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Borna Nur wenige Firmen in der Region halten sich an Tarifverträge
Region Borna Nur wenige Firmen in der Region halten sich an Tarifverträge
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12:24 23.05.2019
Ein Großteil der Firmen im Landkreis Leipzig hält sich nicht mehr an Tarifverträge (Symbolfoto). Quelle: Jan Woitas/dpa
Landkreis Leipzig

Schlechtere Bezahlung, längere Arbeitszeiten, weniger Urlaub: Beschäftigte, die im Landkreis Leipzig in einem Unternehmen arbeiten, in dem kein Tarifvertrag gilt, sind im Job klar benachteiligt. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hingewiesen. Nach Einschätzung der NGG hält sich mittlerweile ein Großteil der rund 7100 Betriebe im Kreis nicht mehr an Tarifverträge.

Das hat auch Folgen für die Unternehmen selbst, warnt Gewerkschafter Jörg Most: „Tariflose Firmen haben in puncto Motivation und Produktivität der Mitarbeiter meist schlechtere Karten. Auch die Suche nach Fachkräften fällt ihnen schwerer“, so der Geschäftsführer der NGG Leipzig-Halle-Dessau mit Blick auf aktuelle Studien der Hans-Böckler-Stiftung.

Gewerkschaft fordert Sozialpartnerschaft

Most ruft die Firmen dazu auf, sich zur Sozialpartnerschaft und zur Mitbestimmung zu bekennen. „Gerade beim digitalen Wandel der Arbeitsplätze muss man die Belegschaften mitnehmen. Gewerkschaften und Betriebsräte sichern nicht nur Jobs. Sie helfen auch dabei, die Zukunft zu gestalten – von neuen Arbeitszeitmodellen bis hin zur Weiterbildung der Mitarbeiter.“

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiteten zuletzt 40 Prozent der Beschäftigten in Sachsen in einem Betrieb mit Tarifvertrag. Nach Beobachtung von Gewerkschafter Most greift die Tarifflucht auch im Kreis Leipzig um sich: „Immer mehr Betriebe versuchen, sich um Tarifverträge zu drücken. Damit setzen sie bewährte Standards aufs Spiel und bieten ein Einfallstor für Dumping-Konkurrenz.“

Niedrige Tarifbindung in kleinen Firmen

Besonders niedrig ist die Tarifbindung nach Angaben des IAB in kleinen Firmen: Nur neun Prozent der sächsischen Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern halten sich aktuell an einen Tarifvertrag. In Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten liegt die Quote hingegen bei 57 Prozent.

Um diesen Trend zu stoppen, macht sich die NGG für Flächentarifverträge stark. Solche habe man etwa in Brauereien, in der Getränkeabfüllung und in der Nährmittel- und Süßwarenindustrie durchgesetzt. Zugleich sei die Politik gefordert. Landes- und Bundesregierung sollten sich für eine höhere Tarifbindung einsetzen.

Zahl der Tarifverträge gesunken

Die Zahl der Tarifverträge, die für alle Betriebe einer Branche per Gesetz gelten, sei zuletzt stark gesunken. Eine so genannte Allgemeinverbindlichkeit wurde im Jahr 2017 lediglich 25 Mal vom Bundesarbeitsministerium erteilt. Im Jahr 2000 waren es noch 133 Fälle. Das geht aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor.

Am Ende komme es aber auch auf die Beschäftigten an, so Most. „Je mehr Gewerkschaftsmitglieder und Betriebsräte es gibt, desto leichter lassen sich tarifliche Standards durchsetzen.“

Von Simone Prenzel

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