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Borna Nichts erinnert mehr ans alte Freibad in Borna
Region Borna Nichts erinnert mehr ans alte Freibad in Borna
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10:44 14.12.2018
Auf diesem Gelände in der Wyhraaue befand sich Bornas Freibad.
Auf diesem Gelände in der Wyhraaue befand sich Bornas Freibad. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna

Still ruht der See. Selten war der Titel des Liedes von Heinrich Pfeil (1835 bis 1899), der längst zum geflügelten Wort geworden ist, zutreffender als bei einen Blick auf die Bornaer Wyhraaue. Dort ruht tatsächlich der See – und zwar an der Stelle, an der sich jahrzehntelang die Bassins des einstigen Bornaer Freibades befunden haben. Wer seinen Fuß jetzt in der Schlamm südlich der Pferdekoppeln setzt, kann mit Blick auf die alt/neuen Kuhteiche nur noch ahnen, wo sich einst die großen Badebecken befunden haben.

Heute lässt sich nur erahnen, wo sich einst das Freibad von Borna befand. Quelle: Jens Paul Taubert

Letzter Akt im Drama um das Bornaer Freibbad

Damit ist der Vorhang im letzten Akt des Dramas um das Freibad gefallen, das wie kaum etwas anderes im letzten Jahrzehnt zum Symbol in Borna geworden ist. Mittlerweile haben die Bagger ihr Werk getan; wer aber das alte Freibad noch vor Augen hat, der findet den Platz noch, an dem sich das große Bassin befand, in dem seit 1965 tausende Bornaer Erfrischung fanden. Es war das Jahr, in dem das Freibad im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (NAW) unter aktiver Mitarbeit vieler Bornaer fertiggestellt wurde. Generationen von Bornaern schwärmen heute noch von den herrlichen Stunden, die sie dort verbracht haben.

Freibadverein wurde gegründet

Das Freibad hatte zwar immer viele Freunde und Fans, allerdings nicht genug, um unter dem Strich wirtschaftlich betrieben zu werden, weil es schlichtweg zu teuer wurde. Das jedenfalls fand der damalige Oberbürgermeister Bernd Schröter (Bürger für Borna), und er fand auch eine Mehrheit im Stadtrat, als vor ziemlich exakt zwölf Jahren der Beschluss zur Schließung des Bades aus Wirtschaftlichkeitsgründen anstand. Und wenn das Freibad An der Wyhraaue einem Großteil der Bornaer bis zu diesem Zeitpunkt doch relativ egal war, bekamen die nunmehr geschlossenen Bassins seither eine nachgerade mythische Bedeutung.

Nach der Schließung verfiel das Freibad Wyhraaue. Quelle: Jens Paul Taubert

Mythos Bornaer Freibad

Es kam 2007 zur Gründung eines Vereins zur Betreibung und Wiedereröffnung des Bades, und das Bad landete ein Jahr darauf auch auf den Wahlplakaten der Oberbürgermeisterkandidatin Simone Luedtke (Linke). Mit der Konsequenz, dass sie nach ihrem Wahlsieg alles daran setzte und setzen musste, einen Weg für die Wiedereröffnung des Bades zu finden.

Kommentar: Engagement fürs Bornaer Freibad bleibt

Von Nikos Natsidis

Das Freibad An der Bornaer Wyhraaue ist Geschichte. Endgültig, wie ein Blick auf das Areal im Süden der Stadt deutlich macht. Damit ist ein Kapitel in der Stadtgeschichte abgeschlossen, das für Emotionen und Aufregung gesorgt hat wie kaum etwas anderes in den letzten zehn Jahren. Was durchaus auch sein Gutes hatte.

Und zwar völlig unabhängig vom Ausgang der Geschichte, den sich vermutlich auch heute noch eine Mehrheit der Bornaer anders gewünscht hätte. Denn bevor es zum finalen Einsatz der Bagger in der Wyhraaue kam, wurde in Borna diskutiert, gekämpft und gestritten, heftig und engagiert. Und beeindruckend war das Engagement vieler Bornaer für ihr Bad in jedem Fall. Eine vergleichbare „Volksbewegung“ hat es in Borna in der jüngeren Vergangenheit bestenfalls noch einmal in der Debatte um den Kreissitz gegeben.

Deshalb bleibt nach dem Ende des Freibades unter dem Strich eins: dass sich die Bornaer auch in anderen Fragen einbringen – sachlich und emotional und in jedem Fall mit Engagement.

n.natsidis@lvz.de

Quorum beim Bürgerentscheid verfehlt

Nach einem Bürgerbegehren in dieser Sache, bei dem sich – sehr absehbar – eine Mehrheit für die Wiedereröffnung des Bades fand, kam es vor zweieinhalb Jahren zur letzten Runde im Kampf um das Bad. Die Gegner einer Wiedereröffnung hatten immer wieder auf die – zu hohen – Kosten einer Wiedereröffnung verwiesen. Dass sich beim Bürgerentscheid im Mai 2016 eine Mehrheit für die Wiedereröffnung des Bades fand, war keine Überraschung. Allerdings nahmen nicht genügend Bornaer an diesem speziellen Urnengang teil, so dass das vorgeschriebene Quorum verfehlt wurde.

Suche nach der Dokumentenkapsel

Was folgte, war die praktische Abwicklung der Angelegenheit in diesem Jahr. Der Abriss erfolgte mit schwerem Gerät. Dabei wurde noch nach der Dokumentenkapsel gesucht, in der Zeitungen, Münzen etc. von der Grundsteinlegung deponiert waren. Allerdings war die Suche vergeblich. Jetzt ist dort, wo sich das Bad befand, eine kahle Fläche. Noch lässt sich erahnen, wo die Umkleidekabinen und der Imbiss waren. Der Wind fegt über das Areal. Dass sich hier einmal der wichtigste sommerliche Erholungsort der Bornaer befand, lässt sich allerdings nicht mehr erkennen.

Bagger reißen die Gebäude des Freibades in der Wyhraaue ab. Quelle: Jens Paul Taubert

Tafel soll ans Bornaer Freibad erinnern

Aber immerhin. Ganz vergessen werden soll das Freibad An der Wyhraau aber nicht. Oberbürgermeisterin Luedtke hat angekündigt, auf dem Gelände eine Tafel anbringen zulassen, die an das Freibad erinnert.

Von Nikos Natsidis