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Borna Lobstädter Bürgerinitiative macht gegen Verkehrslärm mobil
Region Borna Lobstädter Bürgerinitiative macht gegen Verkehrslärm mobil
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12:26 15.11.2018
Warnung für Autofahrer: In der Glück-Auf-Straße in Lobstädt bittet dieses kleine Männlein von einem Gartenzaun herunter um Vorsicht und Rücksicht. Quelle: André Neumann
Neukieritzsch/Lobstädt

Von einem Gartenzaun herunter bittet in der Glück-Auf-Straße in Lobstädt ein kleines Männlein Autofahrer um Vorsicht und Rücksicht. Die grüne Plastikfigur mit roter Kappe und der Aufschrift „Kinder!“ ist nur ein äußeres Zeichen für die Sorgen, die die Bewohner der Straße umtreiben. Ein anderes sind orangefarbene Zettel an Laternenmasten: „Bürgerinitiative Verkehrslärm“ steht darauf und die Einladung zu einer Bürgerversammlung am Sonntag, 10 Uhr, im Sportlerheim.

Es geht um Straßenverkehr, der in den letzten Monaten und Jahren stark zugenommen hat, um Lärm und Gefahren, die Einwohner durch die vielen Autos und vor allem Lkw fürchten. Bis zu 2000 Fahrzeuge wollen Einwohner in Stoßzeiten in einer Stunde gezählt haben. Das hat Anwohner Carsten Wiesner an Ministerpräsident Michael Kretschmer geschrieben.

In Lobstädt hat der Verkehr in der Glück-Auf-Straße stark zugenommen. Anwohner wehren sich. Quelle: André Neumann

Anwohner monieren Straßenzustand in Brief an Kretschmer

Wiesner bildet mit André Werner und Frauke Althaus die Sprechergruppe der Bürgerinitiative. Im Brief an den Ministerpräsidenten steht auch, dass die Kreisstraße in einem schlechten Zustand sei, was Lärm und Vibrationen verstärke, dass Anwohner ab drei Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen werden und dass ältere Menschen und Kinder in Stoßzeiten kaum die Straße überqueren könnten. Auch seien die Gehwege teilweise sehr schmal, und gut ausgebaute Radwege gebe es nur außerhalb der Ortslage. Verkehrslärm, sowie die Belastung durch Feinstaub und Abgase würden „zu starken gesundheitlichen Belastungen der Anlieger“ führen.

Erst kürzlich habe Wiesner erlebt, wie ein Lkw einem am Straßenrand stehenden Auto den Außenspiegel abgefahren habe. Das erzählte er bei einem Auftritt der Sprechergruppe im Ortschaftsrat. Der möchte das Anliegen der Bürger gern unterstützen. Wie, weiß von den Mitgliedern der Ortsvertretung allerdings keiner so richtig.

Bewohner klagten schon früher über Lärm

Über starken Verkehr hatten die Bewohner der Glück-Auf-Straße, die früher nur die Zufahrt zur Brikettfabrik war und erst nach dem Neubau der Verbindung nach Rötha zur Durchgangsstraße wurde, schon früher geklagt. 2002 mit einer Unterschriftensammlung, 2005 mit einem Schreiben ans Bundesverkehrsministerium, 2009 mit dem Versuch, eine Lärmmessung durchzusetzen.

Geändert hat sich nichts, der Verkehr ist noch dichter geworden. Schuld daran, darüber ist man sich einig, sind unter anderem der Autobahnbau und die damit einhergehenden Staus auf der B 95 und zuletzt ganz erheblich die Sperrung der Sachsenallee in Borna.

Lkw versuchen Mautstraßen zu umgehen

Es seien aber nicht nur diese zeitweiligen Situationen, die massig Verkehr durch Lobstädt strömen lassen, ist Wiesner überzeugt. Firmen in der Nähe suchen den kürzesten Weg, der seit Einführung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen vermutlich auch noch billiger gegenüber der Route auf der B 95 ist. Dabei hat die Bürgerinitiative vor allem den Safthersteller „Sonnländer“ im Blick, dessen Lastzüge zwischen Borna und Rötha pendeln. Bis zu 120 Durchfahrten pro Tag seien gezählt wurden. Weitere Spediteure kämen hinzu.

