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Borna Neukieritzscher Schullandschaft hat viele Baustellen
Region Borna Neukieritzscher Schullandschaft hat viele Baustellen
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15:00 29.08.2019
Das Schulhaus in Deutzen steht jetzt leer. Doch es ist nicht die einzige Baustelle in der Neukieritzscher Schullandschaft. Quelle: Julia Tonne
Neukieritzsch

Die Gemeinde Neukieritzsch muss dringend über ihre Schulen und Kindertagesstätten nachdenken. Diese Erkenntnis hat sich spätestens durchgesetzt, seit die Verwaltung die Schließung des Schulhauses in Deutzen und die Auslagerung der dortigen Grundschule nach Neukieritzsch angekündigt hatte.

In der aufgeheizten Atmosphäre, die die Schulauslagerung begleitete, kam es in den vergangenen Wochen noch zu keinen wirklich konstruktiven Debatten zur Schullandschaft. Zudem stand auch der Wechsel im Stadtrat ins Haus, der nach der Wahl Ende Mai erst vor wenigen Tagen zum ersten Mal in neuer Besetzung zusammentrat. Auf dieser ersten Sitzung deutet sich an, wie schwierig die bevorstehenden Diskussionen werden dürften.

Sondersitzung zu den Themen Schule und Kindertagesstätten gefordert

Für die vierköpfige Fraktion Freie Wähler Neukieritzsch/Sport (FWN/Sport) erinnerte Sebastian Ludwig an den Fraktionsantrag auf eine Sondersitzung, die sich nur mit den Themen Schule und Kindertagesstätten befasst. Für eine solche Sitzung solle die Verwaltung eine Liste der erforderlichen Baumaßnahmen liefern, eine Kostenschätzung und eine Übersicht über die Fördermöglichkeiten.

Das Schulgebäude in Neukieritzsch beherbergt jetzt zwei Grundschulen. Quelle: André Neumann

Ludwig machte in dem Zusammenhang auch klar, dass der Blick dabei nicht nur nach Deutzen gerichtet werden dürfe. „Es ist unstrittig“, sagte Ludwig, „dass wir Deutzen behandeln müssen, aber wir müssen uns auch um die anderen Orte kümmern.“

Neukieritzsch hat an allen Schulen Handlungsbedarf

Tatsächlich hat Neukieritzsch an allen Schulen Handlungsbedarf. Die Außensanierung der Einrichtung in Neukieritzsch ist noch nicht abgeschlossen, zudem hat Ludwig selbst in der Vergangenheit schon mehrfach auf die Notwendigkeit eines Aufzuges hingewiesen. Das Schulgebäude in Deutzen ist erst kürzlich wegen Elektrik-Mängeln geschlossen worden und hat außerdem ein Problem mit ausdünstendem Naphtalin, einem Stoff, der gesundheitsschädlich ist.

Und das Schulhaus in Lobstädt könnte in absehbarer Zeit zu klein werden. Der Hort im selben Haus ist schon mit den jetzigen Schülern komplett ausgelastet. Weil der Trend bei den Anmeldezahlen nach oben weist, könnte auch die Schule demnächst an räumliche Grenzen kommen.

In dieser Situation tastet sich der Gemeinderat langsam an das Thema heran. Und gerät schon in Streit, da noch nicht einmal über die Sache selbst gesprochen wird, sondern nur über die Art und Weise, wie die Debatte geführt werden soll.

Öffentliche oder nicht-öffentliche Sondersitzung?

Während Sebastian Ludwig für eine öffentliche Sondersitzung wirbt, plädiert Michael Wagner (CDU-Fraktion) für eine nicht-öffentliche, „um Unmut zu vermeiden, wenn wir gleich Zahlen herausposaunen.“ Werner Winkler (FWN/Sport) geht davon aus, dass dieses Thema von so großer öffentlicher Bedeutung ist, dass es laut Gemeindeordnung gar nicht nichtöffentlich behandelt werden dürfe.

Dagegen spricht Claus Bruncke (CDU-Fraktion) von guten Erfahrungen mit der Herangehensweise, ein Thema zunächst mit Leuten vorzuberaten, „die sich fachlich damit auseinandersetzen“. Ansonsten drohe „ein Ansturm von explosionsartigen Meinungen“, befürchtet Bruncke. Die könnten zwar von Vorteil sein, wären aber nicht zu händeln, meint er.

Werner Winkler wurde in dem Zusammenhang sogar grundsätzlich und forderte „im Osten ein anderes Demokratieverständnis“. Andreas Bodenlos warf ihm und seiner Fraktion hingegen vor, sie würden die Bürger dabei haben wollen, um Rückhalt für ihre Positionen zu haben. Womit sich der Kreis dann doch wieder zur Deutzener Schule schloss, indem Bodenlos sagte: „Ich kann 20 Bürger mitbringen, die die Sache mit Deutzen anders sehen.“ Dann, prophezeite er in derben Worten, gäbe es richtigen Streit.

Das Schulgebäude in Lobstädt könnte in absehbarer Zeit zu klein werden. Quelle: André Neumann

Bürgermeister Thomas Hellriegel will lieber ohne Öffentlichkeit beraten

Eine Entscheidung über den Rahmen der Debatte fiel noch nicht. Ein Hinweis könnte sein, dass auch Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) lieber ohne Öffentlichkeit mit einer Vorberatung in den Ausschüssen beginnen will – was die Gemeindeordnung zulässt. Vorläufig gibt es allerdings noch nicht einmal einen Termin.

Immerhin aber eine vage zeitliche Orientierung durch den Bürgermeister: Gemeinderat und Verwaltung sollten bezüglich der Schulen und Kindertagesstätten „mit Plan und Vorgaben ins nächste Jahr gehen“, deutete Hellriegel an. Klar ist auch, dass die Sache finanziell eine große Herausforderung wird: Die Kämmerin, fügte der Bürgermeister an, werde wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Von André Neumann

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