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Borna 300 Gäste beim Wirtschaftstag in Neukieritzsch
Region Borna 300 Gäste beim Wirtschaftstag in Neukieritzsch
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13:43 21.03.2019
Beim Wirtschaftstag in Neukieritzsch kam Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mitte) unter anderem mit Vertretern von Dow Chemical ins Gespräch. Quelle: Thomas Kube
Neukieritzsch

Im Schatten der Lippendorfer Kühltürme machten es Wirtschaft und Politik am Mittwoch konkret: Vor welche Herausforderungen stellt der Kohleausstieg den Mittelstand? Wie stark werden Firmen im Umfeld von Tagebauen und Kraftwerken betroffen sein, wenn sich Deutschland von dem Energieträger verabschiedet? Der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) hatte zum Wirtschaftstag in die Neukieritzscher Parkarena eingeladen und der Andrang war mit 50 Ausstellern aus den Landkreisen Leipzig, Altenburger Land und dem Burgenlandkreis enorm, wie Regionalvertreterin Constanze Weiß bilanzierte.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer war Gast des 13. Wirtschaftstages des BVMW in Neukieritzsch. Bestimmendes Thema war der Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier.

Einerseits hält die Region den Atem an angesichts der in Aussicht stehenden Strukturmillionen, andererseits war in Neukieritzsch auch eine gewisse Ungeduld zu spüren, wann das Revier aus den Startblöcken kommt. „Wir sind gerade in einer sehr spannenden Phase“, machte Götz Ulrich (CDU), Landrat des Burgenlandkreises, deutlich. „Noch haben wir nichts in der Hand. Gleichzeitig merken wir schon jetzt, dass der Widerstand der anderen Bundesländer wächst.“ Die Empfehlungen der Kohlekommission müssten erst noch Gesetz werden. „Wenn das nicht gelingt“, warnte der Sachsen-Anhalter, „können wir zwar Erfolge auf dem Papier vorweisen, aber nicht in der Praxis.“

Genau das will auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) verhindern und hegt deshalb Sympathie für einen aktuellen Vorstoß. Demnach liebäugelt die Metropolregion Mitteldeutschland mit dem Gedanken, sich als Modellregion für den Mobilfunkstandard 5G ins Spiel zu bringen. „Das wäre ein Standortfaktor, der für Unternehmen den Ausschlag geben könnte, sich in Neukieritzsch oder Böhlen anzusiedeln“, erklärte Kretschmer vor rund 300 Gästen des Wirtschaftstages.

Intensive Verhandlungen mit dem Bund

Nach den Verhandlungen ist dabei vor den Verhandlungen. „Wir drängen derzeit in Gesprächen mit dem Bund darauf, Verlässlichkeit hinsichtlich großer Infrastrukturprojekte zu bekommen“, so der Landeschef. „Dabei geht es um die Trasse Milau, aber auch die Elektrifizierung von Bahnstrecken oder den Leipziger S-Bahn-Ring.“ Auch Hartmut Mangold, Staatssekretär im sächsischen Wirtschaftsministerium, sprach von entscheidenden Wochen. „Der Chef der Staatskanzlei kann sich eine Zweitwohnung in Berlin nehmen, so intensiv wird derzeit mit dem Bund über Details des Kohleausstiegs gerungen.“

BVMW-WIRTSCHAFTSTAG unserer 3 Landkreise diesmal in Neukieritzsch - also gleich um die Ecke- wieder hochkarätig besetzt....

Gepostet von Michaele Sojka am Mittwoch, 20. März 2019

Dass das Mitteldeutsche Revier dabei gute Karten hat, unterstrich Landrat Henry Graichen (CDU), Landrat des Landkreises Leipzig. Jetzt allerdings müsse man den Kohlekompromiss mit Leben erfüllen. „Nicht nur für die Mibrag, die die Kohle fördert, und die LEAG, die sie verstromt, haben sich die Vorzeichen geändert. Auch viele Mittelständler müssen sich neu orientieren und sich vom Kreislauf der Kohle lösen.“ Viele Firmen seien gefordert, sich neue Geschäftsfelder zu erschließen – mit Unterstützung von Politik und Wissenschaft. Für seinen Naumburger Amtskollegen Götz Ulrich liegt es nahe, vor allem die Mibrag in ihrem Bemühen um neue Betätigungsfelder nicht im Stich zu lassen: „Das Bergbauunternehmen hat zahlreiche Potenzialflächen, auf denen neue Arbeitsplätze entstehen könnten.“

Mitteldeutsche Allianzen sollen ausgebaut werden

Als große Herausforderung wurde die Abstimmung über Ländergrenzen hinweg angesehen. „Es muss uns gelingen, übergreifende Projekte wie die Wiederherstellung der B 176 zwischen Hohenmölsen und Pegau oder den Ausbau des S-Bahn-Netzes gemeinsam voranzutreiben. Bei der Ausweitung des S-Bahn-Netzes müssen drei Länder mitspielen, da knirscht es schon im Getriebe“, so Ulrichs Beobachtung. Solche Reibungsverluste möglichst zu begrenzen, ist Job der Metropolregion. Deren Geschäftsführer Jörn-Heinrich Tobaben kann sich auf einen breiten Konsens im Dreiländereck Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stützen: „In der Lausitz ist man längst nicht so weit. Da fühlen sich drei Gesellschaften berufen, den Strukturwandel zu managen.“ Teilnehmer des Wirtschaftstages forderte Tobaben auf, sich beim aktuellen Mitmach-Fonds zum Strukturwandel einzubringen.

Haltestelle von Fischer-Art kommt an

Kreativ vorgelegt haben bereits der Bornaer Künstler Michael-Fischer Art und die Böhlener Firma DesignGroup, die mit einer comicmäßig gestalteten Bushaltestelle für die Zeit nach der Kohle warben. Am Stand der Südraum-Stiftung gab diese einen farbenfrohen Vorgeschmack darauf, dass der Strukturwandel auch bunt sein kann. „Solche Haltestellen“, gab Stiftungsvorsitzender Markus Krabbes Landeschef Kretschmer mit auf den Weg, „könnten eines Tages trostlose Haltepunkte entlang der S-Bahn ablösen.“ Auch dafür zeigte sich der MP offen, denn der Kohleausstieg, so Kretschmer, solle auch mit einer positiven und optimistischen Wahrnehmung

Ministerpräsident Michael Kretschmer macht Station an der Musterhaltestelle, die nach Entwürfen von Michael Fischer-Art von der Böhlener Firma DesignGroup gebaut wurde. Quelle: Simone Prenzel

der einstigen Reviere einhergehen.

Von Simone Prenzel

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