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Borna Neue Schau beleuchtet Kultur auf dem Dorf
Region Borna Neue Schau beleuchtet Kultur auf dem Dorf
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00:21 28.06.2018
Hans Ketzer richtet in der neuen Ausstellung im Volkskundemuseum Whyra die Fliege an einem Anzug wie ihn die Sänger des Männerchores Zedtlitz trugen. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna/Wyhra

Es war ein bisschen wie heute. „Die Leute kamen aus Böhmen, Schlesien und der Oberpfalz“, erläutert Hans Ketzer. Der Leiter des Volkskundemuseums Wyhra beschreibt damit die Situation, wie sie vor weit mehr als 100 Jahren in Wyhra war. Der beginnende Bergbau lockte Arbeitskräfte von außerhalb an. Die Folge war ein elementarer Wandel des Dorflebens, der jetzt im Volkskundemuseum in der Ausstellung „Gemeindebier und Vereinsvergnügen – vom Wandel des dörflichen Kulturlebens“ beleuchtet wird, die am Wochenende eröffnet wurde.

Hans Ketzer richtet die Fahne des Männergesangsverein Liedertafel Lobstädt von 1906 in der neuen Ausstellung im Volkskundemuseum Whyra. Quelle: Jens Paul Taubert

Es passierte viel in den Jahrzehnten nach 1850, als aus dem kleinen Dorf südlich von Borna eine respektable Industriegemeinde wurde, so wie das auch in Deutzen oder Lobstädt der Fall war. „Es kam zu einer regelrechten Bevölkerungsexplosion“, sagt der Museumschef.

Wyhra hatte bis 1000 Einwohner

Die erreichte kurz nach dem Ersten Weltkrieg ihren Höhepunkt, als Wyhra mit 1000 Einwohnern seinen historischen Höchststand erreichte. Dass es mittlerweile nur noch etwa 400 offiziell gemeldete Wyhraer gibt, ist aber keine Katastrophe, macht Ketzer klar. Vielmehr ist das Dorf wieder auf seinen ursprünglichen Stand zurückgefallen.

Gastgeschenke an Männergesangsvereine in der neuen Ausstellung im Volkskundemuseum Whyra. Quelle: Jens Paul Taubert

Die Veränderungen begannen, als mit den Migranten die dörflichen Strukturen in Frage gestellt wurden. Bestimmte bis dahin das Wirtschaftsjahr den dörflichen Jahreszyklus, änderte sich das mit den Zugezogenen. „Bis dahin wurde vor allem im Winter viel gefeiert“, sagt der Museumsleiter. Wenn also die Ernte erfolgreich eingebracht worden war. Und durchaus heftig.

Manches Fest dauerte drei Tage

„Manchmal gleich drei Tage hintereinander“ und in einer Intensität, dass gerade einmal noch das Vieh gefüttert wurde, was im protestantischen Sachsen durchaus nicht nur auf Begeisterung bei der Obrigkeit stieß. Pfingstbier und Vogelschießen jedenfalls waren in Wyhra wie auch anderen Orten in der späteren Bergbau-Region durchaus üblich.

Blick in die neue Ausstellung im Volkskundemuseum Whyra. Quelle: Jens Paul Taubert

Mit den Zuwanderern ändert sich das, wie auch in der Schau im Volkskundemuseum gut zu sehen ist. Es kam zu Vereinsgründungen, wozu auch der Männerchor Zedtlitz gehörte. Zur Schau gehören Teile aus dem Nachlass des Chores, der 1887 gegründet wurde und im vorigen Jahr seine Auflösung beschlossen hatte.

Fast jeder war Mitglied in einem Verein

Chöre und Turnvereine prägten seither mehr und mehr das dörfliche Kulturleben. Nicht zuletzt auch, so Hans Ketzer, weil mit der Vereinsgründung die Möglichkeit bestand, Vergnügungen, Tanzveranstaltungen zumal, zu organisieren. „Und die durften dann gegen einen Obolus der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden.“

Mitglied in einem der vielen Vereine zu sein, gehörte quasi zum guten Ton. Ketzer: „Es gab in dieser Zeit kaum einen Bewohner, der nicht in irgendeinem Verein war.“ Und weil in den Vereinen Alteingesessene ebenso wie Zugezogene zusammen waren, kam es auch zur Integration der Neu-Bürger.

Relativ unbekannter Teil der Regionalgeschichte

Es ist ein ebenso spannender wie vergleichsweise unbekannter Teil der Regionalgeschichte, um den es im Volkskundemuseum geht. Die Ausstellung, in der auch Leihgaben des Bornaer Museums und des Männerchors Lobstädt zu sehen sind, kann noch bis zum 21. Oktober besichtigen werden.

Geöffnet ist das Museum bis Oktober jeweils von Dienstag bis Freitag 9 – 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 10 – 17 Uhr, Montag ist Ruhetag. Für Gruppen sind Besuche nach Voranmeldung auch zu anderen Zeiten möglich. Zu Führungen sind Anmeldungen erwünscht.

Kontakt per Telefon 03433/851071 oder per Mail an museumwyhra@t-online.de

Von Nikos Natsidis

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