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Borna Neukieritzsch übernimmt Lobstädter Kirchschule
Region Borna Neukieritzsch übernimmt Lobstädter Kirchschule
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12:02 09.09.2019
Neukieritzsch möchte in den Besitz des Grundstückes mit der ehemaligen Kirchschule in Lobstädt kommen. Darüber soll mit der Kirche eine Vereinbarung getroffen werden. Quelle: André Neumann
Neukieritzsch/Lobstädt

Die evangelische Kirche ist sehr präsent in der Mitte des Lobstädter Ortskerns. Es gibt die Kirchstraße, von der die Gasse „Am Kirchhof“ abzweigt. Dort bilden die Kirche, das Pfarrhaus und die ehemalige Kirchschule ein Dreieck.

Einen eigenen Pfarrer hat Lobstädt allerdings nicht mehr. Mit Thomas Krieger ging der letze Anfang 2017 in den Ruhestand.Er wohnt noch im Pfarrhaus. Andernfalls würde das möglicherweise genau so leer stehen, wie schon seit Jahren die einstige Kirchschule, die den Kirchhof zur Kirchstraße hin abschließt.

Über dieses Gebäude haben die Gemeinde Neukieritzsch und die evangelische Landeskirche jetzt nach langen Diskussionen eine Vereinbarung getroffen. Es handelt sich um eine Auseinandersetzung über ein so genanntes Kirchschullehen.

Früher fand der Schulunterricht in kirchlichen Gebäuden statt

Dabei handelt es sich im Kern um Gebäude, die der Kommune gehören, die aber auf einem kirchlichen Grundstück stehen. Hintergrund: Früher fand der Schulunterricht in kirchlichen Gebäuden statt, in denen zumeist auch der Lehrer wohnte, der zugleich Kantor oder Küster war. Später wurde die Schulbildung eine staatliche Angelegenheit, die Gebäude fielen in die Obhut der Kommunen, das Land blieb kirchliches.

Weil das heutige Recht aber nicht vorsieht, dass das Eigentum am Grundstück und am darauf stehenden Gebäude auseinander fallen, müssen die Dinge spätestens dann geklärt werden, wenn auf dem Grundstück etwas verändert werden soll. Im aktuellen Fall in Lobstädt würde die Gemeinde das Gebäude gern abreißen lassen. Die Kirche selbst hatte schon lange keine Verwendung mehr dafür.

Das jetzige Gebäude ist nicht mehr die alte Kirchschule. Die, sagt der Pfarrer i.R. Thomas Krieger, war abgebrannt, das neue hatte oben eine Kantorenwohnung, unten Gemeinderäume. Daneben steht noch eine Reihe alter Garagen, die zum Grundstück gehören.

Neukieritzsch trifft Vereinbarung mit der Landeskirche

Die Vereinbarung mit der Landeskirche, die auch noch einige weniger komplizierte Fälle in anderen Ortsteilen umfasst, sieht vor, dass das Grundstück ins Eigentum der Gemeinde übergeht. Die zahlt dafür rund 22.000 Euro. Dazu kommt noch ein eher ungewöhnliches Zugeständnis an die Kirche: Die bekommt ein dauerhaftes, kostenloses Nutzungsrecht für die Räume im Erdgeschoss des gemeindeeigenen Mehrzweckgebäudes neben der Feuerwehr.

Die Gemeinde Neukieritzsch möchte das Gebäude neben der Kirche in Lobstädt gern abreißen. Quelle: André Neumann

Dort treffen sich die Lobstädter Senioren, die Feuerwehr führt hier Schulungen durch. Der Kirche soll die Nutzung nun aber nicht durch einen einfachen Vertrag, sondern durch einen Eintrag ins Grundbuch garantiert werden. Womit sie quasi Eigentümerrechte erlangt. Und das gleich für drei Flurstücke, weil sich die Räume über zwei Grundstücke erstrecken und über das dritte die Zuwegung läuft.

Widerspruch von Gemeinderat Werner Winkler

Vor allem dagegen gab es im Gemeinderat Widerspruch. Werner Winkler (FWN/Sport) fasste den so zusammen: „Damit bürden wir nachfolgenden Generationen den jahrelangen Zugriff durch die Kirche auf.“ Seine Befürchtung: Will die Gemeinde an dem zentralen Gebäude in Lobstädt irgendwann etwas verändern oder es veräußern, muss die Kirche immer gefragt werden. Da dürfte es auch kaum helfen, dass Ex-Pfarrer Krieger vermutet, die Kirche werde die Räume nie nutzen.

Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) machte klar, dass die Gemeinde wohl keine andere Möglichkeit habe, an das leer stehende Haus in der Kirchstraße heranzukommen. Denn: Die Kirche lasse sich nicht mit einem Vertrag abspeisen, sie wolle die dauerhafte Sicherheit eines Eintrages im Grundbuch.

Thomas Meckel (SPD) warf noch einen anderen Aspekt auf, der ihn generell an der Vereinbarung zweifeln ließ: „Wir eröffnen der Kirche eine Möglichkeit, sich aus der Mitte des Dorfes zurückzuziehen.“ Das könnte, erläuterte er seine Befürchtung, dann passieren, wenn der Ex-Pfarrer einmal nicht mehr im Pfarrhaus wohnen sollte und die Kirche das dann auch noch verkaufe.

Der Gemeinderat gab der Vereinbarung mit knapper Mehrheit von neun gegen sieben Stimmen bei zwei Enthaltungen seine Zustimmung.

Von André Neumann

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