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Borna Kraftwerk Lippendorf: Kohleausstieg durch die Hintertür?
Region Borna Kraftwerk Lippendorf: Kohleausstieg durch die Hintertür?
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09:10 28.06.2019
Bis vor Kurzem waren noch beide Blöcke in Lippendorf in Betrieb. Nun ist einer abgeschaltet. Quelle: Jens Paul Taubert
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Neukieritzsch/Lippendorf

Ist das schon der Anfang vom Ende? Läutet der momentane Verzicht des Energiekonzerns EnBW auf Strom aus Lippendorf schon den Ausstieg aus der Braunkohle im Leipziger Südraum ein?

Aktuell handelt es sich vordergründig nur um eine Reaktion auf Marktbedingungen. Klimapolitische Gründe hat der süddeutsche Energiekonzern nicht ins Feld geführt. Und doch hat das eine mit dem anderen zu tun. Aus klimapolitischen Gründen wird Energie aus erneuerbaren Quellen zuerst ins Netz eingespeist. Erst wenn das nicht reicht, wird auf fossile zurückgegriffen.

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Das Kraftwerk Lippendorf in der Dämmerung : Ein Block wird aus wirtschaftlichen Gründen vorläufig nicht betrieben. Quelle: André Neumann

Strom aus Wind und Sonne ist aber volatil, wie es in der Energiewirtschaft heißt. Bedeutet, er steht schwankend, sprunghaft, nicht kontinuierlich zur Verfügung. Ein Kohlekraftwerk ist eher schwerfällig, ist für einen stabilen Dauerbetrieb gebaut.

Erneuerbaren Energie sind schwankend

Die Volatilität der erneuerbaren Energien und das Gesetz zwingen Kohlekraftwerksbetreiber also zu einer schwankenden Fahrweise, die Kohlestrom teurer beziehungsweise unwirtschaftlicher macht. EnBW hat in dieser Situation seinen Meiler abgeschaltet. Die Leag nicht. Was auch daran liegen könnte, dass der Lausitzer Konzern besser mit langfristig gesicherten Stromabnahmeverträgen ausgestattet ist als die Mitbewerber aus Baden-Württemberg.

Multimedia-Reportage

So funktioniert das Kraftwerk Lippendorf bei Leipzig.

Und natürlich ist der Blick der EnBW auf das Kraftwerk in Sachsen ein anderer als der des in der Region verwurzelten Betreibers. Auch der wird sich aber Marktmechanismen nicht entziehen können. Und die Bedingungen dürften um so schwieriger werden, je länger der EnBW-Block abgeschaltet bleibt.

Der Braunkohleausstieg, so sieht es aus, kommt schleichend. Das Jahr 2038, das ja noch nicht einmal Gesetzeskraft hat, ist keine statische Größe. Letztlich werden die Konzerne aus wirtschaftlichen Erwägung entscheiden, ob und wie lange sie noch Kohle verstromen.

Von André Neumann

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