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Borna Pegauer Chronist Tylo Peter wird 80
Region Borna Pegauer Chronist Tylo Peter wird 80
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11:11 31.07.2019
Pegaus Ortschronist hat ein Faible für Mineralien und füllt mit seinen Fund- und Sammelstücken eine ganze Regalwand. Quelle: Kathrin Haase
Pegau

Wenn in Pegau jemand als lebende Legende durchgeht, dann ist das Tylo Peter. Der Stadtchronist, Mitgründer des Heimatvereins Bornaer Land und des Heimatkundevereins Pegau, langjähriger Museumsleiter und Herausgeber unzähliger heimatkundlicher Schriften feiert am 1. August seinen 80. Geburtstag. Bescheiden wie seine ganze Natur sind auch seine Wünsche: „In meinem Alter braucht man nicht viel, höchstens, dass es noch ein paar Jahre so weitergeht.“

Lebt bis heute in seinem Elternhaus

Als Sohn des Elektromonteurs Heinrich Peter und seiner Frau Gertrud erblickte Tylo Peter einen Monat vor Kriegsbeginn das Licht der Welt. „Ich war eine echte Hausgeburt und ein verzogenes Einzelkind“, lacht er und ist stolz auf seine Wurzeln. Von hier wegziehen, kam für ihn nie in Frage und selbst nach dem Studium in Chemnitz zog es den gelernten Baumwollspinner und Textilingenieur wieder zurück an die Weiße Elster.

„Das ist meine Heimat, hier fühle ich mich wohl.“ Bis heute lebt Peter mit seiner Frau Gisela in seinem Elternhaus in der Leipziger Straße 17, hier zogen sie auch den gemeinsamen Sohn groß, der heute mit seiner Familie in Erfurt wohnt.

Vater Heinrich in Stalingrad vermisst

Peters Kindheit im Krieg war nicht immer einfach und der Vater in Russland weit weg. 1943 schlug das Schicksal hart zu: Heinrich Peter wurde in Stalingrad vermisst und der kaum Vierjährige sah seinen Papa nie wieder. Nach der Wende ließ Tylo Peter über den DRK-Suchdienst nach ihm forschen, doch ohne Ergebnis. „Sie haben leider keine Hinweise gefunden, er gilt als verschollen.“

Generation der Versuchskarnickel

Das Leben in Pegau musste irgendwie weitergehen. 1945 kam Tylo Peter in die Schule und zählt sich selber zur „Generation der Versuchskarnickel mit lauter neuen Lehrern“. Der Junge liebte Geschichte und Erdkunde, Mathe und Rechtschreibung waren für ihn böhmische Dörfer. „Ich bin ein Schreibmuffel“, gibt der Chronist zu, „wenn wir einen Aufsatz schreiben mussten, war das eine Tortur. Ich habe mir deshalb angewöhnt, immer in Abschnitten zu schreiben, mal den Schluss, mal die Mitte, und dann habe ich die Stücke zusammengebastelt. Das mache ich bis heute so.“

Ausgrabungen in Zauschwitz

Sein Interesse für Heimatgeschichte konnte Peter schon früh in der Arbeitsgemeinschaft „Junge Historiker“ im Pegauer Museum ausleben. Jede freie Minute verbrachte er hier, und als 1951 die archäologischen Ausgrabungen in Zauschwitz begannen, tauchte er in die Geschichte der Jungsteinzeit ein. Das war genau nach seinem Geschmack.

Später im Berufsleben und als junger Familienvater blieb wenig Zeit für die Historie. 37 Jahre lang arbeitete Tylo Peter in der Pegauer Filze – erst als Produktionsleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter und zuletzt als Werkleiter – und musste dort 1991 das Licht ausmachen. Ein bitterer Moment für alle Beschäftigten, aber auch ein Neuanfang für ihn persönlich. „Ich bekam eine dreijährige ABM beim Heimatverein des Bornaer Landes.“

Gesicht des Museums mitgeprägt

Aus dem Hobby wurde Beruf, erst recht, als Tylo Peter danach hauptamtlich die Museumsleitung in Pegau übernahm. In dieser Zeit entwickelte er die Dauerausstellungen „Aus dem Leben der alten Pegauer“ und „Mammute, Mönche, Macher“ und prägte wesentlich das Gesicht des Museums. „Parallel habe ich mit Schreiben angefangen“, sagt der Jubilar und kann zusammen mit dem Heimatkundeverein auf eine stattliche Sammlung von Heimatblättern, Bildbänden und Büchern verweisen – unter anderem über Wiprecht von Groitzsch, „Pegau I“ und „Pegau II - ab 1900“ sowie Sagen und Erzählgut aus der Pegauer Pflege.

