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Borna Pegau hat eine neue Bogenschießanlage
Region Borna Pegau hat eine neue Bogenschießanlage
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12:08 04.08.2019
Vereinskommandant Peter Kretschmer in der neuen Bogenschießanlage. Quelle: Ulrike Witt
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Pegau

Bogenschießen gehört zu den Präzisionssportarten. Eine ruhige Hand und Konzentration sind Voraussetzung. In Pegau erlebt die Sportart seit einigen Jahren einen regelrechten Boom. Mit der ausgebauten Bogenschießanlage im Neuen Schützenhaus an der Untermühle kann der Allgemeine Schützenverein zu Pegau der Nachfrage endlich gerecht werden.

„Für viele ist das Bogenschießen ein schöner Ausgleich zum stressigen Alltag. Besonders Frauen lockt die Sportart, aber auch Männer und Kinder kommen gern zu uns“, erklärte Vereinskommandant Peter Kretschmer am Samstag beim traditionellen Schützenfest und präsentierte unter dem Dach stolz den umgebauten Saal. Statt der früheren fünf Bogenschießanlagen gibt es jetzt neun. Möglich wurde der Ausbau Dank des sächsischen Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum (EPLR).

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90.000 Euro flossen in den Bogenschießsaal

„Anfang 2018 waren wir bei einem Informationsabend zum Leader-Förderprogramm in Neukieritzsch“, erinnerte sich Kretschmer an den Startschuss. Als klar war, dass die Chancen auf Förderung für die Pegauer gut stehen, reichte der Schützenverein den Antrag ein.

„Das war alles ganz schön aufwändig, aber es hat sich gelohnt“, betonte der Kommandant strahlend. Schließlich musste zur Zwischenfinanzierung auch noch ein Kredit aufgenommen werden. Denn die Fördermittel werden erst nach Fertigstellung und Abnahme bereit gestellt.

Die ausgebaute Bogenschießanlage in Pegau. Auch Decke, Fußboden und Fenster wurden erneuert. Quelle: Ulrike Witt

Knapp 90.000 Euro sind insgesamt in den Bogenschießsaal geflossen. 90 Prozent davon über das EPLR-Förderprogramm. Es wurden bis zum Frühjahr 2019 nicht nur die vier neuen Anlagen angeschafft. „Die Decke wurde abgehangen und gedämmt, der marode Fußboden ausgetauscht, neue Fenster wurden eingebaut und schließlich noch die Wände gestrichen“, berichtete Kretschmer. Er ist stolz, dass das Neue Schützenhaus selbst für Leipziger Vereine ein Anlaufpunkt ist.

„Größter und bestausgestatteter Schützenverein

„Unser Schützenverein ist der größte und bestausgestattete in der ganzen Region“, betonte er. Das hörte Bürgermeister Frank Rösel, der beim Schützenfest vorbeischaute, natürlich gern. Mit aktuell 100 Mitgliedern, darunter 20 unter 18 Jahren, und einem Viertel Frauen sei der Verein seit seiner Wiedergründung im Jahr 1990 kontinuierlich gewachsen. Dass der Schützenverein ursprünglich schon 1444 gegründet wurde und damit abgesehen von der DDR-Zeit weit über 500 Jahre alt ist, auch das sei ein Novum, so Kretschmer.

Heute steht den Mitgliedern ein Gebäude mit drei Etagen zur Verfügung. Es gibt unter anderem zwei Gewehrschießstände für Kleinkaliber – einen mit 50 Meter Länge und drei Automatikbahnen sowie einen mit 25 Meter Länge und vier Automatikbahnen.

Zusammenarbeit mit Oberschule

Geschossen werde zudem mit Luftdruckwaffen, Pistolen und großkalibrigen Waffen, aber auch mit Armbrust und Bogen. „Längst nicht alle Mitglieder sind sportlich aktiv, einige suchen nur das gesellige Miteinander, sind bei unseren Festen gern dabei“, sagte Kretschmer. Und davon gibt es einige: vom Neujahrsschießen übers Schlachtfest, das Frühjahrsschießen und das Schützenfest am vergangenen Wochenende bis hin zum Herbstschießen und zur Weihnachtsfeier.

Um die Räumlichkeiten nutzen zu können, müssten Interessierte nicht unbedingt Vereinsmitglied werden. „Wir bieten beispielsweise sehr erfolgreich einen Schießtriathlon bestehend aus Bogen-, Armbrust- und Luftdruckwaffenschießen an“, erläuterte Kretschmer.

Außerdem arbeite der Schützenverein seit einigen Jahren mit der Oberschule Pegau zusammen. Beim Schulhoffest könnten Jugendlich ab zwölf Jahren mit Erlaubnis der Eltern den Triathlon testen. „Wir brauchen uns, anders als viele andere Vereine, um unsere Zukunft keine Sorgen machen“, so Kretschmar zufrieden.

Kommentar von Claudia Carell

Es gibt viel Kritik zur europäischen Leader-Förderung – die berechtigt ist. Das Programm unterstützt seit 1991 kleine und große Projekte im ländlichen Raum. Problem: Im Laufe der Jahrzehnte hat die Bürokratie immens zugenommen. Was in den Anträgen alles abgefragt wird, stellt selbst Bauprofis mitunter vor Herausforderungen. Vereine und Privatleute kommen ohne Hilfe oft gar nicht weiter. Ähnlich kompliziert ist nach wie vor die Abrechnung.Dennoch: Ohne Leader würde das Leipziger Land heute anders aussehen. Ob Straßen, Kirchen, Vereinsräume, Spielplätze, sanierte Dreiseitenhöfe und Fachwerkhäuser – das Förderprogramm hat in den knapp dreißig Jahren mit vielen Millionen Euro eine Menge auf den Weg gebracht. Die neue Bogenschießanlage des Pegauer Schützenvereins ist eins von hunderten Beispielen. Selbst wenn Kommunen gern ihren Vereinen unter die Arme greifen möchten – 90.000 Euro für den Ausbau eines Vereinssaales samt Bogenschießanlage kann eine kleine Stadt nicht stemmen.Die Frage ist nun, wie es mit Leader weiter geht. Der CDU-Minister Thomas Schmidt war in der vergangenen Woche zu diesem Thema in der Region. Die schlechte Nachricht zuerst: Noch gibt es keine konkreten Zahlen, wie viel Geld nach Ende der aktuellen Förderperiode 2020 aus Brüssel fließen wird. Und angemahnte Vereinfachungen bei Antrag und Abrechnung werden frühestens in zwei Jahren möglich, hieß es.Doch die gute Nachricht heißt: Es wird die Leader-Förderung, die zunehmend mehr Vereine und Privatleute nutzen, weiterhin geben. Das hilft dem ländlichen Raum.

Von Ulrike Witt

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