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Borna Mölbiser Kirche mit Gift und Statikproblemen
Region Borna Mölbiser Kirche mit Gift und Statikproblemen
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17:00 22.06.2018
Nicht ausgeschlossen ist, dass auch der Innenraum der Kirche mit Hylotox belastet ist. Auf dem Dachboden ist das Gift laut Gutachten überall. Quelle: Julia Tonne
Rötha/Mölbis

Wie weiter mit der Kirche im Röthaer Ortsteil Mölbis? Die Frage stellt sich derzeit bei Christen wie Nichtchristen. Vor wenigen Tagen erst stand die Frage im Fokus, als nach mehr als einem halben Jahr die Türen des Gotteshauses wieder geöffnet wurden. Denn seit nunmehr November ist die Kirche geschlossen, finden keine Veranstaltungen, keine Gottesdienste mehr statt. Der Grund: das giftige Holzschutzmittel Hylotox.

Sanierung ist eine Mammut-Aufgabe

Pfarrer Stephan Vorwergk gewährte Besuchern nun an wenigen Tagen Einblicke – sowohl in den Innenraum als auch in das Gebälk des Dachstuhls. Und eines wurde deutlich: Die Sanierung und zukünftige Nutzung wird keine Herausforderung, sondern eine Mammut-Aufgabe.

Hylotox-Belastung vor allem im Dachstuhl

„Hylotox war in den 60er Jahren das einzig zu bekommende Holzschutzmittel“, erklärte Vorwergk bei seinen gut besuchten Rundgängen durch die Kirche. Ein Gutachten habe massive Belastungen gezeigt – vor allem im Dachstuhl, wo sehr viel Holz verbaut worden sei. Dennoch sei es in den vergangenen Jahrzehnten zu einem verstärkten Pilzbefall und in Folge dessen zu beträchtlichen Fraßschäden durch Holzschädlinge gekommen.

Kirchturm gerät durch Fäulnis in Schieflage

Die voranschreitende Fäulnis habe nun mittlerweile einen Fortschritt erreicht, der Einfluss auf die Statik habe. Kurz gesprochen: Der Turm fange an, in Schieflage zu geraten. „Wir gehen zudem davon aus, dass Hylotox auch im Innenraum verwendet wurde“, sagte er. Das wiederum würde bedeuten, dass Bänke und auch Säulen ausgebaut werden müssten.

Unter diesen Aspekten sei eine Sanierung der Kirche immens teuer, mit mindestens einer halben Million Euro müsse gerechnet werden, „da reichen Leader-Fördermittel in Höhe von 150 000 Euro bei weitem nicht aus“. Doch den Kopf hängen lassen wollen weder der Pfarrer noch die Gemeinde.

Ziel: Kirche retten und wieder nutzbar machen

Deshalb hat sich ein zehnköpfiger Kreis gebildet, der alles Erdenkliche tun will, um die Kirche nicht nur zu retten, sondern sie auch wieder nutzbar zu machen. Das Motto der Initiative: „Bänke raus – und dann?“. Zunächst einmal wolle die Gruppe bei den Mölbisern Idee sammeln, welche Varianten der Nutzung sie sich vorstellen.

„Anschließend soll untersucht werden, ob Schadstoffe auch im Kirchenschiff vorhanden sind oder ob eine hermetische Abriegelung des Daches denkbar ist, um die Belastung im Innenraum zu vermeiden“, erklärt Dirk Stiller von der Initiative. Denn das Hylotox könne sich über den Staub auf dem Dachboden nach unten ausbreiten.

Trotz des großzügigen Einsatzes von Hylotox gibt es im Dachgebälk immense Fraßschäden durch Holzschädlinge. Quelle: Julia Tonne

Für die Initiative und die Gemeinde stellt sich zudem die Frage, was aus der Kirche wird, wenn auch der Innenraum mit dem Holzschutzmittel belastet ist. Dann nämlich würde eine Abriegelung des Dachstuhls in keiner Weise ausreichen. Klar ist nur so viel: Solange das Gift im Gotteshaus nachweisbar ist, bleibt es geschlossen. Und Hylotox ist langlebig. Für die nächsten Gutachter, Zimmerleute und Dachdecker, die für eine Sanierung beauftragt werden, wäre die Instandsetzung „eine Arbeit auf der Sondermüllbaustelle“, betont Stiller. Heißt: Ohne Mundschutz könne hier kein Handschlag passieren.

Trotz allem aber zeigen sich Gemeinde und Initiative zuversichtlich, die Kirche zu retten. „Auch wenn es ein Vorhaben wird, das Mölbis über Jahre begleitet“, sagt Vorwergk. Zunächst einmal sei ein Nutzungskonzept notwendig, dann könne über ein Sanierungskonzept nachgedacht werden.

Von Julia Tonne

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