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Borna Regis: Werbung und Skepsis für die Biotonne
Region Borna Regis: Werbung und Skepsis für die Biotonne
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18:00 08.04.2019
Die flächendeckende Einführung der Biotonne 2020 stößt in der Stadtratssitzung von Regis-Breitingen auf Skepsis. Quelle: Peter Steffen/dpa
Regis-Breitingen

Das landkreisweite Reizthema „Biotonne und Abfallgebühren“ bestimmte die jüngste Stadtratssitzung in Regis-Breitingen. Nach einer Anregung aus der Bürgerfragestunde vom Dezember hatte Bürgermeister Wolfram Lenk (Die Linke) Geschäftsführer Jens Meissner von der Firma Kell, dem kreiseigenen Entsorgungsunternehmen, eingeladen.

Da ein möglicher Bürgeransturm im Schulungszimmer keinen Platz gefunden hätte, war die eigentliche Sporthalle als Tagungsort gewählt worden. Angesichts von rund 30 Einwohnern, die in der Mehrzahl wegen Fragen zu genau diesem Tagesordnungspunkt gekommen waren, schlug die Abgeordnete Susan Keller eine extra Informationsveranstaltung vor – beim nächsten Mal.

Gesetzgebung im Bund zwingt den Landkreis biogene Stoffe extra einzusammeln

Meissner erklärte, dass die Gesetzgebung im Bund den Landkreis zwingt, biogene Stoffe extra einzusammeln. Die bisherige Verwertung aus dem Hausmüll in der mechanisch-biologischen Abfallanlage in Cröbern zum Kompost als Tagesabdeckung der Deponie werde nicht mehr gestattet.

Über die Biotonne sollen die jährlich rund 50 Kilogramm Bioabfall pro Landkreis-Bürger – insgesamt 12.900 Tonnen – in einer neuen Vergärunganlage zu Biogas verarbeitet werden, das einen Energiegehalt von 5,7 Millionen Kilowattstunden habe. Das entspreche dem Energiebedarf von circa 2200 Zwei-Personen-Haushalte im Jahr. Zudem entstehe hochwertiger Kompost für die Landwirtschaft.

Nach dem bis Sommerende laufenden Modellversuch in Rötha soll die Biotonne 2020 flächendeckend eingeführt werden. Die Kell geht davon aus, so ihr Geschäftsführer, dass von den etwa 88.000 Grundstücken im Kreis jedoch 50 bis 60 Prozent eine Befreiung erhalten können. „Im ländlichen Raum wird die Biotonne sicherlich kein Renner“, so Meissner.

Reinigung der Biotonnen übernimmt Kell nicht

Dennoch seien ja 35.000 Behälter und mehr zu stellen – mindestens einer pro Grundstück. Bei Wohnanlagen werde einer, 120 Liter groß, pro zwölf Personen berechnet. Aktuell werde ein Verteilungsplan erarbeitet, welche Kommunen im März, welche im Juni und welche im September beliefert werden. Dazu erhalten die Grundstückseigentümer ein Anschreiben ab Ende August 2019.

Wie denn die Reinigung der Biotonnen erfolgt, kam eine Frage aus den Besucherreihen. „Die Kell macht das nicht“, antwortete Jens Meissner. Ein Auto mit Waschanlage habe zu wenig Fassungsvermögen, ein Waschauto zu mieten, sei zu teuer. „Jeder Abfalltonnenbesitzer kümmert sich doch jetzt auch schon“, fügte er hinzu und bat, sich doch erst mal alles anzuschauen.

In Rötha gebe es keine Probleme. Und wer solle das in Wohnanlagen machen, wurde insistiert. „Da ist der Vermieter verantwortlich.“ Der Bioabfall könne ja, bestätigte er einen Zuruf von SPD-Stadtrat Stephan Kretzschmar, in Zeitungspapier eingeschlagen werden, nicht jedoch in Plastetüten (selbst wenn biologisch abbaubar, schaffe das die Anlage nicht) und Papierbäckertüten.

Biotonne stinkt im Sommer

FDP-Abgeordneter Werner Heiche erinnerte daran, dass es die Biotonne im Leipziger Land bereits gab. Wo sie nicht zum Erfolgsmodell wurde. Auch weil im strengen Winter der Bioabfall festgefroren sei und es im Sommer gestunken habe. Deshalb, so der Kell-Geschäftsführer, soll unbedingt die 14-Tage-Rhythmus bei der Leerung eingehalten werden. „Aber es stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob wir die Biotonne einführen.

Das schreibt der Gesetzgeber vor.“ Allerdings gab er Jürgen Tröbs (SPD) recht, der den zusätzlichen Energieverbrauch der Entsorgungsfahrzeuge monierte. „Ja, wir müssen künftig mit zwei Fahrzeugen fahren, wo bisher eins reichte.“

Die Erhöhung der Abfallgebühren, griff Meissner ein Frage auf, ist Kostensteigerungen bei Papierverwertung („Der Weltmarktpreis schwankt.“) und Schadstoffentsorgung ebenso geschuldet wie den Vorhaltekosten für die Biotonne und beim Sperrmüll. Für 2020 fließe die Biotonne aber nur anteilig ein, je nach Stellmonat. Zu beachten sei auch, dass mit ihr die Menge des Restabfalls bis um die Hälfte sinkt. Über eine mögliche Reduzierung der Pflichtentleerungen (bisher vier) werde bei der Kell nachgedacht.

Begeisterung der Regiser erntete Geschäftsführer Meissner nicht. Wegen ihrer Skepsis bat er, nicht nur das Geld, sondern den Nutzen für Umwelt und Energieversorgung zu sehen. Und er lud zum Tag der offenen Tür am 7. September auf die Zentraldeponie Cröbern ein.

Von Olaf Krenz

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