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Borna Neukieritzscherin reist in 300 Tagen allein um die Welt
Region Borna Neukieritzscherin reist in 300 Tagen allein um die Welt
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20:04 26.02.2019
Auf dem Gokyo Ri in Nepal, 5060 Meter - einer der schönsten Momente ihrer Reise. Quelle: privat
Neukieritzsch

Sarah Kokot ist noch nicht wieder ganz daheim. Nachdenklich sitzt die schlanke 28-Jährige auf dem kleinen Sessel in der Bornaer LVZ-Redaktion. Sie nippt an ihrem Kaffee, streicht sich durch die brünetten Haare und sagt, dass sie das Abenteuer ahnte. Aber nicht, dass es sie so verändern wird.

Sabbatjahr nach dem Master

Die junge Frau wuchs in Borna auf, lebt heute in Neukieritzsch und studierte Soziale Arbeit. Nach dem Bachelor-Abschluss begann sie in der Kinder- und Jugendhilfe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Grimma zu arbeiten, machte ihren Master neben dem Job. Das ist kein Spaziergang. Doch ihre Leidenschaft, das Reisen, motivierte sie. Ihr Plan: Wenn sie den höheren Studienabschluss in der Tasche hat, nimmt sie ein Sabbatjahr und reist um die Welt.

Schon zuvor arbeitete sie in Südafrika und Peru. „Da draußen gibt es so viele schöne Sachen. Ich muss das wirklich unbedingt machen“, sagte sie zu ihrem Arbeitgeber. Die AWO genehmigte die Aus-Zeit. Am 9. Februar 2018 ging es los.

Hilfsprojekt in Südafrika: Sie startete in Südafrika, hatte am Flughafen in Mpumalanga gleich ein Kreditkarten-Problem und damit kein Geld. Eine Engländerin half ihr, bot Quartier und Verpflegung – bis ihre Karte wieder Bargeld gab.

Leitspruch: Das Leben ist hart, ich bin härter

Zunächst arbeitete sie bei einem Hilfsprojekt für misshandelte Mädchen, wo sie schon 2013 tätig war. Sie staunte erneut, wie Menschen ihre Schicksale meistern. Zum Beispiel eine Elfjährige, der sie bei Hausaufgaben half und mit der sie viel lachte. Das Mädchen wurde vergewaltigt, ist HIV-positiv, ihre Mutter starb bereits an Aids. Der Leitspruch von der Chefin des Hilfsprojektes hieß: „Das Leben ist hart, ich bin härter.“

Wildlife-Camping mit Löwen vorm Zelt: Eine Camping-Tour „mit 16 anderen Mädels aus aller Welt“ führte Sarah durch Sambia, Simbabwe, Malawi, Tansania und Kenia. Sie waren mit dem Landrover-Bus unterwegs, schliefen in Armee-Zelten im Nirgendwo.

Nachts durften sie das Zelt nicht verlassen, weil Löwen davor lagen. „Das war mir eine Spur zu abenteuerlich und ich hab mir gesagt: Was tust du hier eigentlich?!“ Sie sehnte sich nach Toilette, Bett, Kaffee, Käse und Magnum-Eis. „Mir wurde klar, wie gut es uns zu Hause geht. Es ist schade, dass man das so wenig schätzen kann.“ Und sie lernte Menschen kennen, „die ganz einfach leben und trotzdem zufrieden sind“.

Gezielt ziellos ließ sich Sarah Kokot durch die Welt treiben. Sie bereiste alle Kontinente – hier einige ihrer Fotos aus Südafrika, Nepal, Vietnam, Australien, Neuseeland, Chile, Antarktis...

Yoga in Katmandu: Für Asien hatte Sarah Kokot noch keinen Plan, weder Unterkunft noch Ziel. Etwas verloren stand sie am Flughafen in Katmandu, eine Stadt, die vom Erdbeben noch immer stark zerstört ist. Sie schaute sich um „und da stand genauso einer wie ich“. Ein junger Mann aus Berlin. Die beiden suchten sich ein Hostel, trafen andere Abenteurer und wollten gemeinsam ins Hochgebirge. Doch im letzten Augenblick sagte Sarah ab, „ich hatte irgendwie Angst“.

Verzicht auf Handy, Fleisch und Alkohol

Sie war nun wieder allein unterwegs, ließ sich treiben – und landete bei einem Bergvölkchen. Zwei Wochen lang schaltete sie ihr Handy aus, aß kein Fleisch, trank keinen Alkohol und übte Yoga. „Ich bin körperlich an Grenzen gestoßen.“

Sie lernte dort „viele tolle Menschen“ kennen. Zum Beispiel Robert aus Polen, der über ihren schweren Rucksack lachte. Er sagte ihr, dass der Mensch in der ersten Hälfte seines Lebens jede Menge Dinge und Gedanken sammelt. In der zweiten Lebenshälfte jedoch werde es Zeit, dies weiterzugeben. Obwohl Sarah noch jung ist, sprach sie das an. Sie reduzierte ihren Rucksack von 25 auf 18 Kilo, verschenkte Sachen. Zwei Hosen, drei T-Shirts und eine Jacke genügten.

In Nepal. Quelle: privat

Meditation in Buddhas Geburtsort: Als nächstes entschied sie sich für eine Meditationswoche im Kloster Lumbini in Nepal, dem Geburtsort Buddhas. Noch nie zuvor hatte sie das ausprobiert, ihr schmerzten vom langen Sitzen die Beine, doch sie hielt durch. Lange Gespräche mit einem Mönch lehrten sie Achtsamkeit, die Gefahr negativer Gedanken, das Annehmen von Ärger und Wut.

