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Borna Letzter Abschnitt der A 72 bei Böhlen wird gebaut
Region Borna Letzter Abschnitt der A 72 bei Böhlen wird gebaut
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17:31 11.04.2019
Bautätigkeit auf der zukünftigen Autobahn 72 zwischen den Abfahrten Rötha und Böhlen. Hier wird eine Spundwand gebaut. Quelle: Thomas Kube
Rötha

Auch auf dem letzten Abschnitt der Autobahn 72 von Chemnitz bis Leipzig beziehungsweise bis zur A 38 muss sehr viel Erde bewegt werden. Eine kleine Vorstellung davon bekommt man, wenn man bei Rötha am Rand eines schon fertig gestellten großen Regenrückhaltebeckens steht und in Richtung Südosten schaut.

Dort fällt der Blick auf eine breite Schneise, die für die Trasse ins Röthaer Holz auf der Hochkippe geschlagen wurde. Im Moment lagern Erdhaufen auf der Kippe, so genannte Lastschüttungen, die den Untergrund vier bis sechs Monate lang verdichten sollen.

Auf dem letzten Teilstück der A72 bis zum Anschluss an die A38 laufen die Bauarbeiten

An A 72 werden aus riesigen Betonsteinen Türme gebaut

Erst danach wird die Kippe aufgeschnitten, so dass die Autobahn sie später etwa auf halber Höhe überquert. In die weitläufige Senke, die sich anschließt, muss ein Damm für die Fahrbahnen geschüttet werden, damit diese die vorgesehene Höhe erreichen. Vorläufig befindet sich hier ein Lager für Erdmassen und für die großen „Legosteine“: 

Wenn der Untergrund dicht an Bauwerken oder direkt neben einer Fahrbahn verdichtet werden muss, wo eine Erdschüttung nicht funktioniert, werden aus den riesigen Betonsteinen Türme gebaut. 2500 Stück liegen schon bereit, 6000 werden zwischen Rötha und der A 38 in den nächsten Jahren gebraucht.

Letzter Abschnitt zwischen Rötha und dem Bauende kurz vor der A38

Von Straßenbau ist auf dem letzten Abschnitt zwischen Rötha und dem Bauende kurz vor der A38 noch längst keine Rede. „Grober Erdbau“ nennt Steffen Batzke vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) umgangssprachlich das erste vergebene Baulos.

Dabei geht es zunächst um die Verdichtung des Kippenbodens, auf dem die Autobahn gebaut wird. Und das vorläufig auch nur für eine der beiden Richtungsfahrbahnen. Die Autobahn wird bis auf den Abschnitt der künftigen Anschlussstelle Zwenkau halbseitig gebaut. Auf der jeweils anderen Seite rollt der Verkehr während der Bauarbeiten weiter.

In diese Senke bei Rötha muss für die Autobahn ein Damm geschüttet werden. Im Hintergrund die Hochkippe beim Röthaer Holz, welche die A 72 überqueren wird. Quelle: Thomas Kube

Vermutlich bis Ende 2020 wird es dauern, bis die eine Hälfte des sieben Kilometer langen Bauabschnittes reif für den Straßenbau ist. Frühestens dann wird asphaltiert. Erst danach wird mit der zweiten Seite begonnen. Bei den Zeitabläufen kann man sich vorstellen, warum das Lasuv aus jetziger Sicht erst von Ende 2026 für die Verkehrsfreigabe spricht.

Schwieriger Bauuntergrund an der Autobahn wird verdichtet

Wofür – unter anderem – die viele Zeit benötigt wird, das lässt sich derzeit ganz gut dort beobachten, wo bis zum Herbst vorigen Jahres die Überführung stand, die die B2 mit der B95 verknüpfte. Hier entsteht die künftige Anschlussstelle Zwenkau. Die ist so kompliziert, sagt Steffen Batzke, dass sie nicht halbseitig gebaut werden kann, sie müsse in einem Zug entstehen.

Quelle: maja

Drei Brückenbauwerke müssen hier errichtet werden, um die B2 und die Staatsstraße 72 an die künftige Autobahn anzubinden und auch noch die Zu- und Abfahrt zur Deponie Cröbern aus allen und in alle Richtungen zu gewährleisten. Deswegen wird der Verkehr großzügig auf provisorischen Straßen um das ausgedehnte Baufeld herumgeführt.

Methode der Rüttelstopfverdichtung zwischen Borna und Rötha

Rüttelstopfverdichtung

Rettungsbalken für Tiere in einem Regenrückhaltebecken bei Rötha. Quelle: Thomas Kube

Schutz für Tiere und Umwelt

Am Rande des Autobahnbaus ist neben Massen von Erde, Beton, Stahl und Steinen, neben Lärm, Staub und Bautechnik auch Platz für Natur und Umweltschutz. Ein großes Baufeld neben der Gösel ist von einem Krötenschutzzaun umgeben. Das Lasuv beschäftigt eigens eine Firma, die die Amphibien aufsammelt und zum Laichgewässer bringt.

Anderes Beispiel: Auf zwei Seiten eines großen Regenrückhaltebeckens ragt jeweils ein Holzbalken bis nach oben zum Beckenrand aus dem Wasser. Falls Tiere ins Wasser fallen, sollen die sich an dem Balken aus dem Becken retten.

In der seit Jahren überfluteten Göselaue bei Rötha sind zwei Biotope mit sandgefüllten Bigpacks vom Baufeld abgetrennt und gesichert. In dem Gewässer unmittelbar neben der Baustelle fühlt sich auch in diesem Jahr ein Schwan wohl.

Das gesamte Baufeld wird mit einem dichten Netz solcher Säulen überzogen. Meist im Abstand von 2,50 Metern und zehn Meter tief, in der Nähe von Brückenbauwerken sogar nur 1,50 Meter voneinander entfernt und bis 15 Meter tief. Das kostet Zeit.

Spundwände zur Sicherung des Baugrunds

Etwas anderes, was ebenfalls der Sicherung des Baugrundes dient, verursacht dazu auch noch höllischen Lärm. Dort wo halbseitig gebaut werden soll, wo also das Baufeld direkt an eine befahrene Straße grenzt, wird dazwischen eine stählerne Spundwand bis zu rund zwölf Meter tief in den Boden gerammt, um das Wegsacken der einen oder anderen Seite zu verhindern.

In der Göselaue stehen schon etliche Meter, hinter denen der Baugrund für die schweren Rüttelstopf-Maschinen vorbereitet wird. Am nördlichen Bauende bei Großdeuben wird die Wand gerade gebaut, werden die langen Eisenplanken Stück für Stück ins Erdreich getrieben.

Der Bau des letzten Abschnitts der A 72 wird nach aktuellen Angaben des Lasuv voraussichtlich bis 2026 dauern. Den Erdbau führt derzeit eine Arbeitsgemeinschaft der Firmen Strabag, Keller und Bickhardt aus. Auch im Abschnitt zwischen Borna und Rötha, der in diesem Jahr fertig werden soll, sind drei Firmen gemeinsam tätig.

Von André Neumann

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