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Borna Leben wie in der Jungsteinzeit: Verein will archäologisches Dorf bauen
Region Borna Leben wie in der Jungsteinzeit: Verein will archäologisches Dorf bauen
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00:32 26.05.2018
Auf der zukünftigen Trasse der Autobahn A72 bei Rötha haben Archäologen sensationelle Funde aus der Steinzeit gemacht, unter anderem die Überreste eines über 7000 Jahre alten Hauses. Quelle: dpa
Rötha/Borna

Geschichtsbücher sind gut und schön, allerdings nur wenig beliebt. Der Förderverein zum Aufbau des Dokumentationszentrums IndustrieKulturlandschaft Mitteldeutschland (DokMitt) weiß darum und will deshalb eine andere Art lebendiger Wissensvermittlung schaffen. Im Südraum Leipzig soll – möglicherweise schon im nächsten Jahr – ein archäologisches Dorf entstehen, das sich dem Neolithikum widmet. Auf rund einem Hektar Fläche sollen Fragen rund um die Jungsteinzeit beantwortet werden, unter anderem: wie lebte es sich vor etwa 8000 Jahren? Welches Handwerk gab es? Wie waren die Gebäude der damals lebenden Menschen beschaffen?

Verein legt wert auf gegenständliches Lernen

„Ziel unseres Vereins ist es ja, Zeugnisse der Historie zu sammeln, zu erforschen und schließlich auch das Wissen darum zu vermitteln“, macht Vorstandsvorsitzer Walter Christian Steinbach deutlich. Die digitale Arbeit sei eine Variante der Bildung, doch der Verein lege viel Wert auf gegenständliches Lernen. Was also biete sich besser an als ein Dorf, in dem die Besucher das Leben der sesshaft gewordenen Bauern erfahren können? Zu sehen sein sollen unter anderem Langhäuser, Gärten und Handwerk. „Denkbar wären auch Veranstaltungen wie ein Kochkurs, der sich dem damals typischen Essen widmet.“

DokMitt bekommt für Entwicklung der Idee Fördermittel

Erste Gespräche mit Harald Stäuble, Referatsleiter für Großprojekte im Dresdner Landesamt für Archäologie, Thomas Westphalen vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz, sowie mit Sabine Wolfram, Direktorin des staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz, seien sehr vielversprechend gewesen und hätten den Verein darin bestärkt, die Idee fortzuführen. Derzeitiger Stand der Dinge: Der Verein hat Leader-Fördermittel in Höhe von 30 000 Euro bewilligt bekommen, um die Planungen voranzubringen und die Konzepterstellung auszuschreiben. DokMitt selbst kümmert sich um diese beiden Punkte, will aber sowohl die Umsetzung als auch den Betrieb des Dorfes in andere Hände geben. Während eines Treffens mit Zweckverbänden, Kommunen und Vereinen wie dem Kuhstall aus Großpösna hatte Steinbach das Thema bereits vorgestellt – „und fast ausschließlich positive Rückmeldungen erhalten“.

Auf der zukünftigen Trasse der Autobahn A72 bei Rötha haben Archäologen sensationelle Funde aus der Steinzeit gemacht, unter anderem die Überreste eines über 7000 Jahre alten Hauses. Quelle: Dpa

Steinbach rechnet damit, dass mehrere Fördertöpfe angezapft werden könnten, um die Idee zu realisieren, dennoch bedarf es eines mutigen Investors, der auch Eigenmittel aufbringen kann. „Das archäologische Dorf wird sicherlich eine große Ausstrahlung über Sachsen hinaus haben, bis dahin aber ist es ein steiniger Weg.“

Investoren mit Eigenkapital werden gesucht

Ein entsprechendes Konzept, das in den kommenden Wochen vorliegen wird, soll mögliche Standorte und Finanzierungsmöglichkeiten aufzeigen, einen Aufbau vorschlagen sowie Mitarbeiterzahlen benennen. Wichtig sei nach Aussage von Steinbach auch die Darstellung der Vernetzung mit der Wissenschaft. Liege das Konzept vor, gehe es bis Ende des Jahres darum, Investoren zu finden und die Mittelbeschaffung anzuschieben. Mit der Fertigstellung des Dorfes könne eventuell 2020 gerechnet werden.

Würde es nach DokMitt gehen, bliebe es aber nicht bei einem Dorf, das die Jungsteinzeit in den Fokus rückt. Vielmehr, so Steinbach, sei es denkbar, das Areal um weitere Zeitalter zu ergänzen. Darüber hinaus könne das Dorf Teil einer archäologischen Ferienstraße werden, sollten in Sachsen noch an anderen Standorten solche Erlebnisdörfer entstehen.

7300 Jahre altes Haus unter Rötha entdeckt

Dass sich das Vorhaben zunächst dem Neolithikum widmen soll, hat übrigens noch einen anderen Hintergrund: Im März 2014 hatten Archäologen in Rötha Spuren eines circa 7300 Jahre alten Hauses entdeckt. Sensationell war daran vor allem, dass an beiden Seiten des Grundrisses Relikte von „Gartenzäunen“ entdeckt wurden. Dabei hatten Stäuble und seine Kollegen damals nicht damit gerechnet, auf dem Gelände der Trasse der neuen Autobahn 72 überhaupt etwas zu finden.

Von Julia Tonne

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