Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Kräutermann aus Kitzscher kennt Heilpflanzen aus der Region
Region Borna Kräutermann aus Kitzscher kennt Heilpflanzen aus der Region
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 04.06.2019
André Freymann ist Gärtner für Garten- und Landschaftsbau, Heilpflanzenpädagoge, Baumfreund und Naturschützer. Seit fast zehn Jahren betreibt er in Leipzig-Schleußig die Seminarwerkstatt "Wilde Kräuterey". Seine eigenen Wurzeln liegen aber in Kitzscher. Quelle: Kathrin Haase
Anzeige
Leipzig/Kitzscher

An seinen letzten Schnupfen kann er sich kaum noch erinnern, und selbst der war nach einem Tag wieder verschwunden. „Ein Tee aus Ingwer, Galgant, Lindenblüten, Holunderblüten und Weißdorn, dann eine Nacht darüber schwitzen und fertig“, empfiehlt André Freymann, der ausgebildete Gärtner für Garten- und Landschaftsbau, Kräuterexperte, Naturschützer, Baumfreund und Heilpflanzenpädagoge.

„Wilde Kräuterey“ seit zehn Jahren in Leipzig

Mit der Kraft der Pflanzen kennt er sich aus wie kein Zweiter. In der Könneritzstraße 82 in Leipzig-Schleußig betreibt der 42-Jährige seit fast zehn Jahren die Seminarwerkstatt „Wilde Kräuterey“ und begleitet interessierte Kinder und Erwachsene durch das Kräuterjahr. Seine eigenen Wurzeln liegen aber in Kitzscher.

Anzeige
André Freymann ist Gärtner für Garten- und Landschaftsbau, Heilpflanzenpädagoge, Baumfreund und Naturschützer. Seit fast zehn Jahren betreibt er in Leipzig-Schleußig die Seminarwerkstatt "Wilde Kräuterey". Quelle: Kathrin Haase

Tee aus Weißdorn, Anis und Drachenkopf

Zur Begrüßung kocht André Freymann seinen Gästen gerne einen Tee: ein bisschen Drachenkopf oder Türkische Melisse, etwas Ingwer, eine Prise Anis und natürlich Weißdorn, der kleine Alleskönner. „Weißdorn ist typisch für den Mai“, sagt der Fachmann und schwört auf die herzstärkende und blutdruckausgleichende Wirkung des Rosengewächses. Es ist absolut nebenwirkungsfrei, sogar die frischen Blätter könne man im Frühjahr essen oder eben als Tee aufsetzen. Blüten und Blätter lassen sich genauso gut in Rotwein einlegen und nach drei, vier Wochen seien all die gesunden Inhaltsstoffe in den Wein gezogen.

Beim achten Groitzscher Frauenmahl drehte sich alles um Frühlingskräuter - von Giersch über Gänseblümchen bis hin zu essbaren Baumblättern. Der Leipziger Kräutermann André Freymann hatte viele Tipps für Kräutersalz, Kräuterkosmetik, Limonaden, Dipps und Salate mitgebracht. Quelle: Kathrin Haase

Gartenfreund von Kindesbeinen an

Schon von Kindesbeinen an faszinierte ihn die Natur vor der eigenen Haustür. Mit seinem Vater arbeitete André Freymann oft im Garten in der Kleingartensparte „Friedenseck“ und baute dort wie auch im Schulgarten der Neubauschule Gemüse, Obst und Küchenkräuter an. „Vielleicht liegt hier der Grundstein für mein Interesse“, sagt der 42-Jährige, der heute selbst Vater von drei Kindern ist.

Lieblingsfächer Biologie und Chemie

In der Schule ging für ihn nichts über Biologie und Chemie, seine absoluten Lieblingsfächer. „Für mich war das ganz spannend“, erinnert er sich an die Jahre am Bornaer Teichgymnasium, „ich hätte gerne den Bio-Leistungskurs belegt, aber der kam leider nicht zustande, weil sich zu wenige dafür eingetragen haben.“ Da wurde es eben Mathe. „Hammerhart! Mathe in der zwölften Klasse war so kompliziert, ich wäre beinahe durch die Prüfung gefallen.“

Zivildienst in der Ökostation Birkenhain

Ist er aber nicht, sondern ging seinen Weg konsequent weiter: Zivildienst in der Ökostation Borna-Birkenhain, Ausbildung zum Gärtner für Garten- und Landschaftsbau, später Studium in Bernburg an der Saale zum Diplom-Ingenieur für Naturschutz und Landschaftsplanung. „Dann wurde es Zeit, beruflich endlich Fuß zu fassen“, sagt Freymann und eröffnete im Herbst 2009 seine „Wilde Kräuterey“.

