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Borna Pethke-Rauswurf: Nordsachsen kritisieren Informationspolitik
Region Borna Pethke-Rauswurf: Nordsachsen kritisieren Informationspolitik
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14:48 06.03.2018
Nordsachsens SPD-Politiker Heiko Wittig fordert eine bessere Informationspolitik im  Fall der Beurlaubung des Kultursekretärs.
Nordsachsens SPD-Politiker Heiko Wittig fordert eine bessere Informationspolitik im Fall der Beurlaubung des Kultursekretärs. Quelle: Hans Buttermilch
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Landkreis Leipzig/Nordsachsen

Für Verstimmung zwischen den Kulturraum-Partnern hat offensichtlich die Beurlaubung von Kultursekretär Holger Pethke gesorgt. Landrat Henry Graichen (CDU) hatte dem Chemnitzer überraschend den Stuhl vor die Tür gesetzt (die LVZ berichtete). Nordsächsische Kommunalpolitiker erfuhren die Personalie aus der Leipziger Volkszeitung. Das ist insofern von gewisser Brisanz, da die beiden Landkreise einen gemeinsamen Kulturraum bilden. Die Regel besagt: Der Kultusamtsleiter des Landrates, der Vorsitzender des Kulturkonvents ist – in dem Fall Graichen, fungiert automatisch auch als Kultursekretär.

Bei Heiko Wittig (SPD), dem Vorsitzenden des nordsächsischen Schul- und Kulturausschusses, sorgt die Personalie für Verwunderung. „Herr Pethke ist seit wenigen Monaten im Amt gewesen und hat aus meiner Sicht einen guten Job gemacht. Im Orchesterstreit hat er, nachdem vorher mehrfach Beschlussvorschläge untragbar waren und von uns zurückgewiesen wurden, zumindest endlich eine Kompromissvariante gefunden, mit der wir leben konnten.“ Auch in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des Soziokulturellen Zentrums Delitzsch lernte Heiko Wittig den neuen Kultursekretär positiv kennen, wie er schildert. „Erst kürzlich unterbreitete er unserem Vorstand seine Ideen zur weiteren Unterstützung des Kulturraumes für die Soziokulturellen Zentren in den beiden Landkreisen. Seine Ausführungen klangen sehr vernünftig“, erklärt Heiko Wittig. Über den Buschfunk habe der Fraktionsvorsitzende von SPD/FDP/Grünen im nordsächsischen Kreistag erfahren, dass Pethke beurlaubt sein soll. Am 28. Juni habe er im Ältestenrat Landrat Kai Emanuel (parteilos) daraufhin angesprochen. „Zu meiner Verwunderung hatte unser Landrat bis dahin betreffs der Beurlaubung von Herrn Pethke keine Information von seinem Landratskollegen Henry Graichen erhalten. Sobald er etwas darüber erfahre, wolle er informieren, meinte Landrat Emanuel.“ Nachdem Wittig nun über eine Woche auf eine Information wartete, erfuhr er sie schließlich offiziell aus der Presse.

„Das ist keine Art des Umgangs“, erklärte Heiko Wittig auf Nachfrage. „Es wäre die Pflicht von Herrn Graichen gewesen, auch uns zeitnah zu informieren.“ Immerhin bilde man im Kulturraum Leipziger Raum eine Zweckgemeinschaft, von der die Existenz zahlreicher Vereine, soziokultureller Zentren, Museen oder Bibliotheken abhänge. Der nordsächsische SPD-Politiker fragt sich, „welches Vertrauensverhältnis sollen wir in unserer Fraktion und in unserem Fachausschuss denn nun zu Landrat Henry Graichen haben, wenn wir eine so wichtige Personalentscheidung aus der Presse erfahren? Ich kann Herrn Graichen nur empfehlen, Kreisräte nicht als Stimmvieh zu sehen, die keine Informationen benötigen. Zudem sollte er bei der Neubesetzung der Stelle des Kultursekretärs von seinem Landratskollegen Emanuel lernen, der bei wichtigen Personalentscheidungen versucht, einen breiten Konsens zu finden.“

Für seine Begriffe habe Pethke die Ärmel hochgekrempelt und einige wichtige, wenngleich unbequeme Fragen gestellt, legte Wittig auch noch nach. „Insofern wollen wir schon gern Klarheit darüber haben, warum sich die Wege zwischen dem Bornaer Landratsamt und dem Kultursekretär letztlich getrennt haben.“

Von Simone Prenzel