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Borna Oelbermann-Stiftung fördert den Südraum Leipzig
Region Borna Oelbermann-Stiftung fördert den Südraum Leipzig
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13:12 16.11.2018
Torte zur Einweihung eines Wandbildes in der Aula der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen, das in Zusammenarbeit der Lebenshilfe Borna und des Verein für Gefangenenfürsorge und Entlassenenhilfe Regis-Breitingen entstand. Die Dirk-Oelbermann-Stiftung hat das Projekt finanziell unterstützt. Quelle: Michael Raupach
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Regis-Breitingen

Der Kleingartenverein „Bergmannsruh“ in Regis-Breitingen hat Geld für eine Broschüre zu seinem 80-jährigen Bestehen erhalten. Das Kinderhaus „Pestalozzi“ Borna hat mit dieser Unterstützung sein Musikfestival „Andere Saiten“ für Weltoffenheit, Menschlichkeit, Frieden und Demokratie durchgeführt. Und die Universität Leipzig gestaltete auch mit Hilfe der Zuwendung den Regionalwettbewerb „Jugend forscht“.

Die Mittel dafür sind von der Dirk-Oelbermann-Stiftung gekommen, die seit Anfang 2017 soziale und kulturelle Projekte im Südraum von Leipzig fördert. Ihren Sitz hat sie im Pleißestädtchen Regis-Breitingen.

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Einweihung eines Wandbildes in der Aula der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen, das in Zusammenarbeit zwischen der Sozial-Arbeiten-Wohnen Borna gGmbH der Lebenshilfe und dem Verein für Gefangenenfürsorge und Entlassenenhilfe Regis-Breitingen entstanden ist. Die Dirk-Oelbermann-Stiftung hat das Projekt finanziell unterstützt. Quelle: Michael Raupach

Von Privatleuten gegründete Stiftungen, die sich öffentlichem Engagement verschreiben, sind in der Region nicht so reichlich gesät. In den östlichen Bundesländern fehlen eben ein, zwei Generationen Mittelstand, die ein solches Mäzenatentum betreiben können. Umso mehr fällt Dirk Oelbermann auf. Der Rechtsanwalt stammt aus Bremen.

Oelbermann war als Abwickler und Liquidator für die Treuhand

„Ich bin auf Insolvenzverwaltung spezialisiert“, sagt der 70-Jährige. „Dabei verstehe ich mich nicht als Totengräber von Unternehmen, sondern möchte aus der gescheiterten wirtschaftlichen Situation etwas restrukturieren, aus dem wirtschaftlichen Kern etwas Neues destillieren.“ Mit diesem Ansinnen habe er Anfang der 1990er-Jahre auch für die Treuhandanstalt gearbeitet.

Die sollte im staatlichen Auftrag die volkseigenen Betriebe der untergegangenen DDR privatisieren beziehungsweise, wenn das nicht gelingen wollte, stilllegen. Oelbermann war als Abwickler, Liquidator unter anderem beim Robotron-Kombinat Dresden und seinen einzelnen Firmen sowie beim Schuhkombinat „Banner des Friedens“ Weißenfels tätig.

Regis-Breitingen: Dirk Oelbermann ist der Vorstandsvorsitzende der Dirk-Oelbermann-Stiftung. Quelle: Olaf Krenz

Das Wirken der Treuhand wurde von ökonomischen und politischen Notwendigkeiten bestimmt, „sogenannten Sachzwängen“, sagt Oelbermann. „Dabei wurden viele – aus heutiger Sicht zu viele – soziale und gesellschaftliche Strukturen zerstört. Das hätte nicht Not getan.“

Die DDR-Betriebe hatten damals auch Kindergärten, Sportvereine und Urlaubseinrichtungen finanziert. Das sei als Erstes abgeschafft worden, weil es unproduktiv gewesen war. Und er sei damals „Mittäter im System“ gewesen. Zwei, drei Jahre vorm 70. Geburtstag habe er sich entschlossen, gesellschaftliche Zusammenhänge und das Gemeinwesen zu unterstützen. „Mit der Stiftung will ich helfen, ein wenig wiedergutzumachen“, meint er schmunzelnd.

Wohnanlage „Kuchenstück“ in Regis-Breitingen gekauft

Da kommt eine weitere Besonderheit ins Spiel. Oelbermann hatte 1995 die Wohnanlage „Kuchenstück“ in Regis-Breitingen von der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft gekauft, die sich um die Nachsorge des Kohleabbaus kümmert. Diese Siedlung überführte er Ende 2016 als Kapital in die Stiftung, ein Wert von rund 3,1 Millionen Euro.

Der freie Teil der Mieteinnahmen, der nicht für Instandhaltungen und Investitionen benötigt wird, steht für die Förderung unter anderem von kulturellen Projekten, der Jugend- und Altenhilfe sowie der politischen und beruflichen Bildung bereit. Gerechnet wird mit 100.000 Euro pro Jahr.

