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Borna Landfrauen suchen die schönste Erntekrone in Borna
Region Borna Landfrauen suchen die schönste Erntekrone in Borna
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14:00 13.05.2019
Um das Binden von Erntekronen ging es kürzlich bei einer Veranstaltung in Kohren-Sahlis. Dabei lernten die Teilnehmerinnen auch etwas über den Umgang mit Getreidearten, die zum Binden verwendet werden. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Alte Sagen erzählten von Korndämonen: Die Naturgeister kommen mit dem Regen auf die Erde, nisten sich in den Feldern ein und vernichten die Ernte. Die Bauern versuchen sie mit Ritualen zu vertreiben oder wenigstens versöhnlich zu stimmen. Die letzten drei, sieben oder neun Ährenhalme werden abgeschnitten und zu einem „Erntebüschele“ oder „Glückshämpfele“ zusammengebunden.

Später fertigen die Bäuerinnen aus Getreide gebundene Kränze oder Kronen an. Die Symbolik wandelt sich. Die Angst vorm Korndämon weicht. Die Schnitter ziehen mit dem letzten Erntewagen in den Gutshof ein und überreichen ihrem Herrn die geschmückte Erntekrone. Sie wird aufgehängt und darunter gefeiert – mit Erntetrunk, Ernteschmaus und Erntetanz.

Seit 26 Jahren richtet der Sächsische Landfrauenverband diesen Wettbewerb aus. Hier Fotos von den schönsten Kränzen und Kronen vom Landeserntedankfest in Coswig im vergangenen Jahr.

Stadtkirche Borna eine Woche lang voller Erntekronen

„Man brachte damit seinen Dank für die gute Ernte zum Ausdruck“, sagt Heike Sparmann. Sie ist Geschäftsführerin des sächsischen Landfrauenverbandes und hat derzeit an viel zu denken, was mit dem Binden von Kronen und Kränzen zu tun hat. Denn: Zum Landeserntedankfest im Oktober in Borna sind die Landfrauen wesentliche Akteure bei ihrem 26. Wettbewerb um die schönste Erntekrone und den schönsten Erntekranz. Diese Tradition zu erhalten und an Jüngere weiterzugeben, sei ein Anliegen des Verbandes .

Fast eine Woche – vom 1. bis 6. Oktober – darf Jung und Alt in der Bornaer Stadtkirche St. Marien dieses „Wunderwerk handwerklicher Bindekunst“ bestaunen und selbst probieren. Es ist alles andere als ein Kinderspiel. Doch die Steppkes haben Spaß daran, weiß Sparmann aus Erfahrung. Das wird wohl auch in Borna so werden. Knapp 500 Schul- und Kindergartenkinder meldeten sich bereits zu den Workshops an, die vom 2. bis 4. Oktober in der Kirche stattfinden.

Es ist nicht einfach, so eine Erntekrone zu binden. Quelle: Landfrauen-Verband

Knapp 500 Kinder bei Workshops in Borna dabei

An zehn Stationen werden die Knirpse den Unterschied zwischen Weizen, Roggen und Gerste lernen, in Fühlkisten Naturmaterialien erraten, mehr über Erntekronen erfahren, selbst gemachten Kräuterquark mit dem aus dem Supermarkt vergleichen, kleine Getreidesträuße binden und dem Kräuter-Hans auf der Märchenbühne zuhören. All dies unter zwanzig bis vierzig Erntekronen und -kränzen, je nachdem wie viele für den Wettbewerb eingereicht werden.

Der Wettbewerb wird seit 2017 vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft ausgerichtet, das den Landfrauenverband mit der Organisation und Durchführung beauftragt. Heike Sparmann sieht hier einen Bildungsauftrag: „Es geht um gesunde Ernährung und um so einfache Dinge wie: Wo kommen unsere Lebensmittel her?“ Viele Kinder würden darauf antworten: „Aus dem Supermarkt.“ Also wolle sie mit ihren Mitstreiterinnen etwas dafür tun, dass der Nachwuchs versteht, dass Getreide ausgesät, gepflegt, geerntet und bearbeitet werden muss, um damit Brot backen zu können.

Am 3. und 5. Oktober sind dann Workshops für alle geplant, zu denen man sich nicht extra anmelden muss: „Familien können einfach vorbei kommen und sich beim Binden ausprobieren.“ Am Sonntag wird es in der Stadtkirche einen Ökumenischen Gottesdienst geben, Höhepunkt des Tages ist der Festumzug – mit dabei auch Erntekronen. Während des gesamten Festes betreibt der Verband im Kirchgemeindehaus ein Landfrauencafe „mit vielen frisch gebackenen Kuchen“.

