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Borna Regis beerdigt Wohnbaugebiet an der Kirche
Region Borna Regis beerdigt Wohnbaugebiet an der Kirche
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19:00 07.01.2019
Hier werden keine Eigenheime errichtet. Nach 23 Jahren hat die Stadt Regis-Breitingen den Bebauungsplan „An der Stadtkirche Regis“ aufgehoben.
Hier werden keine Eigenheime errichtet. Nach 23 Jahren hat die Stadt Regis-Breitingen den Bebauungsplan „An der Stadtkirche Regis“ aufgehoben. Quelle: Olaf Krenz
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Regis-Breitingen

Nahezu von der Öffentlichkeit vergessen war ein geplantes großes Wohnbaugebiet in Regis-Breitingen. Rund 70 Eigenheime sollten mal auf dem freien Areal östlich der Teichstraße, gegenüber der Gärtnerei, entstehen. Inzwischen sind Bauplätze rar im Pleißestädtchen, fast krampfhaft wird nach Flächen gesucht. Doch den mittlerweile gut 23 Jahre alten Bebauungsplan „An der Stadtkirche“ hat der Stadtrat jetzt aufgehoben.

Planung Ende 1995 genehmigt

„Wenn wir was Neues machen, müssen wir erst mal das Alte abarbeiten“, sagt Bürgermeister Wolfram Lenk (Die Linke) auf LVZ-Anfrage. Das Bauordnungsamt des Landkreises habe die Parzellen nahe der Kirche immer mit eingerechnet, wenn es um Flächen für Wohngebiete gegangen war. Den B-Plan hatte der Stadtrat ja regulär beschlossen, so Lenk. Das sei im Mai 1995 gewesen, und das Regierungspräsidium Leipzig (jetzt Landesdirektion Sachsen, Dienststelle Leipzig) habe die entsprechende Satzung dann im Dezember 1995 genehmigt. Allerdings sei das Dokument nicht im Amtsblatt bekanntgemacht worden und deshalb nie wirklich in Kraft getreten.

Kirchlicher Investor musste aufgeben

„Ursprünglich gab es einen Investor für das Gebiet, das Evangelische Siedlungswerk Sachsen“, blickt der Bürgermeister weit zurück. Deshalb hatte die Stadt in den 1990ern verzichtet, eigene Bauflächen zu entwickeln. „Damals sollten die Erschließungskosten dort wohl bei 30 DM pro Quadratmeter liegen. Die Planung war fertig mit Feuerwehrzufahrt und Wendehammer.“ Allerdings habe das kirchliche Unternehmen nie mit der Erschließung begonnen. Dann hatte es laut der Nachrichtenagentur Evangelischer Pressedienst „seine Arbeit aus finanziellen Gründen eingestellt“. Lenk: „Es war pleite.“

Kostenexplosion für Erschließung

Den Grund und Boden aber wollte die Kirche nicht abgeben. Selbst die Häuslebauer hätten nur einen Erbbaupachtvertrag erhalten. Vielleicht hatten sich deshalb nur wenig mehr als ein Dutzend Interessenten gefunden. Und dann hatte der damalige Bürgermeister Reinhard Mäder (SPD) im September 1998 feststellen müssen: „Durch Fehler von Planungsbüro und Siedlungswerk war es zu einer Kostenexplosion für das Wohngebiet gekommen.“ Vier-, fünfmal teurer, als gedacht, wäre es damals wohl geworden, sagt Lenk heute.

Stadt sieht sich in Zugzwang

Inzwischen müsste wohl trotz des Landeigentümers Kirche die Stadt für die längst noch kostenintensiver gewordene Erschließung einspringen. Was sich die Kommune nicht leisten kann, so der Bürgermeister. Zumal: „Wir haben vor drei, vier Jahren mal angedacht, wenigstens vier Grundstücke straßenbegleitend zu entwickeln. Aber zum einen wollte die Kirche die Flächen nicht abgeben oder tauschen. Und dann gab es auch Probleme wegen Naturschutzbelangen.“ Es sei da um alte Gärten gegangen. Deshalb habe der Stadtrat jetzt endlich einen Schlussstrich unter das einst angestrebte Vorhaben gezogen.

Kleineres Projekt an anderer Stelle

Aktuell stellt die Stadt den Bebauungsplan „An der Alten Mühle“ auf. Östlich von Auen- und Mühlenstraße will ein Investor 13 Baugrundstücke schaffen.

Von Olaf Krenz