Gute Beziehungen zu den Mietern

„Klar haben mich Freunde gefragt: Warum verschenkst Du Dein Vermögen“, sagt der Rechtsanwalt. Zum einen habe er auch so sein Ein- und damit Auskommen. Da könne das Geld, das hier verdient werde, auch hier ausgegeben werden. Und er sei eben hier immer freundlich aufgenommen worden, habe keine Anfeindungen erlebt.

Zu den Mietern bestehen gute Beziehungen, es werden Sommerfeste gefeiert. „Es hat mir viel Freude gemacht, mich zu kümmern. Ich bemühe mich um gute Stimmung. Die Leute verstehen sich. Da will ich was an die Stadt und die Region zurückgeben.“

Kinder sind mit im Vorstand

Natürlich habe er vorher seine Kinder gefragt, es gehe ja um einen Teil ihres Erbes. „Beide tragen das mit. Sie sind in der Stiftung dabei.“ Tochter Kai-Friederike, Referentin an der Hochschule Anhalt, bilde mit ihm und Bürgermeister Wolfram Lenk als Vertreter der Stadt den Vorstand. Sohn Jan, Rechtsanwalt wie der Vater, gehöre zum fünfköpfigen Beirat, in dem auch die Groitzscher Pfarrerin Friederike Kaltofen und die Bornaer Kulturmanagerin Gabriele Schitke mitwirken. In absehbarer Zeit, so Dirk Oelbermann, wolle er seinen Part an die Kinder übergeben.

„Missionieren wollen wir mit der Stiftung nicht“, sagt der Bremer. Es gehe um keine Ideologie. Allerdings seien ihm die Werte des Grundgesetzes wichtig. Deshalb sei die Stiftung einer Veranstalter des Sächsischen Förderpreises für Demokratie, wo sie mit der Amadeu-Antonio-Stiftung und weiteren zusammenarbeite.

Stiftungen in Sachsen und im Landkreis

Im Freistaat gibt es 547 rechtsfähige Stiftungen (Stand Jahresende 2017). Das Verzeichnis darüber führt die Landesdirektion Sachsen. Ihre Dienststelle Leipzig, die für die Messestadt sowie die Landkreise Leipzig und Nordsachsen zuständig ist, listet die Stiftungen ihres Bereichs mit Namen, Anschrift und Zweck auf 49 Seiten auf.

Für den Landkreis Leipzig werden dort derzeit 27 Stiftungen geführt. Darunter kümmern sich 20 um öffentliche Belange wie die Förderung von Kultur, Kunst und Wissenschaft. Eine kirchliche Stiftung befasst sich mit der Betreuung seelisch Hilfsbedürftiger. Und sechs Gründungen sind auf die finanzielle Absicherung und berufliche Ausbildung der Stifter und ihrer Nachkommen ausgerichtet.

Stiftungen bürgerlichen Rechts mit öffentlicher Ausrichtung: Augustiner-Stiftung Grimma, Bruno-und-Therese-Guenther-Stiftung Geithain, Dirk-Oelbermann-Stiftung Regis-Breitingen, Dr.-Hübner-Stiftung zur Förderung Kinder und Jugendlicher Borsdorf, Kreistag-Wurzen-Stiftung Wurzen, Kulturstiftung Schloss Heyda (Gemeinde Lossatal), Kunst- und Kulturstiftung der Sparkasse Muldental (Grimma), Ökologisch-soziale Stiftung Zschadraß, Peiser Technik- und Handwerksstiftung Zwenkau, Prof.-Augustinus-Bader-Stiftung – Stammzellen für Jedermann Parthenstein, Rössing-Stiftung Borsdorf, Sammelstiftung der Stadt Wurzen, Siegfried-Scheler-Stiftung Wurzen, Stiftung Familie Nissenbaum Bad Lausick, Stiftung des Fördervereins der Paul-Guenther-Schule Geithain, Stiftung Lebendige Gemeinde Neukieritzsch, Stiftung Sammlung Annelies Freiberg Frohburg, Stiftung St. Georgenhospital (ehemals Sammelstiftung der Stadt Grimma), Stiftung Wald für Sachsen (Markkleeberg), Zukunftsstiftung Südraum Leipzig (Espenhain, Stadt Rötha).

Kirchliche Stiftung bürgerlichen Rechts: Hennig’sche Stiftung zu Großpösna.

Noch stecke die Arbeit der Stiftung in den Kinderschuhen. Oelbermann kann sich vorstellen, dass künftig Kontakte zwischen den von der Stiftung bedachten Vereinen und Projekten vermittelt werden. „Schön wäre, wenn sie sich vernetzen.“ Dann könnten sie noch besser mit guten Beispiel wirken. „Mal sehen, wo die Entwicklung hingeht. Auf jeden Fall ist die Stiftung auf Kontinuität ausgerichtet“, kündigt der 70-Jährige an.

Von Olaf Krenz

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