Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Lobstädt darf jetzt schwarze Dächer bekommen
Region Borna Lobstädt darf jetzt schwarze Dächer bekommen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 25.04.2019
Lobstädt wird bunt: Mit der Aufhebung der Gestaltungssatzung sind nicht mehr nur rote Dächer erlaubt. Dagegen wurde in der Vergangenheit allerdings schon mehrfach verstoßen. Quelle: Jens Paul Taubert
Neukieritzsch

Eintönigkeit nein, Vielfalt ja: Mit knapper Mehrheit hat sich der Neukieritzscher Gemeinderat für eine Aufhebung der Gestaltungssatzung ausgesprochen. Die galt bislang für den Ortsteil Lobstädt und legte Bauherren bei der Gestaltung ihres Eigenheims enge Zügel an. Damit ist künftig Schluss. Wer zum Beispiel schwarze Dachziegel haben will, soll diese auch endlich auf`s Dach bringen dürfen.

Zehn Gemeinderäte sprachen sich für die Aufhebung der Satzung aus, die seit 1994 in Kraft ist und regelte, welche Vorschriften Bauherren bei Neubau und Sanierung zur Form der Zäune, Gestaltung der Fassaden und Farbe der Dächer zu beachten haben.

In der Vergangenheit führte das immer wieder dazu, dass sich das Gremium mit Ausnahmeanträgen von Bauherren beschäftigen musste und so manch Häuslebauer gar nicht erst bei der Gemeinde nachfragte, sondern an der Satzung vorbei gleich sein Dach mit schwarzen statt mit roten Ziegeln deckte.

Sollten die Häuser in Städten ein einheitliches Aussehen haben?

Die Gestaltungssatzung im Neukieritzscher Ortsteil Lobstädt ist abgeschafft. Künftig sind auch schwarze Dächer erlaubt.

Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Sollten die Häuser in Städten ein einheitliches Aussehen haben?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Ortschaftsrat Lobstädt wollte Gestaltungssatzung abschaffen

Der Antrag, die Satzung endlich abzuschaffen, kam vom Ortschaftsrat Lobstädt. „Die Wünsche der Bauherren sind andere als noch vor einigen Jahren, ebenso gab es Veränderungen bei den Baumaterialien. Uns geht es darum, den Wünschen der Bauherren gerecht zu werden“, begründete Claus Meiner (Freie Wählergemeinschaft Neukieritzsch Sport und zugleich Ortsvorsteher).

„Uns geht es darum, den Wünschen der Bauherren gerecht zu werden“, sagt Claus Meiner (Freie Wählergemeinschaft Neukieritzsch Sport). Quelle: André Neumann

Aus dem Grund habe sich der Ortschaftsrat für eine Abschaffung der Vorschriften ausgesprochen. Er stellte aber eines gleich klar: „Mit Abschaffung der Satzung soll nicht der Eindruck entstehen, dass jetzt jeder machen kann, was er will.“ Vielmehr müsse sich jeder, der ein Haus baue oder saniere, an die geltende sächsische Baugesetzgebung halten.

Während der Debatte standen vor allem zwei Fragen im Raum: Sind mit der Aufhebung der Satzung frühere nicht genehmigte Ausnahmen (also eben die schwarzen Dächer) legitimiert? Und hat die Gemeinde künftig keinen Einfluss mehr auf das Ortsbild von Lobstädt? Die erste Frage beantwortete Bauamtsleiter René Hertzsch. „Die nicht genehmigten Ausnahmen sind nicht automatisch legitimiert, wenn die Satzung wegfällt“, machte er deutlich.

Andere Ortsteile haben sich auch ohne Satzung ordentlich entwickelt

Mögliche Konsequenzen sprach Hertzsch allerdings nicht an. Der zweiten Frage nahm sich Bürgermeister Thomas Hellriegel an: „Andere Ortsteile haben sich auch ohne eine solche Satzung ordentlich entwickelt.“ Zudem müsste sich jeder Häuslebauer im Rahmen der Baugesetze bewegen.

Bürgermeister Thomas Hellriegel: „Andere Ortsteile haben sich auch ohne eine solche Satzung ordentlich entwickelt.“ Quelle: Jens Paul Taubert

Einer von Hermann Patzschek (CDU) angefragten Satzungsänderung erteilte Sebastian Ludwig (FWN Sport) eine Absage. „Hätten wir uns für eine neue Satzung entschieden, hätte es bei Missachtung auch wieder keine Konsequenzen für die Bauherren gegeben“. Zudem hätte der Gemeinderat künftig weiterhin über Ausnahmeanträge entscheiden müssen.