Ballast abgeworfen und dem Himmel ein Stück näher

„Diese Woche hat mich verändert. Es war der Wendepunkt meiner Reise,“ sagt sie. „Ich war zufrieden und glücklich, habe die Umwelt bewusster wahrgenommen, Geräusche, Gerüche, das Essen, die Natur“. Sie habe Vertrauen gespürt und hatte den Mut, sich treiben zu lassen.

Auf den Gokyo Ri in 5060 Metern Höhe: Nun entschied sie sich doch für die Berge, reduzierte ihren Rucksack auf zwölf Kilogramm und stieg mit einer kleinen Gruppe aus Chicago auf den Gokyo Ri im Himalaya. Zehn Tage lang bergauf, die Luft wurde immer dünner. „Die Stille war beeindruckend, ich hörte nur meine Schritte und den Wind.“ Sie übernachtete bei Einheimischen in einfachen Hütten. Am letzten Tag des Aufstiegs wurde sie höhenkrank, „aber ich dachte, das Stück schaffst du noch“. Der Moment auf dem Gipfel lasse sich schwer beschreiben: „Es war der Höhepunkt meiner Reise.“

Die Reiseroute von Sarah Kokot. Quelle: privat

Gruppenreise falsch gebucht: „Leider“ hatte sie schon vorab eine Gruppenreise durch Thailand, Kambodscha, Laos und Vietnam gebucht. Mit einem Bus wurden die Touristen zu all den Sehenswürdigkeiten gefahren. Aussteigen, fotografieren, weiterfahren. Vier Wochen lang. „Die Orte waren sehr schön. Aber diese Art zu reisen passte nicht zu dem, was ich davor erlebt hatte“, meint sie.

Mit Freunden in Australien und Neuseeland: Der gemeinsame Urlaub war von Anfang an verabredet und Sarah freute sich auf ihre Freunde von daheim. Doch zunächst verspätete sich ein Flug, so verpasste sie den Anschlussflug. Die Airline spendierte ein Hotel. Nach sechs Monaten wieder Luxus. Beim üppigen Frühstücksbuffett am nächsten Morgen musste sie weinen. Kaffee und Kuchen. „Ich habe noch nie ein Frühstück so geschätzt“, sagt sie.

Mit Campen unter freiem Himmel erlebte sie Australien und Neuseeland mit all den Naturschönheiten, sah aber auch die Zerstörung durch den Tourismus. „Wir leben so, als hätten wir eine zweite Welt im Keller – und ich bin auch ein Tourist.“

Auf den Fiji-Inseln. Quelle: privat

Heimweh auf den Fiji-Inseln: Als die Freunde wieder nach Hause fuhren, setzte „die große Heimwehphase“ ein, „ich war so traurig, der Reise-High war weg“. Sie flog zu den Fiji-Inseln, hüpfte mit einer Yoga-Lehrerin von Insel zu Insel, lebte bei Einheimischen, schwamm neben Baby-Haien, „es ist ein Paradies dort“.

Nahender Hurrican auf Hawai und Spaß in Las Vegas: In Hawai lernte sie ein Hippie-Dorf kennen, alles war heiter – bis die Hurrican-Warnung kam und alle Flüge gestrichen wurden. Geschäfte schlossen, der Strom fiel aus, die Menschen hamsterten Essen, Sirenen heulten. Die junge Deutsche geriet in Panik, „ich hab’ vor Angst geheult“. Glücklicherweise verschonte der Sturm Lane diesen Landstrich.

Konstrastprogramm Las Vegas – Rummel für Erwachsene

Kontrastprogramm nur wenige Tage später in Las Vegas: „Das ist ein Rummelplatz für Erwachsene. Ich habe dort eine Pool-Party gefeiert, es war sehr lustig.“ Zufälligerweise mit dem bekannten Rapper Snoop Doggs.

Salzwüste in Chile und Paddeln in der Antarktis: Weiter ging es nach Chile, wo sie eine „tolle Gruppe“ fand, mit der sie mit dem Jeep durch Bolivien und in die Salzwüste Uyuni fuhr. Von Chile aus hatte Sarah mehrere Expeditionsschiffe angeschrieben, ob diese sie mit in die Antarktis nehmen. Ein Kapitän sagte ja.

Die Deutsche erlebte zwölf Meter hohe Wellen im Schiff, sie paddelte bei ruhiger See im Kajak durch Eisschollen, sah Robben und Buckelwale, übernachtete im selbst gegrabenen Erdloch, stieg auf Berge, war eisbaden. Sarah empfand die Antarktis „wie einen anderen Planeten, so still, das war nach Nepal der zweitschönste Moment meiner Reise“.

In der Antarktis. Quelle: privat

Überraschungsparty bei Rückkehr in Neukieritzsch

Durch Italien und die Schweiz ging es zurück nach Neukieritzsch, wo sie nach 300 Reisetagen am 6. Dezember 2018 ankam. Freunde hatten eine Überraschungsparty organisiert, worüber sie sich riesig freute.

Aber: Sie hatte sich das Wiederkommen einfacher vorgestellt. „Als ich mein Zimmer betrat, kam mir alles so fremd vor. Ich dachte: Wer war ich, als ich diesen Raum vor 300 Tagen verlassen hatte? Jedenfalls anders.“

Tipp: Die Reise-Erlebnisse von Sarah Kokot sind in ihrem Blog http://gezielt-ziellos.blogspot.com nachzulesen. Am 5. April, 19 Uhr, wird sie im Gemeindesaal der katholischen Kirche in Borna, Stauffenbergstr. 7, über ihre Reise erzählen. Kontakt per Mail: sarah.k91@web.de

Von Claudia Carell

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