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Borna Pegauer Eismann und Wirt geht in Ruhestand
Region Borna Pegauer Eismann und Wirt geht in Ruhestand
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18:20 25.02.2019
Frank Heinold reicht sein (fast) letztes Eis nach draußen zum Kirchplatz im Pegauer Zentrum. Nach 49 Jahren im Geschäft übergibt er nun zum 1. März 2019 das Eiscafé und die Pizzeria sowie die Pension in jüngere Hände und geht in Ruhestand. Quelle: Mathias Bierende
Pegau

Es gibt Lokale und Läden, bei denen der Name des Inhabers dessen Amtszeit weit überdauert. In Pegau wird es wohl noch lange heißen „Wir gehen zu Heinolds!“, wenn Eis und Pizza am Eck Kirchplatz/Kramergasse gegessen werden sollen. Doch der Eigentümer und Betreiber des Komplexes mit Eiscafé, Pizzeria und Pension, Frank Heinold, setzt sich am Monatsende zur Ruhe. Ab dem 1. März führt die Wiederauerin Sabine Rödel die Geschäfte.

Die Kirchplatz-Ansicht von Eiscafé und Pizzeria. Quelle: Jakob Richter

Damit schrammt Heinold knapp am goldenen Jubiläum vorbei. „Ja, ja, seit 49 Jahren habe ich hier Eis hergestellt und verkauft. Aber im Mai werde ich ja schon 70“, sagt er. Er habe seit einiger Zeit einen Nachfolger gesucht. „Das ist inzwischen recht schwer, gerade in der Gastronomie.“ Dann habe es Bewerber aus dem Ausland gegeben und Rödel, die schon in den 1990er-Jahren sonntags bei ihm ausgeholfen hatte. „Mit ihr hat es schließlich gepasst, gut anderthalb Jahre haben wir verhandelt. Ich denke, das funktioniert.“

Rustikale Ecke im Lokal, das Eiscafé und Pizzeria ist. Quelle: Olaf Krenz

Der gelernte Konditor hatte nach der Armeezeit – wie auch heute noch – Sehnsucht nach der Ferne und sich auf dem DDR-Kreuzfahrtschiff „Völkerfreundschaft“ beworben. Bis zur erhofften positiven Antwort wollte der 20-Jährige in der Bäckerei und Konditorei von Vater Arno in der Unterstadt, an der Elsterbrücke, arbeiten. Doch dessen Skatbruder, Bürgermeister Erhard Meister, hatte anderes mit ihm vor: „Er hat gesagt: ,Du gehst nicht aufs Schiff. Du machst eine Eisdiele in Pegau auf.‘ Die letzte hatte zwei Jahre zuvor geschlossen. Und dann ist er ein halbes Jahr lang jeden Morgen gekommen und hat nachgefragt. Auch mein Vater hat gedrängt.“ Bis Frank Heinold einknickte und zusagte.

Als Mieter übernahm er die frühere Steinbach’sche Eisdiele in der Kramergasse 13 und richtete sie, auch mit Meisters Hilfe, wieder her. Eröffnung war am 30. April 1970. Doch schon nach der zweiten Saison 1971 wurde ihm nach Streit mit dem Vermieter gekündigt. Wieder half der Bürgermeister. Heinold konnte das benachbarte Haus, ein früheres Lebensmittelgeschäft, übernehmen. „Doch das war abbruchreif, wir mussten es erst sanieren.“ Was damals anscheinend schneller ging als heute. Erst der Laden - bereits im April 1972 öffnete die Eisdiele – dann eine kleine Wohnung. „Ohne meinen Vater wäre das nicht gelungen.“ Seitdem ist die Adresse Kramergasse 15.

Frank Heinold im Jahr 2012. Quelle: Jakob Richter

Im Winter, Eissaison war nur von April bis Oktober, arbeitete Heinold in der Holzet Groitzsch (Leichtbauplattenwerke). „Ich musste ja Geld verdienen.“ Nach einigen Jahren entwickelte er die Diele zum Eiscafé, führte ein Imbissangebot ein, später wurde richtig gekocht. „Ich habe alles selbst hergestellt und zubereitet. Wobei es nicht einfach war, vorher die Waren zu bilanzieren. Ich musste ja ein Jahr zuvor sagen, wie viel Kakao ich für Eis und Torten benötige. Da habe ich lieber hoch angesetzt – und die Hälfte erhalten.“ Mit anderen Betreibern, wie Stiehl in Borna und Vogel in Groitzsch, habe er da auch viel getauscht.

LVZ-Ausschnitt von 1985 mit einem Beitrag über Frank Heinolds Eiscafé. Quelle: Mathias Bierende

Große Probleme habe die Wende bereitet. „Ein Eisbecher kostete nicht mehr 1,75 DDR-Mark, sondern 3,50 D-Mark. Die ersten zwei Jahre lief das Geschäft nicht gut.“ Etwas Neues, Besonderes musste her. „Über die IHK bin ich nach Italien gegangen, ich hab’ mich eine Woche in der italienische Küche anlernen lassen, Pizza, Nudelgerichte. Das hat viel gebracht.“ 1992 ergänzte Heinold das Eiscafé mit der Pizzeria; es gab aber auch weiter gutbürgerliche Gerichte.

Blick in den Eiscafe-Bereich. Quelle: Jakob Richter

„Dann bin ich ein großes finanzielles Risiko eingegangen“, erzählt er. Obwohl er von vier Bewerbern für Hotels in Pegau wusste, entschied er sich für eine eigene Herberge. „Wir haben alles über den Erdgeschoss wegreißen und neu aufbauen lassen.“ Im November 1994 startete die „Pension am Kirchplatz“ mit sieben Doppelzimmern über drei Etagen. „Von den Gästen der ersten Zeit kommen immer noch einige, seit 25 Jahren.“ 1996 kam das Nachbarhaus mit „Room Two“ (Raum zwei) dazu, der eine Zeit lang das Raucherzimmer war. „Heute raucht zum Glück kaum noch einer in Gaststätten“, meint Heinold. Und vorm Eiscafé etablierte er einen Biergarten. Inzwischen gehören zur Familie die vier Gebäude von der Schlossergasse bis zur Kramergasse 13, wo jetzt Carmen Heinold-Bonk, seine zweite Frau, ihren Laden für Gravuren, Präsente und Lotto betreibt.

Den Freisitz in dieser Form gibt es seit den späten 1990er-Jahren, nach der Sanierung des Kirchplatzes. Quelle: Hartmut Karich

Ja, er habe viel gebaut und saniert und immer mal umgestaltet. „Manchmal liefen drinnen die Eismaschine und draußen der Betonmischer.“ Hohe Kredite seien in die Projekte geflossen. Und dann werde ja in der Gastronomie auch – und gerade – am Wochenende gearbeitet. „Das war familiär nicht immer schön. Wohl auch deshalb haben Carmen und ich erst 2008 geheiratet, auf Hawaii. Da hätten wir schon Silberhochzeit haben können.“

Eigentlich wisse er noch nicht genau, „ob und wie ich loslassen kann“. Zumindest sei in den Gebäuden ja immer was zu tun. Auf jeden Fall wolle er in der nächsten Zeit die Treppenhäuser und Keller erneuern. „Und ein Hobby? Irgendwas muss her, vielleicht was mit Geschichte.“ Mehr Radfahren wolle er – und im Sommer 10 Uhr zum Rentnerschwimmen ins schöne Freibad. Außerdem trete er noch einmal zur Wahl für den Stadtrat an.

Von Olaf Krenz

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