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Borna Mibrag investiert in Windpark
Region Borna Mibrag investiert in Windpark
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00:01 16.11.2010
Von Thomas Lieb

. In Sichtweite des Kraftwerkes Lippendorf entsteht auf Ramsdorfer Geyersberg derzeit der erste Mibrag-Windpark. Neun Millionen Euro lässt sich der Braunkohleriese den Projektstart Windenergie kosten. Drei Räder mit einer Nennleistung von je 2,3 Megwatt sollen am 8. Dezember in Betrieb genommen werden, jährlich 19500 Megawattstunden Strom erzeugen und fast immer laufen.

Allein die Vorbereitung des Baugrundes war eine Herausforderung für sich. Dass die Mibrag-Windräder auf altem Kippengelände entstehen, birgt zwar eine feine Symbolik - „war aber alles andere als optimal", erinnerte sich Mibrag-Projektleiter Jörg Benndorf, der das Vorhaben plante und zwischen den Schnittstellen koordinierte. Die Stabilisierungsarbeiten hatten bereits vor einem halben Jahr begonnen. 90 schmale Säulen mit einem Durchmesser von 36 Zentimetern wurden pro Windrad in den Bergbauboden gebohrt. 25 Meter tief. „Darauf wurden die Fundamente gesetzt", so Benndorf. Drei Mal 550 Kubikmeter Beton geben den Spargeln mit einer Nabenhöhe von 99,5 Meter ihre Standfestigkeit.

Seit Ende Oktober karrten Schwertransporter die einzelnen Segmente der Räder ausschließlich auf dem Landweg zum Geyersberg. Die vier Säulen pro Windrad wiegen stattliche 160 Tonnen und wurden auf Schwerlastern aus dem dänischen Brande angefahren. Die im dänischen Aalborg gefertigten Rotorblätter sind je 54 Meter lang. Einzeln angefahren, wurden sie vor Ort mit der Nabe montiert - „das ist beeindruckende Ingenieursarbeit", schwärmte auch Bergbau-Ingenieur Benndorf.

Als vor gut einer Woche der Leipziger Spezialkran mit einer Höhe von 115 Meter auf dem Geyersberg Stellung bezog, war wieder so „ein bewegender Moment", versuchte der Projektleiter gestern an der Baustelle dem Schmuddelherbst etwas Wärme zu geben. Der setzte die 160-Tonnen-Kolosse spielerisch aufeinander. Techniker verschraubten die Segmente - immer mit einem Auge auf dem Windmesser. „Wir mussten Freitag und Sonnabend einen Baustopp einlegen. Die Windgeschwindigkeiten waren zu groß", erklärte der Ingenieur. In Montagehöhen zwischen 40 und 100 Meter werden auch tonnenschwere Stahlsäulen zu unberechenbaren Windspielen.

Dabei ist die eigentliche Montage ein Klacks im Gegensatz zu den Arbeiten, die im Vorfeld erledigt werden mussten. „Die Liegenschaftsangelegenheiten ähneln sich denen im Bergbau - das war alles nicht unbedingt neu für uns", so Benndorf. Das Genehmigungsverfahren habe es allerdings in sich gehabt. Einfach mal so ein Windrad in die Botanik zu stellen - undenkbar. Gleich mehrere Gesetze und Verordnungen gibt es, die so ziemlich alles schützen, was sich rund um den Geyersberg bewegt: von der Fledermaus bis zum Zeitungsleser.

Die Windradtechnologie von heute ist mit Dingen ausgestattet, die an alles und jeden denken. „Wir haben zuvor Emmissionspunkte geometrisch analysiert, die Erkenntnisse zu Schattenwürfen bei einem bestimmten Sonnenstand liefern und daraus Konsequenzen abgleitet", ließ Benndorf tief blicken. Im Klartext: Bei Sonnenaufgang, wenn Klärchen aus Richtung Haselbacher See wohlige Grüße in Berndorfer und Hohendorfer Stubenfenster sendet, könnten die Mibrag-Windräder Schlagschatten werfen. Benndorf: „Die morgendliche Zeitungslektüre am Küchenfenster könnte im Ernstfall zum Nervenspiel werden." Weswegen die Räder - die übrigens nicht unter einem Kilometer zum bebauten Wohnflächen stehen dürfen - über Fernsteuerung aus Bremen bei bestimmtem Sonnenstand ausgeschaltet bleiben. Der Gesetzgeber will das so.Eine Abschaltautomatik gibt es für eine andere Spezies. Die Fledermaus. Deren Vorkommen hat die Ökologische Station Borna-Birkenhain bei Voruntersuchungen des Baufeldes bestätigt. Benndorf: „Bei bestimmten natürlichen Voraussetzungen, die eine Aktivität der Fledermäuse begünstigen, drehen sich die Rotoren ebenfalls nicht."

Das geschieht auch nicht, wenn der Wind auf dem Geyersberg zu stark bläst. Nicht, weil die Windräder dann heiß liefen, sondern weil die Einspeisung des gewonnenen Stroms im Umspannwerk Meuselwitz (in Lucka), wohin sechseinhalb Kilometer Kabel verlegt wurden, zu Netzüberlastungen führen könnte. Wenn ein laues Lüftchen weht, die Fledermaus pennt und die Zeitung ausgelesen ist, sollen sie aber laufen, die Windräder der Mibrag Neue Energien GmbH, die im Laufe der Jahre ihren Geschäftsbereich erweitern wird und deren Aufgaben momentan von Mitarbeitern des Konzerns erledigt werden, wie Mibrag-Sprecherin Elke Hagenau ankündigte.

 

Thomas Lieb

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