Die Forderungen, die Wiesner im Namen der Bürgerinitiative aufgemacht hat, lauten: erneute Lärmmessung, Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Kilometer je Stunde und/oder ein Lkw-Fahrverbot zu Nacht- und Ruhezeiten, Prüfung des baulichen Straßenzustandes und die Umsetzung geplanter Umgehungsstraßen.

Verkehrsministerium sieht keine Gefahrenlage

Die Antworten aus Dresden, aus dem Verkehrsministerium, sind für die Anwohner ernüchternd. Es bestehe keine besondere Gefahrenlage, die eine Geschwindigkeitsreduzierung rechtfertigen würde, wird mitgeteilt. Ein Nachtfahrverbot für Lkw komme schon gar nicht in Frage, das würde der Widmung der Straße als Kreisstraße widersprechen. Immerhin soll der Landkreis zur verstärkten Geschwindigkeitskontrollen aufgefordert werden.

Lobstädt wehrt sich gegen gestiegene Verkehrsbelastung Quelle: André Neumann

Auf der Informationsveranstaltung am Sonntag, zu der Landrat Henry Graichen (CDU) und Ortsvorsteher Claus Meiner eingeladen sind, wollen die Sprecher der Initiative den Anwohnern die Situation schildern, zugleich sollen neue Maßnahmen geplant werden. Ideen kamen schon auf der Ortschaftsratssitzung zur Sprache. Beispielsweise könnten noch mehr der farbigen Warnfiguren den Straßenrand säumen. Über einen Grünen-Politiker, zu dem die Sprechergruppe Kontakt hat, könnten die Lobstädter Sorgen in den Landtag getragen werden, und auch ein Straßenfest im Frühjahr sei denkbar. Vorläufig greifen einige Lobstädter zur Selbsthilfe in Sachen Verkehrsberuhigung: Sie parken ihre Autos bewusst am Straßenrand.

Straßen sind für Menschen da. An Straßen, die durch Ortschaften führen, wohnen Menschen. In den Autos, die durch diese Straßen fahren, sitzen Menschen. Die einen wollen möglichst in Ruhe in ihrer Straße leben, die anderen suchen den kürzesten, schnellsten und preiswertesten Weg von A nach B. Wenn der durch eine bewohnte Straße führt, gibt es einen Konflikt. Der ist umso größer, je stärker befahren die Straße ist. In Lobstädt in der Glück-Auf-Straße haben die Bewohner jetzt offenbar die Nase voll. Zu Recht.

Baustellen, Umleitungen und die Lkw-Maut haben den Verkehr stark anwachsen lassen. Die schnurgerade, gut 500 Meter lange Straße ist früher nicht dafür gebaut worden, wozu sie heute dient: als Kreisstraße mit überörtlichem Verkehr. Schon gar nicht für Ausweichverkehr, der eigentlich auf die Bundesstraße gehört, denn die führt auch von Borna nach Rötha und zurück.

Die Bürgerinitiative, die sich in Lobstädt formiert, ist noch ganz am Anfang und ziemlich friedlich und moderat unterwegs. Niemand will den Verkehr aus dem Ort verbannen. Nur im Konflikt zwischen Leben und Verkehr die Messlatte ein bisschen weiter in Richtung Leben verschieben. Ein verständliches Anliegen, mit dem die Bürger erwarten dürfen, ernst genommen zu werden. Plattheiten, die an Zynismus grenzen, helfen da nicht weiter. So wie der Hinweis vom Verkehrsministerium, zur sicheren Querung der Straße stehe eine Lichtsignalanlage zur Verfügung. Die befindet sich bekanntlich an dem einen Ende der Straße.

Die Behörden sind gut beraten, die Lobstädter Sorgen nicht einfach abzutun. Wenn schon nicht 30 km/h und Nachtfahrverbot, so würde ein riss- und lochfreier Asphalt den Lärm schon mildern. Zwei Übergänge und vielleicht noch eine Ampel könnten den Verkehr beruhigen. Wer sich nicht sperrt und die Menschen ernst nimmt, nicht nur die in den Autos, findet Möglichkeiten.

a.neumann@lvz.de

Von André Neumann

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