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Borna Nachfrage nach neuen Wohnungen in Böhlen ist riesig
Region Borna Nachfrage nach neuen Wohnungen in Böhlen ist riesig
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18:00 10.04.2019
15 Wohnungen entstehen im neuen Mehrfamilienhaus in Böhlen. Quelle: Julia Tonne
Böhlen

Der Rohbau steht, das Dach ist drauf, der Innenausbau hat begonnen. Die Bauarbeiten am Neubau in Böhlen gehen gut voran. In der Wilhelm-Wander-Straße entsteht derzeit ein Mehrfamilienhaus mit 15 Wohneinheiten. Bauherr ist die Wohnungsgenossenschaft Böhlen, die rund drei Millionen Euro in das Vorhaben investiert.

An sieben Standorten – neben Böhlen sind das Markkleeberg, Zwenkau, Groitzsch, Pegau, Neukieritzsch, aber auch Leipzig – hat die Wohnungsgenossenschaft Miethäuser. Insgesamt gehören dem Unternehmen 1453 Wohnungen. Bis Ende des Jahres werden 15 dazu kommen – zwischen 59 und 127 Quadratmetern Größe, mit moderner Ausstattung und barrierefrei.

15 Wohnungen entstehen durch den Neubau in Böhlen. Quelle: Julia Tonne

Die Planungen beinhalten einen Aufzug im Haus, das Verlegen von Parkett, den Anbau von Balkonen sowie Sonnenschutzsysteme. Energieeffizient solle der Neubau zudem werden – mit Hilfe einer Erdgas-Brennwert-Therme. „Für uns ist es das erste Neubauvorhaben seit mehr als 20 Jahren in Böhlen“, macht Vorstandsmitglied Uwe Graupner deutlich.

Böhlen wird als Wohnort immer beliebter

Vor vier, fünf Jahren sei der Leerstand noch so hoch gewesen, dass ein Neubau ein absolutes Tabu gewesen wäre. „Die Situation hat sich bis heute dramatisch positiv verändert“, ergänzt Jörg Becker, ebenfalls Vorstandsmitglied. Mittlerweile liege der Leerstand bei rund drei Prozent, zudem seien die Rahmenbedingungen für den Bau eines Mehrfamilienhauses in Böhlen „grandios“. Die Nachfrage nach Wohnraum sei extrem gestiegen, weil Böhlen mit einer sehr guten Infrastruktur aufwarten könne.

Jörg Becker (links) und Uwe Graupner bei der Besichtigung der Baustelle. Ende des Jahres soll der Neubau fertig sein. Quelle: Julia Tonne

Obwohl die Wohnungsgenossenschaft die Zwei-, Drei- und Fünfraumwohnungen noch nicht aktiv beworben hat, ist das Interesse groß. „Um die 30 Initiativbewerbungen sind schon eingegangen“, sagt Graupner. Ihn wundert das nicht, „das Umfeld gerade für Familien ist hier optimal“. Neben einer guten S-Bahnanbindung gebe es zahlreiche Kindereinrichtungen und Schulen. Graupner und Becker rechnen damit, dass im vierten Quartal des Jahres das Haus fertig ist und dann mit Beginn des nächsten Jahres bezogen werden kann.

Nachbarkommunen zeigen Interesse an Neubau

Nicht nur viele Mieter zeigen Interesse an den neu entstehenden Wohnungen, großes Interesse an dem Vorhaben gibt es auch den den Nachbarkommunen. Laut Graupner und Becker habe es bereits Gespräche mit Pegau und Neukieritzsch gegeben, aus beiden Städten kam die vorsichtige Anfrage, ob denn ein Mehrfamilienhaus-Neubau auch in diesen Kommunen denkbar sei. Ausgeschlossen sei das laut der beiden Vorstandsmitglieder nicht, beide wissen um die enorm gestiegene Nachfrage nach großen Wohnungen.

Im Dachgeschoss gibt es mehrere Dreiraumwohnungen. Quelle: Julia Tonne

Graupner und Becker loben vor allem die Unterstützung von Seiten der Rathäuser. „Die bürokratischen Hürden beim Bauen sind im Landkreis deutlich geringer als in Leipzig“, betonen sie. Und den Vergleich können sie durchaus ziehen, schließlich hat die WG Böhlen gerade einen Neubau am Leipziger Körnerplatz fertiggestellt.

Sollte der Neubau in Böhlen ein Erfolg werden, hat die WG noch einen Trumpf in der Hand. Vor zwei Jahren hatte die Genossenschaft ein Gelände in der Wielandstraße gekauft. Perspektivisch könnte dort ein weiteres Mehrfamilienhaus entstehen. „Aber das ist noch Zukunftsmusik“, sagt Graupner.

Kommentar: Stärkung des Umlands lindert Wohnungsnot

In Böhlen baut die Wohnungsgenossenschaft ein Mehrfamilienhaus, in Borna entsteht durch die Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft mittlerweile die zweite Stadtvilla in Eigenregie, aus Pegau und Neukieritzsch kommen Anfragen, ob denn ein solches Vorhaben nicht auch dort umsetzbar sei. An diesen Beispielen zeigt sich deutlich, wie groß die Nachfrage nach Wohnungen ist – mit möglichst vielen Zimmer, barrierefrei und zu alledem auch finanzierbar.

Es zeigt sich daran aber auch, dass vor allem die Kommunen einen wahren „Run“ von Familien verzeichnen, die mit einer guten Infrastruktur aufwarten können und durch die S-Bahn perfekt angebunden sind. Wenn in Leipzig Wohnraum immer knapper und teurer wird, profitiert das Umland. Vorausgesetzt, es ist genauso lebenswert wie eine Großstadt. Und das scheint es zu sein. Nicht nur die Nachfrage nach Mietwohnungen steigt, sondern auch nach Bauplätzen. Und auch dort sieht es mancherorts rar aus.

Ein guter Weg, um die Wohnungsnot in Großstädten zu lindern, könnte also in der Stärkung des Umlands liegen. Eine Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr, eine Kita, Grundschule und Einkaufsmöglichkeiten – damit punkten kleine Kommunen und steigern ihre Attraktivität als Wohnort für Familien. Wer alles vor Ort hat, kann nicht viel von der Großstadt vermissen. Und was dann doch fehlt – Kino, eine Kneipen-Meile und Cocktailbars – schwingt sich kurzerhand in die Bahn und ist in einer halben Stunde in Leipzigs Stadtzentrum.

Mit anderen Worten: Die Kommunen im Landkreis Leipzig tun gut daran, in Wohnungen und Infrastruktur zu investieren. Tun sie es nicht, wäre das fatal für die Dörfer und Kleinstädte.

Von Julia Tonne

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