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Borna Polizei bringt Baggerbesetzer aufs Revier nach Leipzig
Region Borna Polizei bringt Baggerbesetzer aufs Revier nach Leipzig
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15:40 06.08.2019
Kohlegegner haben am Dienstag einen Bagger im Tagebau Schleenhain besetzt.  Quelle: Vereinigt Gegen Schleenhain
Groitzsch/Leipzig

Zehn Klima-Aktivisten haben am Dienstagmorgen einen Bagger im Tagebau „Vereinigtes Schleenhain“ südlich von Leipzig besetzt. Die Gruppe forderte einen sofortigen Kohleausstieg und eine damit verbundene Energiewende hin zu erneuerbarer Energieproduktion, teilte eine Sprecherin der Initiative „Vereinigt gegen Schleenhain“ mit. Braunkohlestrom trage erheblich zur Verschlimmerung der Klimakrise bei.

Mibrag lehnt „jede Form von Gewalt und Gesetzesverstößen ab“

Gegen 5.30 Uhr hätten die Aktivisten widerrechtlich das Betriebsgelände betreten und den Bagger 1538 im Abbaufeld Peres besetzt, so Mibrag-Sprecher Maik Simon. Sein Unternehmen verurteilte die Aktion.

„Wir sind auch entsetzt über das rücksichtslose Vorgehen der Braunkohlegegner“, sagte Armin Eichholz, Vorsitzender der Mibrag-Geschäftsführung, „Wir haben nichts gegen friedliche Proteste, aber wir lehnen jede Form von Gewalt und Gesetzesverstößen ab.“ Für solche „lebensgefährlichen Aktionen“ habe das Unternehmen kein Verständnis.

Am Dienstagmorgen haben Klimaaktivisten einen Kohlebagger im Tagebau Vereinigtes Schleenhain besetzt. Die Polizei hat den Bagger geräumt und die Kohlegegner aufs Revier nach Leipzig gebracht.

Höhenrettung der Polizei seilte Aktivisten ab

Bereits 5.35 Uhr wurde die Polizei über die Besetzung verständigt, sagte Polizeisprecher Uwe Voigt. Von den zehn Personen seien vier vermummt, sechs hätten eine Gesichtsbemalung. Über die sozialen Medien habe die Polizei mit der Initiative Kontakt aufgenommen und vor den Gefahren gewarnt. Dreimal hätten die Beamten am Bagger die Aktivisten dazu aufgerufen, das Tagebaugroßgerät freiwillig zu verlassen, so Voigt.

Kohlegegner ohne Ausweispapiere

Zwei der Aktivisten – eine Frau und ein Mann – seien freiwillig vom Bagger hinunter gestiegen. Danach seien Spezialisten der Höhenrettung zum Einsatz gekommen und hätten die anderen acht Besetzer abgeseilt, so der Polizeisprecher. Keiner der Klima-Aktivisten habe Ausweisdokumente dabei gehabt.

Deshalb seien acht Besetzer zur „Identitätsfeststellung“ in die Polizeidirektion Leipzig gebracht worden. Wenn die Identität klar sei, würden sie wieder auf freien Fuß gesetzt, so Voigt. Sympathisanten wollen vor der Leipziger Polizeibehörde in der Dimitroffstraße bis zur Freilassung der Aktivisten demonstrieren, kündigte die Sprecherin der „Vereinigt gegen Schleenhain“ an.

Möglicherweise zwei Kinder – Eltern gesucht

Zwei weitere Aktivisten fuhren die Beamten ins Bornaer Polizeirevier. Grund: Sie könnten „dem äußeren Erscheinungsbild nach Kinder sein“, so der Polizeisprecher. Es gehe nun darum herauszufinden, wer ihre Eltern seien und sie ihnen zu übergeben. Würde dies nicht gelingen, werde sich die Polizei ans Jugendamt wenden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits, sagte Voigt weiter, „wegen des Anfangsverdachts des Hausfriedensbruchs und der Störung öffentlicher Betriebe“.

Bagger stoppte Betrieb aus Sicherheitsgründen

Kohlegegnern besetzten häufig Bagger in Braunkohletagebauen. „Das ist ein sinnvolles Mittel, um immer wieder öffentlich darauf aufmerksam zu machen, dass der Kohleausstieg wieder verschoben wurde“, sagte die Sprecherin der Initiative „Vereinigt gegen Schleenhain“ gegenüber der LVZ. Sie bewertete die Aktion als „erfolgreich“.

Ihre zehn Leute besetzten den Bagger in Schleenhain an einer möglichst hohen und schwer zu erreichbaren Stelle. Der Betrieb sei aus Sicherheitsgründen sofort gestoppt worden. Und genau darum ginge es: Man wolle verhindern, dass weiter Kohle gefördert wird, so die Sprecherin. Dass vermutlich zwei der Aktivisten noch Kinder sein könnten – dazu wollte sie sich nicht äußern.

Proteste vor Polizeibehörde angekündigt

Die Regierungen würden sich nicht nach den Interessen und Bedürfnissen der derzeit und zukünftig Betroffenen richten, sondern „die Durchsetzung der profitorientierten Interessen der zerstörerischen Konzerne ermöglichen“, heißt es in einer Erklärung der Initiative.

Nur „durch den enormen Druck, der in den letzten Jahren durch viele verschiedene Proteste entstanden ist“, würde die Klimakrise langsam ernst genommen – doch das helfe den Betroffenen im globalen Süden, die unter extremer Trockenheit zu leiden haben, nicht weiter. „Währenddessen bekommen diejenigen, die die Klimakrise hauptsächlich verursachen, bis jetzt nur ein paar Hitzesommer zu spüren und schalten ihre Klimaanlage ein“, kritisierte die Initiative und rechtfertigt damit Aktionen wie die Bagger-Besetzung.

Zuletzt hatten Umweltschützer im Februar einen Bagger im Tagebau Schleenhain besetzt. Die Polizei ließ den Bagger räumen.

Klimacamp im Kohledorf Pödelwitz seit Samstag

Mit einem Klimacamp im Kohledorf Pödelwitz protestieren seit dem Wochenende mehrere hundert Menschen gegen die Braunkohleverstromung im Leipziger Umland. Bis zum 12. August rechnen die Veranstalter mit bis zu 1000 Teilnehmern.

Von LVZ