Landfrauen sind auch Zahnärztin und Verkäuferin

860 Mitglieder hat der Verband in Sachsen, deutschlandweit sind es eine halbe Million. „In Nordsachsen haben wir viele Ortsverbände, aber in anderen Regionen leider noch gar keine“, sagt Sparmann. Zum Beispiel im hiesigen Landkreis Leipzig. Sie hoffe, mit den Aktionen zum Landeserntedankfest in Borna Frauen für die Verbandsarbeit begeistern zu können.

Bei Workshops erfahren Kinder mehr über Erntekronen und auch, dass die Milch nicht aus dem Supermarkt kommt, sondern vom Bauern. Quelle: Landfrauen-Verband

Dabei kämpft sie gegen ein Vorurteil: „Viele denken, dass wir alle Bäuerinnen sind.“ Doch die Berufsgruppen seien bunt gemischt: Zahnärztin, Gemüseschnitzerin, Verkäuferin, Büroangestellte, Apothekerin... Sie selbst war 20 Jahre lang Chefin beim Regionalfernsehen.

Gleichstellung zwischen Stadt und Land ist ein Thema unter den Frauen

Ihr Verband engagiere sich auch nicht nur für Traditionen wie die Erntekrone. „Es geht uns um Gleichstellung zwischen Stadt und Land sowie zwischen Frau und Mann“, sagt die 60-Jährige. Der ländliche Raum werde zu oft hinten angestellt: „Bei Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten, Nahverkehr und Schulen, die Kinder haben ewig weite Wege, das ist nicht in Ordnung“, kritisiert sie.

Heike Sparmann ist Geschäftsführerin des Landfrauenverbandes in Sachsen. Quelle: Landfrauenverband

Auch Frauen seien nach wie vor benachteiligt, bei Löhnen wie bei der Rente, „das Thema ist noch lange nicht vorbei“. Aktuell für ihren Verband sei derzeit die Pflege: „Es sind meist Frauen, die Angehörige zu Hause pflegen und dabei immens gefordert sind.“

Initiative „Junge Landfrauen“ am 18. Mai in Kohren-Sahlis

Die Ortsverbände sind unterschiedlich groß. Manche haben nur sieben Mitglieder, andere wie in Görlitz 110. Von der Geschäftsstelle in Frankenberg bei Chemnitz aus werde die Arbeit unterstützt. Es gebe handwerkliche Angebote wie Filzen und Drechseln, Vorträge zu „Erben und Vererben“, aber vor allem gehe es um die Arbeit vor Ort.

Da viele Frauen im Verband 55 und älter sind, gebe es jetzt eine Initiative „Junge Landfrauen“ – die sich am 18. Mai zum Austausch in der Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis trifft. „Wir müssen uns verjüngen“, sagt die Chefin. Wenn 75-Jährige zusammen stricken, quatschen und lachen, sei das eine schöne Sache, doch so lassen sich keine jungen Frauen gewinnen. Der Verband sei politisch aktiv. „Wir sind regelmäßig in Dresdner Ministerien, wenn es um den ländlichen Raum geht, weil wir wissen, wo die Probleme liegen.“

Auch so kann eine Erntekrone aussehen. Neben der traditionellen Herstellungsweise gibt es die Kategorie Freestyle – hier Platz 1 und Publikumsliebling aus dem vergangenen Jahr. Quelle: Landfrauen-Verband

Tradition und Moderne lasse sich zudem verbinden. Zum Beispiel beim Wettbewerb um die schönste Erntekrone. Neben der traditionellen Bindeweise, wo strikte Regeln gelten, ist auch „Freestyle“ zugelassen, „dort ist nahezu alles erlaubt, es muss nur mit Landwirtschaft oder Gartenbau zu tun haben“. Es gibt auch einen Anfänger-Bonus, den Sonderpreis „Bestes Erstlingswerk“.

So wird eine Erntekrone gebunden

– Für das Schweißen des Gestelles ist ein Schmied oder ein Metallbaubetrieb der richtige Ansprechpartner. Das Stahlrohr soll der Krone Halt verleihen. Die minimal vier Bögen werden auf ein kreisrundes Gestell aufgeschweißt. Das optimale Verhältnis der Bögen zum Kreis beträgt drei zu vier. Wird oben eine Vorrichtung für die Aufhängung angebracht, kann die Erntekrone später problemlos aufgehängt werden.

– Das Getreide sollte schon gelb, die Ähren aber noch nicht nach unten gebogen sein. Aus ca. 20 bis 40 Halmen werden mit einer Schnur Bündel zum Trocknen über Kopf in einen trockenen Raum gehängt. Nach zwei bis drei Wochen wird das Getreide locker in Kartons gelegt. Oft wird die Menge unterschätzt, die man für eine Krone benötigt. Für einen Strang sind das etwa 4000 Stängel.