Dunkelgrüne Fassaden in Lobstädt denkbar

Für Claus Bruncke kam der Antrag des Ortschaftsrates nach eigener Aussage „überraschend“. Falle die Gestaltungssatzung weg, „sind Gebäudeformen und -farben alle Türen geöffnet“. Dann seien durchaus dunkelgrüne Fassaden denkbar. Weshalb sich der Christdemokrat dafür aussprach, die Satzung beizubehalten und lieber weiterhin Ausnahmeanträge in den Sitzungen zu behandeln.

Hellriegel hingegen sagte gleich, was er davon hält: nämlich nichts. „Irgendwann ist es an der Zeit nachzudenken, ob eine solche Satzung noch zeitgemäß ist.“ Mit zehn Ja-Stimmen, sechs Nein-Stimmen und drei Enthaltungen schließlich gab der Gemeinderat für die Aufhebung der Satzung grünes Licht. Mit der Entscheidung dürfte eine jahrelang andauernde Debatte über das Thema ihr Ende finden.

Kommentar: Nichts ist schlimmer als Eintönigkeit

Ein Kommentar von Julia Tonne

Nach langer Diskussion und nur mit knapper Mehrheit hat der Gemeinderat Neukieritzsch der Gestaltungssatzung für Lobstädt eine Absage erteilt. Die regelte über Jahre, genauer seit 1994, welche Farben Dachziegel, Fassaden und welche Formen der Zaun ums eigene Grundstück haben durfte. Heute erscheint eine solche Satzung als Relikt aus alten Zeiten. Sicherlich hatte sie zu ihrer Zeit, also vor 25 Jahren, ihre Berechtigung, heutzutage erscheinen solche engen Vorgaben bei Weitem nicht mehr zeitgemäß. Zumal es eine sächsische Bauordnung gibt, die auch nicht jeden Wunsch von Bauherren erfüllt.

Deshalb ist es nur folgerichtig, dass sich die Gemeinde endlich von der Satzung verabschiedet. Die Zeiten und die Bedingungen, unter denen heute gebaut und saniert wird, haben sich schlicht verändert. Eine erneute Änderung der Satzung hätte keine Vorteile gebracht. Stattdessen hätte der Gemeinderat wieder über jede Ausnahme beraten müssen. Ganz sicher aber wäre es dabei geblieben, dass Neulobstädter an der Satzung vorbei ihr Häuschen gestaltet hätten. Und wieder hätte es von Seiten der Gemeinde keine Konsequenzen gegeben.

Dass viele Räte dennoch an einer Vorschrift festhalten wollten, deren Zweck längst hinfällig ist, mutet schon merkwürdig an. Schließlich stammt die Satzung aus der Zeit, als über ein Stadtsanierungsverfahren Fördermittel für private und öffentliche Bauvorhaben in Lobstädt flossen. Und eben diese Zeit ist vorbei. Beste Chance also, auch die Gestaltungssatzung in den Papierkorb zu verbannen.

Auch ohne eine solche Satzung wird es in Lobstädt kaum möglich sein, rosafarbene Schlösser mit grünen Türmchen zu bauen, Burgen mit Wassergräben und Kerkern zu errichten und die Fassaden ganz normaler Wohnhäuser blau-gelb-kariert anzustreichen. Aber etwas Farbe darf der Ort nun doch bekommen. Neben roten sind jetzt auch schwarze Dachziegel erlaubt. Glücklicherweise. Nichts ist schlimmer als absolute Eintönigkeit.

Von Julia Tonne

Das Maifest in Espenhain lockt seit Jahren an die 2000 Besucher nach Espenhain. Auch in diesem Jahr werden hier hunderte schicke, betagte Fahrzeuge zu bestaunen sein. Und es ist noch viel mehr los.

25.04.2019

Der Pegauer Karneval-Klub hatte zwei Starter bei der Deutschen Meisterschaft im karnevalistischen Tanzsport. Lorelai Biering und Kostja Klepzig sind das sechstbeste Jugend-Paar im Bund. Die Funkengarde belegte Rang 16.

24.04.2019

Zusammenschluss mit Borna oder Neukieritzsch? Die Einwohner von Regis-Breitingen sollen mitentscheiden, meint die Wählervereinigung Bürger für Hagenest, Ramsdorf, Wildenhain (HRW) und sammelt derzeit Unterschriften für einen Bürgerentscheid.

24.04.2019