Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Michael Naß – ein Bornaer bei BAP
Region Borna Michael Naß – ein Bornaer bei BAP
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:12 24.04.2019
Gemeinsam mit BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken (re.) designte Michael Naß den Steinway-Flügel „Sunburst“. Er ist eine Hommage an den Gitarrenbau der letzten 70 Jahre. Vorgestellt wurde das limitierte Sondermodell 2018 in den Londoner Abbey-Road-Studios. Quelle: Steinway & Sons
Borna/Berlin

Borna ist nicht gerade das, was man eine Musikstadt nennen kann. Für Michael Naß hat aber genau hier alles angefangen. Er ist Gründungsmitglied der Gundermann-Band „Die Seilschaft“, seit 20 Jahren Keyboarder bei BAP, Komponist, Produzent und Arrangeur und stand als Musiker schon mit vielen anderen Künstlern wie Xavier Naidoo, Nena, Konstantin Wecker, Clueso oder Oonagh auf der Bühne. Am 6. Oktober 1966 erblickte er in Borna das Licht der Welt.

Erinnerungen ans Bornaer Freibad

Ein paar Mal im Jahr fährt Naß in seine sächsische Heimat, besucht das Elternhaus in der Altstadt und geht mit „einem lachenden und einem weinenden Auge durch Borna“ – vorbei an der Dinterschule, die er in den ersten beiden Schuljahren besuchte, bevor er in die Russischklasse an die Karl-Marx-Schule in Borna-West wechselte. Wie viele andere Bornaer bedauert auch er den Abriss des Freibades in der Wyhraaue. Das einstige Badeparadies lag für ihn nur einen Katzensprung von zu Hause entfernt. „Wenn meine Freunde im Bad waren, habe ich sie bis ins Kinderzimmer gehört.“

Musikalisches Elternhaus in der Altstadt

Musik, das war schon immer sein Ding. „Ich stamme aus einem sehr musikalischen Elternhaus“, ist der Vater von zwei Töchtern dankbar für das offene, liebevolle Zuhause. Mit seinem Bruder Christoph singt er schon früh Kinder- und Volkslieder nach, aber auch Schlager und geistliche Lieder. „Außerdem lief bei uns immer eine Schallplatte“, sagt sein Vater Siegfried Naß.

Michael Naß aus Borna hat und hatte viele Engagements – mit BAP und der Gundermann-Seilschaft ist er am erfolgreichsten.

Die Eltern geben ihren Söhnen die Freude an der Musik mit in die Wiege. Als ausgebildete Bühnensängerin war Hannelore Naß an den Theatern Zeitz und Gera engagiert und darüber hinaus im Bornaer Kirchenchor aktiv. Der Vater arbeitete als Chemie-Ingenieur im Kombinat Espenhain, leitete dort von 1983 bis 1990 den Bachzirkel und engagierte sich über viele Jahre im Museum der Stadt Borna.

Schuldirektor vermasselt höhere Schulbildung

Mit sechs Jahren nimmt Michael Naß Klavierunterricht und liebt in der Schule alles, was mit Kunst, Kultur und Geschichte zu tun hat. „Ich wollte Design oder Theaterwissenschaften studieren, aber daraus ist leider nichts geworden: Ich durfte nicht auf die Oberschule EOS.“ Sein damaliger Direktor vermasselte dem Teenager die höhere Schulbildung, weil er die damals übliche vormilitärische Ausbildung ablehnte. „Heute würde man Mobbing dazu sagen.“

Lehre in der Harmoniumfabrik Lindholm

Bis zum Beginn des neuen Schuljahres ist nicht mehr viel Zeit. Was also auf die Schnelle machen? „Ich war so jung und unbedarft, mir war das ganze Ausmaß überhaupt nicht bewusst“, reflektiert der Musiker heute. „Klar, ich hätte Lokomotivführer im Tagebau werden können, aber das kam für mich nicht in Frage.“

Michael Naß geht in der Harmoniumfabrik Lindholm in Borna in die Lehre, wird Tischler und Instrumentenbauer. „Ein klassischer Handwerksberuf, der mir großen Spaß gemacht hat, weil man viel mit Holz und Musik zu tun hat.“ Er blicke keineswegs wehleidig zurück, aus der Notsituation heraus habe sich dieser Weg als Glücksgriff erwiesen.

