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Borna Kosten fürs neue Bornaer Amtsgericht steigen auf 14,5 Millionen Euro
Region Borna Kosten fürs neue Bornaer Amtsgericht steigen auf 14,5 Millionen Euro
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10:33 30.07.2019
Auf der Baustelle des neuen Amtsgerichts in Borna zeigt am Montag Lutz Maerker (l.) vom Staatsbetrieb Immobilien und Baumanagement dem Finanzminister Matthias Haß (2.v.l.) das historische Treppenhaus. Quelle: Claudia Carell
Borna

Der Rohbau ist fast fertig, Dachdecker und Zimmerer verlassen bald die Baustelle. Als nächstes wird massenhaft Estrich in 2900 Quadratmeter Fußboden gegossen. Die Sanierung des ehemaligen Pestalozzi-Gymnasiums für das neue Bornaer Amtsgericht geht voran. Montagnachmittag jedoch ruhten die Arbeiten für eine knappe Stunde in der Leipziger Straße. Grund: Der sächsische Finanzminister Matthias Haß (CDU) hatte sich zum Baustellenbesuch angesagt.

Er habe gehört, dass es im derzeitigen Amtsgericht sehr eng zugehe und wolle sich dieses großes Bauprojekt mal selbst ansehen, sagte der 52-Jährige. Er ist Verwaltungsjurist und finde es spannend, wie eine moderne Behörde in einem historischen Haus untergebracht wird. Der Minister ist quasi der Geldgeber, denn der Freistaat finanziert den Bau – und der wird teurer.

Gebäude als Lehrerseminar und Gymnasium genutzt

Veranschlagt waren 11,5 Millionen Euro, die sich auf 14,5 Millionen Euro erhöht haben, bestätigte Lutz Maerker, Sachgebietsleiter im Staatsbetrieb Immobilen- und Baumanagement. Dieser Betrieb des Freistaates hat die Federführung für die Sanierung des historischen Gebäudes.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Haus als Königlich-Sächsisches Lehrerseminar in mehreren Abschnitten gebaut. Später war das Pestalozzi-Gymnasium dort untergebracht, bis 2009. Dann stand das Haus lange leer.

Probleme mit Statik und schlechter Mauersubstanz

Zwei Gründe für den Kostenanstieg nannten Haß und Maerker. Zum einen sei die Mauersubstanz schlechter gewesen als erwartet. Es habe an mehreren Stellen Probleme mit der Statik gegeben. So erwiesen sich zum Beispiel angeblich tragende Wände nicht als solche.

Die Erhöhung habe aber nicht nur mit dem Bau, sondern auch mit der Einführung der E-Akten zu tun, die künftig kilometerlange Aktenreihen ersetzen sollen. Die Computertechnik dafür sei immens aufwendig – und teuer. Der Freistaat bezahlt reichlich zwei Drittel der Sanierung und Einrichtung des Hauses, die europäische Förderung betrage 4,4 Millionen Euro. Baustart war im November 2017.

Stichwort E-Akte

Die bisher aus Papier-Schriftstücken bestehenden physischen Akten sind oder werden durch zunehmende Digitalisierung weitgehend überflüssig. Die elektronische Akte (oder E-Akte) ist eine virtuelle Sammlung von Dateien und Dokumenten, die zu einem einheitlichen elektronischen Dateiordner zusammengefasst werden. Hierin können auch insbesondere Grafikdateien, Bilddateien, Film- und Tondateien enthalten sein, so das Onlinelexikon wikipedia.

Die E-Akte hat zum Ziel, sämtliche aktenrelevanten Schriftstücke in digitaler Form zu speichern und jederzeit den Berechtigten zugänglich zu machen. Darüber hinaus müssen auch Meta-Informationen sowie Bearbeitungs- und Protokollinformationen wie Geschäftsgangvermerke, Verfügungen, Laufwegsinformationen, Unterschriften und Mitzeichnungen in ihr enthalten sein.

Seit zehn Jahren wird im Bornaer Amtsgericht ein Umzug in größere Räumlichkeiten herbei gesehnt. Das Hauptgebäude Am Gericht 2 platzt aus allen Nähten. Es gibt kein Zimmer, in dem Zeugen bis zu ihrem Aufruf warten können. Auch fehlt es an Räumen, in denen Anwälte ungestört mit ihren Klienten sprechen können, das geschieht häufig im Treppenhaus. Grundbuchamt, Familien- und Nachlassabteilung sowie Betreuungs- und Vormundschaftsabteilung sind schon lange in Außenstellen der Deutzener Straße untergebracht.

Denkmalgerecht: Das historische Treppenhaus soll mit bemaltem Putz in grün, braun und schwarz originalgetreu saniert werden. Hier ein Rest der ehemaligen Bemalung. Quelle: Andreas Döring

Nun sollen 2020 alle 76 Mitarbeiter unter einem Dach arbeiten. Statt bisher 1200 stehen dann 2900 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Vier Sitzungssäle und vier Beratungsräume entstehen sowie zahlreiche Büros, das Archiv kommt in den Keller, auch zwei Gefangenenzellen wird es geben. Geplant ist, dass im April die Bauarbeiten beendet werden, im Juni soll Einzug sein, sagte Maerker.

Großer Sitzungssaal mit Stuckdecke und Orgel

Der Finanzminister zeigte sich beeindruckt vom großen Sitzungssaal, der das Herzstück des Hauses ist. Er ist 190 Quadratmeter groß, reichlich sieben Meter hoch, hat eine Stuckdecke mit Rosetten und Blattwerk-Türschmuck.

Es gibt aus den Zeiten des Lehrerseminars sogar eine historische Orgel. Auf ihr kann man nicht mehr spielen, doch sie wird zumindest als Raumschmuck erhalten. „Borna hat wahrscheinlich das einziges Amtsgericht mit einer Orgel“, vermutete Matthias Haß.

Der große Sitzungssaal gilt als Herzstück des historischen Gebäudes. Die Orgel hinten ist während der Sanierung verpackt, um sie zu schützen. Hier eine Aufnahme von 2018. Quelle: Andreas Döring

Von Claudia Carell

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