– Zum Verzieren eignen sich getrocknete Blüten, Früchte oder bunte Bänder. Künstliche Blumen sind bei der traditionellen Erntekrone tabu.

Die wichtigsten Arbeitsschritte:

1) Die Halme werden auf eine Länge von etwa. 10 bis 14 Zentimetern zugeschnitten.

2) Jeweils drei bis vier Ähren werden zu einem Sträußchen zusammengefasst.

3) Man beginnt oben am Gestell und arbeitet sich nach unten. Die Ähren werden mit einem festen Wickeldraht am Gestell befestigt.

4) Die aufgebundenen Ähren müssen nach oben gebunden werden.

5) Unten am Kreis angekommen, lässt man den Wickeldraht hängen.

6) Hinter einer Bogenstange werden dann die Ähren gegen den Uhrzeigersinn auf dem Kreis mit Hilfe des herabhängenden Drahtes festgebunden.

7) Um die Ansatzstellen vom Binden gut zu verdecken, werden bunte Bänder an jeden unteren Abschluss eines Bogens gebunden. Auch kleine Blumenbuketts sind möglich.

Werkzeuge: Rosenschere, Drahtschneider, Messer, Wickeldraht

– Eine fertige Kranzunterlage aus Stroh ist für große Erntekränze am besten geeignet und bringt die nötige Stabilität. Die sind in Baumärkten, im Bastelgeschäft oder beim Floristen erhältlich.

– Gewickelt wird immer von innen nach außen, mit der rechten Hand führt man den Draht und legt die Pflanzenbüschel an, mit der linken Hand hält man den Kranz und die angelegten Materialien.

Quelle: Leitfaden zur Anfertigung einer Erntekrone und eines Erntekranzes des Sächsischen Landfrauenverbandes

– Die Kronen und Kränze für den Wettbewerb und die Ausstellung werden am 30. September von 16 bis 19 Uhr und am 1. Oktober von 10 bis 13 Uhr in der Bornaer Stadtkirche St. Marien entgegen genommen. Mehr Infos unter https://slfv.de/erntekronenwettbewerb-2019

Veranstaltungen:

– 22. Mai, 18 Uhr, Orangerie Gaschwitz, Hauptstr. 315: Informationsveranstaltung über das Binden

– 19. Juli, 17 Uhr, Volkskundemuseum Wyhra, Benndorfer Weg 3, Borna/Ortsteil Wyhra: Bindeworkshop

Anmeldungen bitte per Telefon 037206 883830 oder per Mail info@slfv.de

Fakten zum Landeserntedankfest

– Bis zu 50.000 Besucher werden beim Sächsischen Landeserntedankfest vom 4. bis 6. Oktober in Borna erwartet. Eine Mammutveranstaltung für hiesige Verhältnisse, der zudem am Tag der Deutschen Einheit das alljährliche Stadtfest vorangeht.

– Kultur ist ein wesentlicher Bestandteil des Festes. Es wird mindestens drei Bühnen geben, eine davon in einem Festzelt. Dort findet am 4. Oktober die offizielle Eröffnungsveranstaltung statt, zu der auch der sächsische Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) erwartet wird.

– Eingebunden in das Kulturprogramm werden lokale Vereine, Schulen und Musikschulen ebenso wie die Sächsische Bläserphilharmonie und das Leipziger Symphonieorchester. Auf dem Volksplatz finden an allen drei Festtagen Veranstaltungen statt, etwa ein Familienfest sowie ein Guggemusiktreffen. Im Museum gibt es eine Ausstellung zum Thema Zwiebel, dem Bornaer Gemüse, um das sich die Veranstaltung speziell drehen soll.

– Landwirtschaft spielt beim Landeserntedankfest eine besondere Rolle. Neben den regionalen Agrargenossenschaften und dem Kreisbauernverband werden deshalb auch Kleingärtner sowie Forstwirtschaft und Fischereibetriebe mit einbezogen. Gedacht ist an eine Nutztier-Ausstellung, etwa mit Schafen von der Ökologischen Station Birkenhain und Bienen. Auch eine Schau mit speziellen Apfelsorten gehört zu den Plänen.

– Alle christlichen Gemeinschaften in Borna, neben den beiden großen Konfessionen auch die Freie evangelische Gemeinde und die Neuapostolische Gemeinde, sind beim Fest dabei. Es gibt einen ökumenischen Festgottesdienst. Kirchenmusik und ein „Angebot für Stille und Gebet“ sind ebenso vorgesehen wie die Einbeziehung von Diakonie und Caritas. In der Stadtkirche konzentrieren sich die Aktivitäten der Landfrauen. Hier wird bereits am 2. Oktober die Erntekronen-Ausstellung eröffnet.

Von Claudia Carell

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