Aus Schulrock wird P16

Parallel dazu nimmt die Musik langsam Fahrt auf. Anfang der 1980er-Jahre schließt sich in Borna eine Hand voll junger Leute zusammen und gründet die Band Schulrock. Später wird P16 daraus – mit Michael Naß, Jens Streifling (heute bei den Höhnern), Jeannette Sakel, Sven Hofrichter, Sven Jaschob und Thomas Bürkigt. Geprobt wird anfangs in einer Garage in Kitzscher, später im Bornaer Pionierhaus. Hartmut Lorenz kümmert sich um das Management der Band, Naß und Streifling schreiben die Songs.

Als P16 noch Schulrock hieß: Die Schülerband aus Borna und Kitzscher hat es in den 80er Jahren sogar ins Fernsehen gebracht. Quelle: privat

Fernsehauftritte bei „He du“ und „rund“

Mit Titeln wie „P16“, „Bubi“ oder „Wild ist der Wind“ tingelt die jüngste Teenie-Band der DDR durch Klubhäuser und Diskotheken. „Einmal haben wir zur Frauentagsfeier in Lobstädt gespielt“, erinnert sich der Keyboarder lachend, „die Damen haben sogar auf den Tischen getanzt.“

Bald kommt P16 ins Fernsehen, ist Stammgast in der Kindersendung „He du“ mit Wolfgang Lippert und tritt bei „rund“ auf. „Mit einem Mal wurde alles größer und professioneller, wir hatten Radiohits und Auftritte in Leipzig, Magdeburg oder Suhl.“

In der Fernsehsendung "rund" ist P16 mit seinem Song "Bubi" aufgetreten - hier Thomas Birkigt am Schlagzeug, Sven Hofrichter mit der Gitarre und Michael Naß am Keyboard. Quelle: privat

Von Borna in die Großstadt Berlin

Für Michael Naß wird Borna bald zu klein, er möchte als Musiker und Songschreiber durchstarten. „Also bin ich nach Berlin gegangen. Die Großstadt hat mich angezogen mit ihrer Musikszene, den Clubs, Museen und Theatern. Wenn man kreativ ist, will man daran teilhaben.“ In Berlin lernt er die Jungs von Stern Combo Meißen („Weißes Gold“) und die Frauenband „Mona Lise“ kennen, findet neue musikalische Herausforderungen, knüpft Kontakte zu anderen Künstlern.

Das erste große Angebot kommt von Stern Meißen: Ein Vierteljahr quer durch Russland touren. „Da war ich gerade 21“, plaudert Naß und hat die Gigs in Moskau, Minsk, Charkov oder auf der Insel Krim noch genau vor Augen. „Es war eine unheimlich aufregende Zeit, wir haben viel erlebt.“

Schicksalhafte Begegnung mit Veronika Fischer

Dann kommt die Wende. „Kein Mensch im Osten wollte noch eine Ostband sehen, wenn man plötzlich Bruce Springsteen live erleben kann“, muss er wie viele andere Künstler die bittere Pille schlucken. Fast ein Jahr lang ist der Musiker zum Nichtstun verdammt. Doch eine Begegnung 1990 sollte schicksalhaft für ihn werden: mit Veronika Fischer, der erfolgreichen DDR-Sängerin („Dass ich eine Schneeflocke wär", „Sommernachtsball“). Zehn Jahre lang spielt Michael Naß dann in ihrer Band – und arbeitet parallel an diversen Filmmusiken fürs Fernsehen.

