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Borna Leipziger Forstdirektor: „Waldschäden brechen jeden Rekord“
Region Borna Leipziger Forstdirektor: „Waldschäden brechen jeden Rekord“
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14:00 15.08.2019
Im Colditzer Forst werden vom Borkenkäfer befallene Fichten entnommen. Quelle: Jens Paul Taubert
Leipzig

 Was sich seit vergangenem Jahr in den Wäldern der Leipziger Region entwickelte, ist ohne Beispiel. Stürme und Schädlinge setzen den Beständen zu in einer Weise, wie es selbst erfahrene Forstleute nicht kennen. Begriffe wie Krise oder Katastrophe vermeidet Andreas Padberg, Leiter des Sachsenforst-Bezirks Leipzig, der rund 15 500 Hektar Landeswald betreut. Im LVZ-Interview spricht er lieber über Wege aus dieser angespannten Situation.

Wie geht es dem Wald im Forstbezirk Leipzig?

Ohne zu übertreiben: 2018 war ein Katastrophenjahr. Doch die Schadensereignisse haben ineinander gegriffen und die Situation weiter eskalieren lassen. Die Schäden des Sturms Herwart 2017 waren zwar erheblich, aber Friederike und Eberhard sorgten schließlich für eine halbe Million Kubikmeter Schadholz allein im Forstbezirk Leipzig.

Das ist mehr als das Vierfache unseres jährlichen Einschlags. Unsere Schwerpunkte sind die Reviere Colditz und Waldmühle. Hier hatten wir zuletzt noch den höchsten Nadelholz-Anteil. Und nach den Stürmen kamen die Borkenkäfer.

Selbst in Nachkriegsjahren war es nicht so arg

Kennen Sie eine vergleichbare Situation?

Nicht mal aus den Büchern. Was den Käfer-Befall bei der Fichte betrifft, mussten wir bislang davon ausgehen, dass die Schäden 1946 bis 1948, in den unmittelbaren Nachkriegsjahren, für Sachsen den Maximalwert bildeten. Dieser traurige Rekord wurde bereits 2018 gebrochen, da lagen die Schäden beim mehr als Doppelten. Diese Tendenz setzt sich 2019 fort.

Warum diese Dynamik?

Mit bis zu 20 Harvestern parallel haben wir im Forstbezirk das Bruchholz herausgeholt, um Käfern wie Buchdrucker und Kupferstecher den Brutraum zu entziehen. Doch die extreme Witterung, auch der jüngste milde Winter, verschärfte die Lage zusätzlich. Der Fichtenborkenkäfer konnte 2018 drei Generationen entwickeln, was sehr selten ist. Dieselbe rasante Vermehrung müssen wir auch für dieses Jahr konstatieren.

Was kann man tun?

Das Schadholz aufarbeiten, wo es für den Waldschutz geboten ist. Wichtig ist es dabei, das Holz aus dem Wald abzufahren, bevor die Käfergeneration unter den Rinden fertig entwickelt ist und ausfliegt. Die Fichte hat sich in unserem Forstbezirk bis auf Restbestände erledigt. Aber auch die Lärche, die wir als Nadel-Mischbaumart halten wollen, wird durch Schädlinge angegriffen und bildet aktuell im Monitoring und Sanierung das Hauptaugenmerk unserer Bemühungen.

Gift erreicht Borkenkäfer nicht

Warum setzen Sie keine Pestizide ein?

Borkenkäfer bohren sich durch die Rinde ihrer Wirts-Baumarten wie der Fichte und legen dort Brutgänge für ihre Nachkommen an. Die gesamte Entwicklung erfolgt in der Schicht unter der Rinde, das heißt sie ist für selektiv wirkende Pestizide nicht erreichbar.

Wenn ein Schädling wie der Schwammspinner Roteichen kahl frisst - wie im Frühsommer in der Neuen Harth geschehen -, sind da Insektizide nicht ein probates Gegenmittel?

Durch den Johannistrieb sind die Bäume in diesem Jahr wieder grün – diese Regenerationskraft haben die Eichen aber nicht jedes Jahr. Beim Schwammspinner müssen wir im kommenden Jahr mit einer extremen Vermehrung rechnen, entsprechende kritische Werte sind bei Weitem überschritten. Wir müssen überlegen, ob zur Sicherung der Bestände ein Einsatz biologischer Bekämpfungsmittel gerechtfertigt ist. Das würde nur nach intensiver Abwägung erfolgen. Aufgrund ähnlicher Probleme arbeiten wir mit unseren Kollegen in Thüringen zusammen.

Spaziergang durch die Neue Harth mit Andreas Padberg , Jana Thomas und Minister Thomas Schmidt durch das Waldgebiet Neue Harth in Markkleeberg. Quelle: Kempner

Angegriffen werden auch tragende Laubholz-Arten

Nicht nur Roteichen, auch andere Laubarten sind in Not…

Der Eschenbastkäfer setzt dieser Baumart stark zu. Der Bergahorn wird von der Rußrindenkrankheit befallen, ein neues Phänomen. Im Eichholz bei Zwenkau sind mehr als zehn Hektar Wald verloren, in der Nordwestaue in Richtung Schkeuditz sogar 40 Hektar.

Lässt sich das überhaupt wieder aufforsten? Sind die Pläne für den Waldumbau Makulatur?

Dass der Waldumbau, den wir seit Jahren vorantreiben, richtig ist, zeigt die aktuelle Entwicklung. Jährlich forsten wir an die 100 Hektar im Forstbezirk auf, schwerpunktmäßig mit Eichenwald. Daran halten wir fest. Die jährlich rund 1,5 Millionen Euro Aufwand dafür konnten wir weitgehend über die Holzerträge gegenfinanzieren. Das funktioniert jetzt leider nicht mehr: zum einen sind die Holzpreise für Nadelholz im Keller, zum anderen sind viele Bestände, die in den nächsten beiden Jahrzehnten planmäßig hätten genutzt werden sollen, den Stürmen zum Opfer gefallen.

Welche Strategie verfolgen Sie?

Wir sprechen grob von der Drittel-Regelung. Wir konzentrieren uns erstens auf den Umbau hin zu Eichenmischwald an besonders geeigneten Standorten. Über die Waldpflege entwickeln wir zweitens geeignete Flächen für die Naturverjüngung. Dort, wo drittens das Investitionsrisiko hoch und Naturverjüngung nicht ausreichend ist, setzen wir auf das Prinzip Vorwald. Das heißt, wir fördern Pionier-Baumarten wie die Birke und „verschieben“ den konzentrierten Waldumbau so lange, bis sich dieser unter dem Schirm des Vorwaldes unter günstigen Bedingungen besser etablieren lassen. Dieser Prozess erstreckt sich auf mindestens drei Jahrzehnte.

Sachsenforst braucht (mehr) qualifizierte Kräfte

Wie lässt sich das stemmen?

Ohne qualifizierte Arbeitskräfte ist das nicht umsetzbar. Allein mit den aktuell vorhandenen Forst-Dienstleistern schaffen wir das nicht. Wir haben klare Zielvorstellungen. Wir resignieren nicht. Aber wir brauchen unbedingt die nötigen Ressourcen.

Welchen Wald sehen unsere Enkel, wenn sie Mitte des Jahrhunderts den Colditzer Forst besuchen?

Weniger Nadelbäume, deutlich mehr Eichen. Der Wald wird vielfältiger. Er hat Regenerationskraft. An uns ist es, ihn dabei auf verschiedene Weise zu fördern, damit er in seiner Multifunktionalität erhalten bleibt.

Von Ekkehard Schulreich

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