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Borna Reaktionen auf Schulz-Kandidatur: „Wir waren positiv überrascht“
Region Borna Reaktionen auf Schulz-Kandidatur: „Wir waren positiv überrascht“
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11:53 26.01.2017
Sigmar Gabriel: Seine Entscheidung wird in der Kreis-SPD begrüßt und geachtet.
Sigmar Gabriel: Seine Entscheidung wird in der Kreis-SPD begrüßt und geachtet. Quelle: dpa
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Landkreis Leipzig

Große Zustimmung gibt es unter lokalen SPD-Politikern für die Lösung der K-Frage. „Als Erdbeben würde ich die Entscheidung von Sigmar Gabriel, auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten, zwar nicht bezeichnen“, erklärt SPD-Kreischef Markus Bergforth. Dennoch habe die überraschende Aktion in den verschiedenen Ortsvereinen für mächtig Gesprächsstoff gesorgt. Für sein Empfinden habe man Gabriel angemerkt, dass er mit einer Kandidatur gehadert hat. „Sonst hätte er die Bekanntgabe einer Entscheidung nicht so lange hinausgezögert.“ Dass Gabriels eigener Zeitplan nun von ihm selbst über den Haufen geworfen wurde, damit könne man leben. „Schulz ist auf jeden Fall der geeignetere Kandidat“, äußert Bergforth. Der ehemalige Präsident des EU-Parlaments habe auf der europäischen Bühne vielfach seine Qualitäten bewiesen. Dass er innenpolitisch schwer auszurechnen ist und man nicht weiß, wofür der Kandidat überhaupt steht, sei nicht überzubewerten. „Der Kandidat ist das eine. Aber es gibt ja auch noch ein Programm, und über das befindet die gesamte Partei.“

„Martin Schulz hat den Vorteil, dass er einen Neustart verkörpert“, findet der Vorsitzende des Bornaer SPD-Ortsvereins, Oliver Urban. „Schulz steht für eine leidenschaftliche Europa-Politik.“ Das Rededuell, das er sich mit dem damaligen italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi lieferte, imponiert Urban noch immer. Auch, dass er ein Mann klarer Worte ist und Misserfolge wegstecken kann, bedeute eine neue Qualität. Seinen Hut zieht der Bornaer aber auch vor Gabriel: „Es zeugt von Größe, seine eigenen Ambitionen zurückzustellen, wenn man erkennen muss: Ein anderer hat die besseren Karten.“

Aufbruchstimmung nach der Beantwortung der K-Frage verspürt Christopher Schramm, Kreischef der Jusos: „Der Wahlkampf wird jetzt auf jeden Fall spannend. Das werden interessante Wochen, die vor uns liegen.“ Über Nacht habe es schon den ersten Neueintritt gegeben, berichtet der Juso-Vorsitzende. Bereits nach der Wahl von Donald Trump als US-Präsident hatte es ein verstärktes Interesse an einer Mitarbeit in der SPD gegeben. „Die Kandidatur von Martin Schulz kann uns einen weiteren positiven Schub bescheren“, ist Schramm überzeugt. Auch in der Grimmaer SPD haben die Umstände des Verzichts von Gabriel auf Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz für angeregte Gespräche gesorgt. „Wir hatten am Montagabend gerade Sitzung des Ortsvereins und waren natürlich überrascht - aber positiv überrascht.“ Vorsitzender Ingo C. Runge verspricht sich von dem neuen Zugpferd der Sozialdemokraten einen nachhaltigen Impuls für den bevorstehenden Wahlkampf. Hochachtung gebühre aber auch Sigmar Gabriel: „Sein Handeln zeigt, dass es falsch ist, Politik nur als Ego-Spiel abzutun. Hier hat sich jemand selbst zurückgenommen im Interesse des Ganzen.“

Der Brandiser Bürgermeister Arno Jesse (SPD) zollt Gabriel ebenso Respekt: „Die Entscheidung beweist Größe, da eigene Interessen zum Wohl des Ganzen zurückgestellt werden.“ Überhaupt teile er das Gabriel-Bashing nicht: Der scheidende SPD-Chef habe in schwierigen Zeiten viel Gutes bewirkt. „Mit Schulz erwarte ich einen neuen Schwung für die SPD und freue mich auf einen lebendigen Wahlkampf, da nun eine klare Alternative zu Merkel aufgezeigt wird: in Person und Programm - das kann der Demokratie nur gut tun.“

Von Simone Prenzel