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Borna RB-Fans mit Haut und Haaren: Doris und Rainer Kurth aus Kitzen sind Bundesliga
Region Borna RB-Fans mit Haut und Haaren: Doris und Rainer Kurth aus Kitzen sind Bundesliga
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06:00 10.09.2016
Klar, dass es bei Doris und Rainer Kurth auch im Schlafzimmer nur rot-weiß gibt. Die Bettwäsche gibt es zudem in verschiedenen Ausführungen.
Klar, dass es bei Doris und Rainer Kurth auch im Schlafzimmer nur rot-weiß gibt. Die Bettwäsche gibt es zudem in verschiedenen Ausführungen. Quelle: Andreas Döring
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Pegau/Kitzen

Die Farben rot und weiß dominieren ihr Leben, ebenso wie die zwei Buchstaben R und B. Bei Doris und Rainer Kurth dreht sich alles um das schwarz-weiße Leder. Vorausgesetzt: die Rasenballer kicken damit. In ihrem Haus im Pegauer Ortsteil Kitzen gibt es schlicht alles, was es auch im Fanshop gibt – angefangen bei Flaschenöffnern über Tassen bis hin zu Vorhängen – alles rot-weiß, alles bullig. Seit Jahren führen die Dauerkarten-Besitzer Fahrtenbücher zu den Auswärtsfahrten von RB und sind Mitglieder im Fanclub.

Sie sind mit den Leipziger Bullen gewissermaßen verheiratet. Ihre eigene Trauung erlebten Doris (66) und Rainer Kurth (69) aus Kitzen bei Pegau in der Red Bull Arena. Sind bei jedem Spiel, ob auswärts oder in Leipzig, dabei und haben auch ihr Häuschen im Pegauer Ortsteil ganz auf die Lieblinge von RB abgestimmt.

Doch die Liebe geht noch weiter. Auch durch den Magen. Doris und Rainer haben am 9. Juli im RB-Stadion geheiratet – stilecht mit Bulli als Trauzeuge, mit einem Fußball als Ringkissen und selbstverständlich in rot-weiß. Die Fingernägel hat sich Doris in einer zweieinhalbstündigen Prozedur mit dem Logo des Bundesliga-Vereins verzieren lassen. Und natürlich: Die Hochzeitstorte war ein Fußballplatz samt RB-Spielern als Marzipanfiguren.

RB-Hochzeitstorte und ein besonderes Auto-Kennzeichen

Die Kitzener sagen selbst von sich, dass sie „vielleicht die verrücktesten RB-Fans weit und breit“ sind. Und wer sie einmal besucht hat, stempelt ihnen dieses Prädikat mit Sicherheit auf.

Das neue Auto ist ein weiteres Indiz für grenzenlose Leidenschaft. Erst im November 2015 hat sich das Paar den kleinen roten Flitzer angeschafft. Da musste nur noch das passende Kennzeichen her – „was aber gar nicht so einfach war“, wie der 69-Jährige sagt. Denn mit einem L vorn, hätte der zweite Buchstabe kein R sein dürfen – die Buchstaben bis S sind den Messestädtern vorbehalten. Für den Landkreis gibt’s erst ab T die Qual der Wahl. Also wählten die beiden BNA und bekamen ihren Wunsch nach RB 16 erfüllt. „Die 16 steht zum einen für das Jahr des Aufstiegs in die erste Bundesliga, zum anderen für das Jahr unserer Hochzeit“, erklärt Doris.

Doris und Rainer – passen zusammen wie Rasen und Ball

Kennen gelernt haben sich die Fußballgegeisterten vor einem Jahr – und schnell war den beiden Witwern klar: „Wir passen zusammen wie Rasen und Ball“. Rainer: „Ich hätte Doris auch gleich 14 Tage später geheiratet, aber es gab noch keinen Termin für die Trauung im Stadion“, sagt Rainer. Denn: Eine Hochzeit von zwei Fußball-Verrückten im ganz normalen Trauzimmer? Undenkbar! Dann doch lieber warten... Einige Monate später erfüllte sich der Traum.

Nur eines stimmte die frisch Vermählten ein wenig verdrießlich: Vom Lieblingsverein kam bis heute nicht einmal eine Glückwunschkarte. Doch dem Verein und Bundesligisten bleibt heute Abend ja Gelegenheit, dem ersten Paar, das sich in den heiligen Gefilden der Bullen-Arena das Ja-Wort gegeben hat, zu gratulieren. Vielleicht flimmert ja beim ersten Heimspiel in der ersten Bundesliga gegen Dortmund ein Glückwunsch über die Stadionleinwand.

Eine Niederlage gegen Borussia Dortmund ist nicht drin

Für die beiden ist schon vorher klar: eine Niederlage gegen den BVB ist nicht drin. Doris tippt auf einen Sieg der Leipziger, dem Göttergatten würde auch ein Unentschieden reichen. Auf das erste Heimspiel hat sich das Paar selbstverständlich gut vorbereitet und gleich den Begegnungsschal gekauft. „Wenn es was Neues gibt, sind wir die ersten im Fanshop.“

Dabei könne das Sortiment durchaus noch deutlich wachsen. Einen Strandkorb im rot-weißen RB-Look würden sich die zwei sofort in den Garten stellen, auch Handyhüllen gibt es nur in Eigenkreation. Selbst für den Hund musste ein Winterpulli extra angefertigt werden. „Da hat RB noch Nachholbedarf.“ Den sehen die Kurths zudem noch in so manchen organisatorischen Dingen, zum Beispiel wenn es um die Platzwahl für die Dauerkarten geht oder um die Bereitstellung von Fan-Artikeln zu Freundschaftsspielen. Beides mussten sie schon mal anprangern. „Wir sind zwar riesige Fans, aber gefallen lassen wir uns auch nicht alles“, machen die zwei deutlich.

Die Fußballherzen der Kitzener sind zudem so groß, dass nicht nur RB reinpasst, sondern auch noch Chemie Leipzig. Wenn Spiele anstehen, versuchen sie, dabei zu sein. Allerdings nur, wenn RB mal Pause hat. Was selten genug vorkommt. Denn die Kurths stehen nicht nur bei den Profis am Spielfeldrand, sondern auch bei dem rot-weißen Nachwuchs ab der U17. Und es reicht ihnen nicht, die Spiele live zu verfolgen. Kaum Zuhause, werden die Partien noch einmal vor dem Fernseher ausgewertet.

Problem Champions League: Doris hat Flugangst

Wovor es Doris etwas graut, ist die Tatsache, dass auch irgendwann einmal die Champions League für RB zur Debatte steht. Denn die 66-Jährige hat Flugangst. Aber ein Spiel nicht sehen, nicht mit dabei sein? Geht gar nicht! „Also werde ich die Angst wohl überwinden müssen“, sagt sie voller Enthusiasmus.

Damit auch zukünftig schon von außen und weithin sichtbar wird, an wen die zwei ihr Herz verloren haben, wird nun in absehbarer Zeit noch die Hauswand neu gestaltet. Bisher ziert ein Reiher-Relief das Haus, bald aber wohl das RB-Logo in Übergröße. Den entsprechenden Künstler, der das umsetzen soll, hat das Ehepaar fest im Blick – bis Ende des Jahres, so viel steht fest, hat der Bulle den Reiher vertrieben.

Dreht sich bei Familie Kurth alles um Fußball und RB? Nö. Ein großes Hobby ist für die zwei der Garten mit der Pool-Oase. Da steckt viel Arbeit und Liebe drin. Im Pool schwimmen rot-weiße Gummi-Enten.

Von Julia Tonne