gemacht. Schon heute ist die Klimakatastrophe Fluchtursache Nummer 1.“

Die Neukieritzscher und alle Anwohner forderte sie auf, miteinander ins Gespräch zu kommen, über Utopien und eine alternative Gesellschaft nachzudenken. Mit „coolen Choreos“ wolle man „die Mibrag und uns heute ins Schwitzen bringen“, sagte die junge Frau. „Demos müssen nicht langweilig sein, sondern können auch Spaß machen.“ Der Spruch „Ob Kohle in der Grube, ob Kohle auf der Bank, beiden fehlt die Liebe, beides macht mich krank“ hallte noch lange durch den Ort.

Demonstration am Kraftwerk Lippendorf

Von Kathrin Haase

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