Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Regiser erleben erstes Freiluftkino auf dem Markt
Region Borna Regiser erleben erstes Freiluftkino auf dem Markt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:58 12.09.2019
Freiluft-Kino auf dem Regiser Markt: Die meisten Besucher des Films „Trockenschwimmen“ sitzen auf den in der Woche zuvor gebauten Kino-Möbeln. Quelle: Kulturbahnhof/Ina Luft
Regis-Breitingen

Es passiert nicht häufig im Jahr, dass die Marktfläche von Regis-Breitingen eine Veranstaltung erlebt. Mit dem charmanten Projekt von Simon Korn war es diesmal eine Freiluft-Kinovorstellung. Das Besondere über die stundenweise Belebung des Areals hinaus: Die meisten Sitzgelegenheiten waren in den Tagen zuvor erst unter Korns Anleitung gebaut worden. Am Wochenende sollen sie noch dreimal genutzt werden. Das Ganze ist Teil der Kunst-Aktion „Inside – Out“ des Markkleeberger Vereins „Kulturbahnhof“ im Pleißestädtchen.

Mit dem Freiluft-Kino auf dem Markt erlebte ein Kunst-Projekt in Regis-Breitingen seinen ersten Höhepunkt. Es geht um das gemeinsames Erlebnis, etwas zu schaffen – im Vorfeld etwa die Sitzmöbel für die Vorführung. Das Ganze ist Teil der Kunst-Aktion „Inside – Out“ des Markkleeberger Vereins „Kulturbahnhof“.

Das Interesse des Berliner Architekten, Stadtentwicklers und, ja, Künstlers für die Institution Kino teilten zunächst nur wenige Besucher. Acht Erwachsene und fünf Kinder folgten der Einladung zum inzwischen verfallenen Gebäude in der Bornaer Straße. Viel mehr als die defekte Leuchtreklame über dem früheren Eingang bekamen sie dort allerdings nicht zu sehen.

Idee auf dem Wohngebietsfest im „Kuchenstück“ vorgetragen

Dennoch gab es Erinnerungen: Karina Firke sprach von Märchen- und Trickfilmen, die sie häufig im Saal gesehen hatte. „Schon traurig, dass es geschlossen ist und zerfällt. Klar, das ist eine teure Angelegenheit.“ Ein anderer Einwurf nannte den Streifen „Dirty Dancing“ als wohl „größte Film-Sache in Regis“.

Wie vor der Ruine, erzählte Korn auf dem Markt erneut von der ereignisreichen Woche. Dass er die Idee beim Wohngebietsfest im „Kuchenstück“ vorgetragen hatte, dass dort und später auf dem Spielplatz, dann auch mit Hortkindern und Oberschülern Hocker, Stühle, sogar Liegestühle geschaffen wurden. „Erst wurde nur geschaut, danach machten ein paar mit. Tags darauf war die Gruppe schon größer, hatte eine Musikbox dabei und Kekse“, erzählte er begeistert.

Filmkultur wieder aufs Land bringen

Die Bemühungen sollen dem kulturellen Verlust nach dem Kinosterben außerhalb der Großstädte zumindest teilweise entgegenwirken. Das will auch das Projekt „Film.Land.Sachsen“ vom Filmverband, sagte Annemarie Renker. Am Vortag sei sie mit einer Vorführung in Weißwasser gewesen, nun hier: „Wir können die Filmkultur in jeden Winkel bringen.“

Nachdem Probleme am städtischen Verteilerkasten mit der „Stromspende“ von Anwohnern behoben wurden, stand dem Filmgenuss nichts mehr im Wege. Die Organisatoren hielten für die nun rund 40 Besucher zudem kleine Snacks, Kuchen und Getränke bereit. Beim bemerkenswerten Dokumentarfilm „Trockenschwimmen“ der Leipziger Regisseurin Susanne Kim hielten die meisten Zuschauer trotz einiger Regentropfen durch; wobei die ausgegebenen Decken gegen die zunehmende Kühle halfen.

Kunst als gemeinsames Erlebnis, etwas zu schaffen

Für Simon Korn kommt es nicht auf ein Kunstprodukt als Ergebnis seines Projekts an. „Mir ist es wichtig, dass hier viele gemeinsam am Erlebnis Kino bauen. Dass mit wenig Mitteln und Budget, mit einfachen Dingen wie Dachlatten etwas möglich ist.“ Ihm gehe es darum, Anstoß zu geben für Lust und Verführung, etwas zu tun für sich und die Gemeinschaft. „Die immerhin 42 Möbel sind eine Erinnerung an das gemeinsame Erlebnis und eine kleine Saat für Künftiges.“

Anfangs hatte er Zweifel, ob sein Ansinnen funktioniert. „Es ist aber so gekommen, wie ich es beim Universum bestellt habe“, freute er sich. „Es war eine krasse, intensive Woche: viel gebaut, viel kommuniziert, viel hin- und hergeschafft.“ Dennoch war es toll: „Ich bin sogar zu einem Geburtstag eingeladen worden und habe dort Wollsocken geschenkt bekommen“, meinte er lächelnd.

Noch drei Kino-Vorführungen geplant

Drei Vorführungen soll es noch geben. Am 13. September ab 18 Uhr wird im Modeladen in der Rathausstraße – sonst geschlossen, derzeit aber Korns Möbelwerkstatt – ein Kinderfilm gezeigt (ab zehn Jahre). Am Sonnabend ab 20 Uhr ist in der ehemaligen Poliklinik ein Hollywoodstreifen zu sehen, eine Oscar-prämierte Musikfilmbiografie. Der „Kulturbahnhof“ darf die Titel nicht nennen, weil die günstigen Verleiher keine Werberechte haben, teilte der Verein mit. Und am 15. September, 10 Uhr, geht es im Modeladen mit einem Mitbring-Brunch los, ehe ab 11 Uhr DEFA-Trickfilme für Kinder ab fünf Jahre laufen.

Von Olaf Krenz

Wald gehört untrennbar zu ihrem Leben: Seit 40 Jahren sind Mario Paul aus Colditz und Ulrich Zillmann aus Hausdorf hier tätig. Stürme, Trockenheit und Käferschäden entmutigen sie nicht.

12.09.2019

Das Sonnenblümchen fing klein an, wurde immer größer und größer. Mittlerweile ist die Pflanze, die in der Bornaer Kleingartenanlage Stadtpark wächst, nicht mehr zu übersehen.

11.09.2019

Die Dresdner Kapellknaben waren jetzt in der Bornaer Stadtkirche zu Gast.

11.09.2019