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Borna Mitarbeiter-Fluktuation im Jugendamt: Leiter will gegensteuern
Region Borna Mitarbeiter-Fluktuation im Jugendamt: Leiter will gegensteuern
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00:28 07.09.2018
Jens Ranft (36) leitet seit Anfang Juni das Jugendamt des Landkreises Leipzig. Quelle: Simone Prenzel
Landkreis Leipzig

Das Amt, das für die Unversehrtheit Tausender Kinder gerade stehen muss, sieht sich zunehmenden Herausforderungen gegenüber – das Jugendamt. Eine wachsende Zahl von Eltern scheint außerstande, ihrer Rolle gerecht zu werden. Gleichzeitig ist auch die Sensibilität für Verdachtsfälle gestiegen. „Es vergeht kein Tag, an dem bei uns keine Kindeswohlgefährdung angezeigt wird“, berichtet Jens Ranft, seit Juni Leiter des Jugendamtes im Kreis Leipzig. So sei das Amt im Jahr 2016 exakt 597 derartigen Hinweisen nachgegangen, im Vorjahr wurde in 601 Fällen Alarm geschlagen.

Rasanter Anstieg der Fälle

Immer häufiger muss die Behörde Kinder und Jugendliche, um ihre Entwicklung sicherzustellen, zeitweise in Pflegefamilien oder Heimen unterbringen. Im Jahr 2016 mussten 110 Kinder und Jugendliche aus ihren Familien genommen werden. „Im Vorjahr lag die Zahl schon bei 122“, berichtet Ranft. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2014 standen 92 Inobhutnahmen zu Buche. Auf den rasanten Anstieg müsse das Jugendamt reagieren. Unter anderem auch mit der Gewinnung weiterer Pflegefamilien. Ein Thema, das sich nicht nur Landrat Henry Graichen, sondern auch der neue Jugendamtsleiter zur Aufgabe gemacht hat. Drängend sei auch das Problem der fehlenden Krippen- und Hortplätze. „Hier gilt es, in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen nach Lösungen zu suchen.“

Zahl der Schulverweigerer konstant hoch

Mindestens ebenso fordernd sei ein weiteres Thema: das der Schulverweigerer, deren Zahl mit rund 200 jährlich geahndeten Fällen gleichbleibend hoch sei. Hier gebe es aktuell Gespräche, gemeinsam mit dem Kommunalen Jobcenter und der Agentur für Arbeit neue Ansätze zu erproben.

Jugendamt sucht Mitarbeiter für Allgemeinen Sozialen Dienst

Ranft ist dabei froh, auf viele engagierte Mitarbeiter bauen zu können. „Die Beschäftigten haben über Jahre Kompetenzen erworben und sind in der Lage, schwierige Aufgaben zu bewältigen“, zollt er seinem Team Respekt. Trotz vieler Emotionen, die bei Entscheidungen über das Schicksal von Kindern und deren Familien im Spiel sind, müsse dabei immer adäquat entschieden werden. Um Überlastungen zu vermeiden, seien deshalb im Allgemeinen Sozialen Dienst große Anstrengungen nötig. „Aktuell haben wir Stellenausschreibungen auf den Weg gebracht, um dem personellen Ausfall durch Krankheit und zunehmende Fluktuation zu begegnen.“ Denn gerade in diesem Bereich gelte es, eine dauerhafte Überforderung der Mitarbeiter zu vermeiden.

Neuer Leiter seit Juni im Amt

Der Grimmaer Jens Ranft leitet seit Juni einen der sensibelsten Bereiche des Landratsamtes. Der Muldentaler ist Diplom-Sozialpädagoge und absolvierte ein Studium zum Sozialmanager. Seit 2005 ist Ranft bereits beim Landkreis beschäftigt, seit 2009 in leitender Funktion. Zuletzt war er Sachgebietsleiter im Kommunalen Jobcenter (KJC). „Nach so langer Zeit hielt ich es für gut und notwendig, eine neue Aufgabe mit mehr Verantwortung zu übernehmen“, erklärt der Grimmaer. Mit sozialen Themen bereits vertraut, kam ihm die Ausschreibung der Amtsleiterstelle im Jugendamt zupass. Zumal der dreifache Familienvater berufsbegleitend noch ein Studium im Bereich Sozialmanagement absolviert hat und es mit seiner bisherigen Tätigkeit zahlreiche Schnittmengen gab.

Umzug von Borna nach Grimma zusätzliche Belastung

Nun ist der 36-jährige für rund 130 Mitarbeiter zuständig. Neben den Sachgebieten Wirtschaftliche Jugendhilfe, Unterhaltsangelegenheiten und Allgemeiner Sozialer Dienst fallen auch Jugendhilfe, Familienbildung, Kinderschutz und anderes mehr in seinen Aufgabenbereich. Der Empfang sei sehr herzlich gewesen, berichtet Jens Ranft über die Aufnahme an seinem neuen Arbeitsplatz. Schließlich ging mit seiner Berufung eine längere Vakanz auf dem Posten zu Ende. „Hinzu kam, dass die Mitarbeiter in den vergangenen Monaten den Umzug von Borna nach Grimma zu stemmen hatten“, erinnert der Grimmaer.

Bürgernähe soll erhalten bleiben

Die Zusammenführung des Amtes an der Mulde war Teil des Unterbringungskonzeptes, das 2016 vom Kreistag beschlossen worden war. Die meisten Mitarbeiter sind jetzt in der Karl-Marx-Straße 22, Haus 2, untergebracht. „Auf Grund des Ansturms im Bereich Unterhalt machte sich aber zugleich die Anmietung weiterer Räume notwendig“, erläutert Ranft. Das gesamte Sachgebiet mit über 30 Mitarbeitern sitzt seit wenigen Wochen in der Bahnhofstraße 5, Haus 7. „Trotz erfolgter Konzentration der Mitarbeiter in Grimma werden wir aber weiter die Bürgernähe erhalten“, betont Ranft. Dazu würden Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes in den Sozialräumen Sprechstunden anbieten.

Von Simone Prenzel

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