Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Länder wollen Lückenschluss zwischen Pegau und Hohenmölsen
Region Borna Länder wollen Lückenschluss zwischen Pegau und Hohenmölsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:03 07.05.2019
Die Karte zeigt den angestrebten Lückenschluss der B 176 zwischen Pegau und Hohenmölsen.  
Die Karte zeigt den angestrebten Lückenschluss der B 176 zwischen Pegau und Hohenmölsen.   Quelle: Dirk Hentschel
Anzeige
Pegau

In engem Schulterschluss wollen die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt die Entwicklung der Region zwischen Pegau, Weißenfels und Zeitz voranbringen. Den beteiligten Kommunen sagten die Wirtschaftsminister der beiden Länder, Martin Dulig (SPD, Sachsen) und Thomas Webel (CDU, Sachsen-Anhalt), am Montag bei einer Zusammenkunft im Pegauer Volkshaus ihre volle Unterstützung zu.

Vor allem zwei Verkehrsprojekte standen bei der länderübergreifenden Tagung im Fokus: die Wiederherstellung der B 176 zwischen Pegau und Hohenmölsen sowie der Ausbau der Bahnstrecke Leipzig-Zeitz-Gera.

Pegau liegt viel an der Verbindung nach Hohenmölsen

Stadtchef Frank Rösel (parteilos), Gastgeber des Treffens, betonte, dass Pegau sehr viel an der Verbindung liegt. „Früher verband die B 176 unsere beiden Nachbarstädte. Bis die Trasse 1964 durch den Tagebau gekappt wurde. Seitdem müssen wir die dreifache Strecke über Profen fahren, ums ans Ziel zu kommen.“ Die Aussicht auf Geld aus dem Kohlefonds biete die einmalige Chance, diese wichtige Ost-West-Achse für die Region wieder herzustellen. Auch Andy Haugk (parteilos), Bürgermeister der sachsen-anhaltischen Stadt Hohenmölsen, unterstrich die Bedeutung des Lückenschlusses.

Vertreter aus Sachsen (Landrat Henry Graichen, Wirtschaftsminister Martin Dulig, Bürgermeister Frank Rösel v.l.) und Sachsen-Anhalt stimmen sich über länderübergreifende Verkehrsprojekte ab. Quelle: Mathias Bierende

Der Braunkohleabbau habe die in der Vergangenheit eng miteinander verwobenen Ortschaften vor vielen Jahrzehnten getrennt, so der Sachsen-Anhalter. Schon früher – Ende des 13. Jahrhunderts – seien die Bauern aus Pegau zum Markt nach Hohenmölsen gefahren und „haben sich von dort ihre Mädels mitgebracht“, bemühte Haugk schmunzelnd die Historie.

Heute wiederum sei der Brückenschlag für eine ganze Region und zwei Bundesländer von großer Tragweite. Aktuell kommt die B 176 aus Richtung Erfurt, erreicht bei Bad Bibra den Burgenlandkreis, führt weiter über Freyburg nach Weißenfels – um dann im Nirwana zu enden. Bis Pegau klafft eine rund acht Kilometer lange Lücke, die der Tagebau Profen gerissen hat.

Länderübergreifes Entwicklungskonzept soll Lösung bringen

„Durch den Abschied von der Kohle stehen wir vor großen Herausforderungen“, erklärte Haugk. Die politischen Weichenstellungen böten aber auch die Chance, „die Landschaft zu formen“. Um Vorstellungen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, verständigte man sich in Pegau auf die Erarbeitung eines länderübergreifen Entwicklungskonzeptes.

Landrat Henry Graichen, Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig, Bürgermeister Frank Rösel (Pegau), Stadtchef Andy Haugk (Hohenmölsen), Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel, Getec-Geschäftsführer Chris Döring und Götz Ulrich, Landrat des Burgenlandkreises, stimmen sich über länderübergreifende Verkehrsprojekte ab (v.l.n.r.). Quelle: Mathias Bierende

Dieses soll Perspektiven für die Bergbaufolgelandschaft des Tagebaus Profen aufzeigen. Beteiligt sind die Kommunen Pegau und Elstertrebnitz aus Sachsen sowie Hohenmölsen, Lützen, Teuchern und die Gemeinde Elsteraue auf sachsen-anhaltischem Gebiet. Zudem sei eine Machbarkeitsstudie für die B 176 geplant, ergänzte Landrat Götz Ulrich (CDU). Diese soll Vorschläge für die Trassenführung unterbreiten, die dann in Workshops erörtert werden sollen.

Der Lückenschluss per Straße ist von den Ländern ebenso für das Maßnahmegesetz zum Strukturwandel angemeldet worden wie die Bahnstrecke Leipzig-Zeitz-Gera. Sachsens Wirtschaftsminister sprach diesbezüglich von einem „konstruierten Missverständnis“, das in den vergangenen Tagen völlig zu Unrecht für Verunsicherung gesorgt habe.

Dulig: Wasserstoffzüge und Elektrifizierung kein Widerspruch

Es sei kein Widerspruch, betonte Dulig, dass Sachsen die Strecke beim Bund für den Einsatz von Wasserstoffzügen und Sachsen-Anhalt für eine Elektrifizierung angemeldet habe. Der Minister: „Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen. Der Einsatz von alternativen Antrieben bietet eine kurzfristige Lösung, um die Züge durch den City-Tunnel fahren zu lassen und die Region ans S-Bahn-Netz anzubinden.“

Wasserstoffzüge sollen die Region künftig mit Leipzig verbinden. Quelle: F. Schütze

Die Elektrifizierung hingegen bleibe eine langfristige Aufgabe, betonte der Sachse. Zum Zeithorizont erklärte Landrat Henry Graichen (CDU): „Die Verträge für die Strecke laufen noch bis Dezember 2024. Frühestens dann könnten Wasserstoffzüge zwischen Gera, Zeitz und Leipzig verkehren.“ Da der größte Abschnitt der Strecke in Thüringen liegt, werde der dortige Verkehrsverband die Ausschreibung vornehmen.

Von Simone Prenzel