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Borna Leipziger sanieren alte Lobstädter Ziegelei-Villa
Region Borna Leipziger sanieren alte Lobstädter Ziegelei-Villa
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07:34 17.12.2018
Julia Frank mit Tochter Emilie und Christian Kämpf lassen derzeit die alte Ziegelei-Villa in Lobstädt sanieren.
Julia Frank mit Tochter Emilie und Christian Kämpf lassen derzeit die alte Ziegelei-Villa in Lobstädt sanieren. Quelle: André Neumann
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Neukieritzsch

Die ehemalige Ziegelei-Villa in der Glück-Auf-Straße in Lobstädt erstrahlt äußerlich in neuem Glanz, die ersten Gerüste sind gefallen. Julia Frank und Christian Kämpf aus Leipzig lassen die um 1900 von den Besitzern der einst angrenzenden Dampfziegelei erbaute Jugendstilvilla aufwendig sanieren.

Die junge Familie hat lange nach einem Haus gesucht, das Platz für Mietwohnungen hat und ein Denkmal ist. Und sie wollten aus Leipzig raus. Hängen geblieben sind sie in Lobstädt. Julia Frank (33) ist Lehrerin an der Oberschule in Regis-Breitingen, ihr Mann (32), arbeitet als Musikwissenschaftler und Dozent an der Universität Bremen. Tochter Emilie wird im nächsten Frühjahr ein Jahr alt. Bis dahin, sagt ihre Mutter, muss das Kinderzimmer fertig sein.

Kulturdenkmal und Wahrzeichen Lobstädts

Man braucht etwas Phantasie, um die Zuversicht zu teilen. Denn soweit wie die liebevoll restaurierte Fassade ist das Haus, welches die Bauherren als Kulturdenkmal und Wahrzeichen Lobstädts und der Tagebau-Landschaft im Südraum Leipzig bezeichnen, im Inneren noch lange nicht.

Zwei junge Leipziger wollen der ehemaligen Ziegelei-Villa in Lobstädt neues Leben einhauchen. Die wird derzeit aufwendig saniert. Das Betriebsgelände daneben trübt die Freude der Bauherren.

Ein Rückblick: Die Ziegelei, deren Besitzer die Villa vor über hundert Jahren erbauen ließen, stellte das Material für die expandierende Braunkohleindustrie her. Später übernahmen die Kohlewerke „Dora und Helene“ Ziegelei und Villa. Die Ziegelei war bis zum Ende der DDR in Betrieb, die Villa wurde vernachlässigt. Die Turmspitze soll schon nach 1945 baufällig gewesen sein, in den 60er-Jahren wurde sie abgerissen. Nach 1990 hatte das Gebäude mehrere Besitzer, verfiel aber weiter. Seit einem Brand Ende der Neunziger stand die Villa leer, war Vandalismus, Diebstahl und wegen einer Öffnung im Dach dem Wetter ausgeliefert.

Innenarbeiten laufen auf Hochtouren

2015 kauften Julia Frank und Christian Kämpf die Villa. Die beiden stecken offenbar voller Energie: Neben Kind und Sanierung stemmen beide auch noch eine Doktorarbeit. Während dessen bemühen sich Handwerker und Restauratoren darum, auch innen ein Schmuckstück aus dem Denkmal zu machen. Balken werden nur dort ersetzt, wo es nicht anders geht, ansonsten wird ausgebessert und repariert.

So ist auch der Bleiglaser bei den farbigen Fenstern im Treppenhaus verfahren. Und an den Wänden hat ein Restaurator mühevoll die Spuren der ersten Anstriche freigelegt. Auch an der Fassade sind die alten Farben gewählt worden. Ursprünglich, antwortet Christian Kämpf Lobstädtern, die sich wundern, sei das Fachwerk tatsächlich grün gewesen.

Historische Turmspitze anhand alter Fotos saniert

Im Inneren begegnen dem Besucher überall Spuren der Historie des Hauses: Eichenholzfußboden, kunstvolle Türrahmen, interessante Deckenbalken, ein auch aus Sicht des Denkmalschutzes wertvoller Kachelofen. Leider steht der nicht dort, wo der Kamin ist. Möglicherweise eine Folge früherer Umbauten, die das Ziel hatten, mehr Wohnungen zu schaffen.

Den neuen Eigentümern ist es wichtig, „die historische Kubatur und Farbgestaltung entsprechend der baugeschichtlichen Bedeutung des Gebäudes zu restaurieren“, sagen sie selbst. So wurde die stattliche Turmspitze anhand alter Fotos restauriert und die Kunstschmiede-Brüstung des Daches restauriert.

Wer war der Architekt der Villa?

Gern möchten sie noch mehr über die Baugeschichte ihres Hauses erfahren. Beispielsweise wissen sie bisher noch nicht, wer der Architekt der Villa war. Auf jeden Fall haben sie vor, die sanierte Villa im kommenden September zum Tag des offenen Denkmals der interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Zuvor wollen die Noch-Leipziger selbst in Lobstädt einziehen. Im September sollen dann auch die beiden Mietwohnungen fertig sein. Julia Frank und Christian Kämpf hoffen, dass sich bis dahin auch nebenan auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei etwas tut. Denn bisher fällt der Blick aus den westlichen Fenstern auf ein Firmengelände mit Müllbergen, auf dem morgens sehr zeitig die ersten Lkw-Motoren gestartet werden. Zur Villa, die gerade ihre alte Pracht zurückerlangt, passt das nicht.

Von André Neumann