Auf Konzerttour mit der „Seilschaft“

Und eines Tages kommt Gerhard Gundermann. Der singende Baggerfahrer stellt gerade seine neue Band „Die Seilschaft“ zusammen – und stößt über gemeinsame Bekannte auf den Bornaer. Es war der Beginn einer produktiven musikalischen Freundschaft. „Bis zu seinem Tod 1998 hatten wir eine spannende Zeit, produzierten mehrere Alben und spielten viele Konzerte.“

Aktuell ist die Band wieder auf Tour: Ausverkaufte Häuser in Dresden, Magdeburg, Chemnitz, Potsdam. „Die Leute singen unsere Lieder wie Volkslieder mit, obwohl wir gar nicht im Radio gespielt werden, und haben dabei Tränen in den Augen.“ Bewegende Momente für die ganze Band. Weiter geht es in Berlin, Jena, Leipzig, Dresden. „Leider hat sich noch kein Veranstalter in Borna gefunden“, bedauert Michael Naß und winkt ein bisschen mit dem Zaunpfahl.

Gundermann“ für Filmpreis nominiert

Seit dem gleichnamigen Kinofilm ist Gundermann präsent wie nie. „Alexander Scheer ist unheimlich nah dran am Original, ich sehe Gundi regelrecht vor mir.“ Der Film erzählt das Leben, Lieben und Leiden des gebürtigen Weimarers, beleuchtet auch seine Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit. In zehn Kategorien ist der Streifen für den Deutschen Filmpreis 2019 nominiert. „Zu recht, wie ich finde“, meint der Musiker.

Persönliches Jubiläum: 20 Jahre bei BAP

Die Seilschaft sollte aber nicht seine einzige musikalische Heimat bleiben. Seit 20 Jahren ist der Wahl-Berliner nun festes Bandmitglied bei BAP („Verdamp lang her“). Nach dem Ausstieg des Gitarristen und Keyboarders 1999 war Wolfgang Niedecken auf der Suche nach einem geeigneten Ersatz – und Jens Streifling empfahl seinen Jugendfreund aus alten P16-Zeiten. Man sieht sich immer zweimal im Leben? „Mindestens“, lacht Michael Naß über die Zufälle.

Das Multitalent aus Borna spielt bei BAP nicht nur Piano, Orgel, Gitarre oder Akkordeon, sondern komponiert auch Songs für BAP und die kommende CD der Seilschaft. Darüber hinaus arbeitet er im Studio für viele andere Künstler oder mischt Filmmusik unter anderem für die Bozen-Krimis der ARD.

Alte Liebe zum Instrumentenbau

In den zurückliegenden drei Jahren holte Naß auch seine alte Liebe zum Handwerk wieder ein. Gemeinsam mit Wolfgang Niedecken designte er den Steinway-Flügel „Sunburst“ und stellte das limitierte Sondermodell 2018 in den legendären Londoner Abbey-Road-Studios vor exklusivem Publikum vor.

„Sunburst“ ist ein Gesamtkunstwerk

„Sunburst ist eine Farbgebung, eine Hommage an den Gitarrenbau der letzten 70 Jahre“, sagt der Instrumentenbauer. Viele legendäre Gitarren von Jimi Hendrix, Bob Dylan, Led Zeppelin, den Stones oder den Beatles haben die Farbe Sunburst. „Wir wollen damit eine Art Brücke schlagen und den Flügel in die Moderne bringen“, erklärt Michael Naß. Sunburst sei nicht nur eine Farbe, die von strahlendem Gelb über dunkles Rot hin zu einem Schwarz verlaufe, sondern ein Gesamtkunstwerk.

Von Kathrin Haase

Borna Termin für Weihnachtskonzert steht - US Army Europe Band kommt wieder nach Böhlen

Dem Team um Kulturhausleiterin Christiane Fuhrmann ist es gelungen, die US Army Europe Band erneut für ein Konzert in Böhlen zu begeistern. Dabei stand eine zweite Auflage zunächst auf der Kippe.

24.04.2019

Wenn die Gewerkschaft Verdi am 1. Mai zum Familienfest auf den Bornaer Markt einlädt, präsentieren sich auch Parteien und Wählervereinigungen. Die AfD soll allerdings nicht auf dem Markt dabei sein.

23.04.2019

Bereits letzte Woche ist in Böhlen ein VW Golf mit Anhänger gegen einen Kabelverteiler gefahren, nun bittet die Polizei um Hinweise.

23.04.2019