Tylo Peter schöpft sein historisches Wissen vor allem aus Büchern. In seinem Arbeitszimmer im Dachgeschoss hat der Chronist eine kleine private Bibliothek angelegt. Quelle: Kathrin Haase

Zu Hause im Dachgeschoss hat sich der Fulltime-Rentner nun ein gemütliches Arbeitszimmer eingerichtet. Eine Bücherwand teilt den Raum, der Laptop und Stifte liegen griffbereit auf dem Schreibtisch. „Ich bin ein Internetmuffel und habe auch kein Handy“, erzählt der 80-Jährige und setzt lieber auf traditionelle Recherche. „Ich hole meine Informationen aus der Literatur.

Mit Wikipedia habe ich leider schlechte Erfahrungen gemacht. Dort kann sich jeder reinhängen und Texte verändern. Das muss ich nicht haben.“ Aktuell schreibt Peter, der auch Ehrenmitglied des Groitzscher Naturfreunde- und Heimatvereins ist, an einem Heft über die „Pegauer Pflege“ und über seine Spezialstrecke: das Pegauer Kloster.

Die geistige Arbeit hält den Jubilar fit und spornt ihn an. Nach einem Schlaganfall vor ein paar Jahren ist sein linker Arm gelähmt und das Laufen fällt ihm schwer. „Ich quäle mich die beiden Treppen hoch und überlege mir vorher dreimal, was ich mitnehmen will. Runter gehts einfacher, weil die Hangabtriebskräfte wirken.“

Stücke aus der Mineraliensammlung von Tylo Peter. Quelle: Kathrin Haase

Mineralien- und Münzsammlung

Doch Tylo Peter wäre nicht Tylo Peter, wenn er nicht noch andere Hobbys neben der Geschichte hätte. Auf dem Weg ins Arbeitszimmer hält er an einem Regal mit Mineralien an – seine zweite große Leidenschaft. Hunderte Steine, Mineralien und Fossilien hat der 80-Jährige hier zusammengetragen, es ist für ihn Geschichte zum Anfassen. Ähnlich verhält es sich mit der Münzsammlung, unter anderem mit DDR-Alltags- und Gedenkmünzen oder Münzen aus dem Kaiserreich, von der ein kleiner Teil in der Stube hängt.

Langeweile kennt das Geburtstagskind nicht. Neben den täglichen Kreuzworträtseln in der LVZ (“Mit Schauspielern kenne ich mich nicht so aus, aber gemogelt wird nicht. Ich nehme kein Lexikon zur Hilfe.“) besucht Tylo Peter ein-, zweimal im Monat seine ehemaligen Kollegen im Heimatmuseum. Er möchte den Kontakt nicht abreißen lassen und Neuigkeiten von ihnen erfahren.

Genealogische Anfragen im Pfarramt

„Ich gehöre nicht zu den Typen, die den ganzen Tag am Fenster gucken und dummes Zeug reden. Ich beschäftige mich lieber mit interessanten Dingen.“ Und dann sind da noch die genealogischen Anfragen im Pfarramt, die Peter mit Kenntnissen in Sütterlinschrift gerne beantwortet. „Voriges Jahr gab es eine ganze Menge, sogar aus den USA“, erinnert er sich. „Das ist interessant, aber für mich selber würde ich das nie machen. Das ist viel zu aufwendig.“

Seinen 80. Geburtstag feiert Tylo Peter heute mit der Familie im „Weißen Roß“ in Groitzsch. Nach dem Kaffeetrinken klingt der Tag gemütlich im Garten in Pegau aus. Dort, wo der Chronist so gerne zu Hause ist.

Von Kathrin Haase

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