Schulgarten für den Thomanerchor

Hier bietet der Experte Workshops, offene Werkstätten, Wanderungen und Seminare an. Darüber hinaus betreut er seit dem vergangenen Jahr den Schulgarten des Leipziger Thomanerchores. „Aus einer zugewachsenen Fläche mit Zierpflanzen haben wir einen schönen Garten mit Gemüse- und Hochbeeten geschaffen“, freut er sich über Früchte seiner Arbeit. „Die Kinder haben total Spaß daran. Sie kommen nach dem Unterricht immer rausgerannt und wollen ganz viel im Garten machen. Das ist schön zu sehen.“

Welche Kräuter sind essbar und was verwende ich wofür? Der Leipziger Kräutermann André Freymann kennt sich bestens aus. Quelle: Kathrin Haase

Abendländische Medizinkunde

Sein Ruf zieht mittlerweile große Kreise – bis nach Delitzsch, Borna, Groitzsch und sogar nach Berlin und Bayern. Pädagogen, Erzieher, Tagesmütter, aber auch Therapeuten und Heilpraktiker tragen sich in seine Kurse ein, lernen von ihm die Grundlagen der pflanzlichen Hausapotheke, schnuppern in die abendländische Medizinkunde und trainieren den Blick für essbare Pflanzen und Kräuter sowie Bäume und ihre Wirkkräfte.

Pflanzenfarben und Naturklänge

„Thematisch möchte ich meine Kurse gerne weiterentwickeln“, plaudert Freymann und denkt dabei an Pflanzenfarben und Naturklänge. Er selbst besucht bald einen fünftägigen Intensivkurs in Italien: Paracelsus-Medizin und Alchemie.

Bärlauch, Linden und Wildspinat

Seine Kräuter sammelt der Experte am liebsten im Volkspark Kleinzschocher, im sogenannten Küchenholz, und im Schlosspark Knauthain. Die Region rund um Leipzig sei bekannt für ihren Bärlauchreichtum, für Linden und Giersch, auch Wildspinat des Waldes genannt. „Giersch ist ein schönes, würziges, gesundes Kraut mit ganz viel Mineralien“, gerät der Heilpflanzenpädagoge regelrecht ins Schwärmen. „Es ist ein wertvolles Wildgemüse, das man das ganze Jahr über verwenden kann.“ Zu Unrecht werde es von vielen Gärtnern als Unkraut verteufelt, denn in ihm steckt eine Menge gute Kraft.

Grünzeug für mehr Lebensqualität

Stundenlang kann André Freymann über all das Grünzeug reden, das für ihn nicht nur Arbeitsgrundlage ist, sondern auch Lebensqualität bedeutet. Tee, Pesto, Salate, Kräutersalben und Kräuterbutter, Kräutersalze und Weinauszüge mit Kräutern, Räuchermischungen, Badesalze und Körperöle – all das fertigt er mit seinen Kursteilnehmern in der Wilden Kräuterey an.

„Frische Kräuter mit Salz sind gerade mein Lieblingsthema.“ Mit einem Steinmörser verarbeitet er sie zu einem hochkonzentrierten Brei, lässt diesen auf Backpapier trocknen und macht die Kräuter damit über Monate haltbar. „Das macht so viel Spaß“, strahlt er und hat dafür noch unzählige Rezepte und Kombinationen im Kopf.

Jede Menge Kräuter hat André Freymann in seiner „Wilden Kräuterey“ zusammengetragen – und verarbeitet diese zu Tee, Pesto, Salaten, Kräutersalzen und Kräuterbutter. Quelle: Kathrin Haase

Tee gegen Erkältungen

Jeder Morgen beginnt für den Kräutermann mit einem selbstgebrühten Ingwertee aus Weißdorn, Melisse, Minze oder Frauenmantel. „Je nachdem, was ich gerade frisch gesammelt habe.“ Die guten Inhaltsstoffe, Mineralien und Vitamine, halten dem 42-Jährigen bisher jede Erkältung vom Leib.

Von Kathrin Haase