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Borna Reha am Limit: Sachsen-Klinik kämpft mit Personalnot
Region Borna Reha am Limit: Sachsen-Klinik kämpft mit Personalnot
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09:07 07.06.2019
Lutz Heuser, Chef der Sachsen-Klinik, beklagt die Benachteiligung der Reha-Branche durch das Pflegestärkungsgesetz. Seit dessen Inkrafttreten wird ein erbitterter Wettstreit ums Personal geführt. Quelle: Archiv
Naunhof

„Unsere Branche war noch nie auf Rosen gebettet, aber welche Steine uns jetzt in den Weg gelegt werden, stellt alles Bisherige in den Schatten.“ Lutz Heuser, Geschäftsführer der Sachsen-Klinik in Erdmannshain, findet klare Worte für die Situation der bundesweit 1200 Reha-Einrichtungen. Seit es das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz gibt, hat der Naunhofer mit den Auswirkungen zu kämpfen. „Zwar haben sich für Krankenhäuser und Pflegeheime die Bedingungen verbessert, für uns aber ist das neue Gesetz eine Katastrophe.“ Eigentlich wollte die Bundesregierung die Pflege allgemein verbessern, dabei fiel allerdings eine Branche komplett durchs Raster: die Reha.

Vorwurf: Gesetz berücksichtigt die Reha-Branche nicht

„Die Folge“, beklagt Heuser: „Auf einem Markt, der ohnehin schon leer gefegt ist, wird noch erbitterter als bisher ums Personal gekämpft.“ Kliniken und Pflegeheime könnten ihren Mitarbeitern neuerdings höhere Löhne zahlen, weil sie von den Kassen jede zusätzliche Stelle finanziert bekommen. „Die Reha allerdings hat man dabei einfach vergessen.“

Unter dem Dach der Sachsen-Klinik gibt es seitdem zwei Welten: Die eine, das Muldentalstift als Einrichtung der stationären Altenpflege, kann Mitarbeiter ordentlich entlohnen. In der Fachklinik für orthopädische Rehabilitation hingegen schaut das Personal in die Röhre. „Hier kann ich einfach keine höheren Gehälter zahlen, weil das der Kostenträger nicht mitmacht.“ Seit Jahren habe er in diesem Bereich mit steigenden Kosten zu kämpfen: „Alles verschlingt mehr Geld: Instandhaltung, Lieferanten, Technik – was nicht gestiegen ist, sind die Sätze der Kassen.“ Aktuell bekommt die Einrichtung für einen Patienten etwa 100 Euro pro Tag. „Davon müssen Ärzte, Physiotherapeuten, Krankenschwestern und sämtliche andere Aufwendungen bezahlt werden.“ Heuser weiß selbst nicht, wie lange das sein Haus wirtschaftlich noch durchsteht. „Schon jetzt ist alles auf Kante genäht.“ Die Gesellschafter aus den alten Bundesländern haben längst die Segel gestrichen, weil der Geschäftsbetrieb keine Ausschüttungen abwarf. „Jetzt aber stehen wir vor der Gefahr, dass uns immer mehr Mitarbeiter weglaufen. Die Politik behauptet zwar, die Reha-Branche sei nicht vergessen und in diesem Jahr werde noch etwas kommen. Aber meine Mitarbeiter kann ich mit solchen vagen Versprechen nicht mehr lange bei der Stange halten.“

Berufsanfänger in der Pflege erhält mehr als erfahrene Reha-Krankenschwester

Die Gehalts-Schere klafft bei Heuser faktisch Tür an Tür: „Eine Altenpflegerin verdient bei uns 2450 Euro als Berufsanfänger. Eine erfahrende Krankenschwester, die schon zehn Jahre im Dienst ist, hat in der Reha nur 2200 Euro.“ Neben dieser hausinternen Zwei-Klassen-Gesellschaft macht der Sachsen-Klinik die übermächtige Konkurrenz großer Klinikkonzerne zu schaffen. „Mit Kopfprämien von 8000 Euro, wie sie Helios seit kurzem zahlt, können wir nicht mithalten.“ Eine Krankenschwester habe er bereits an Helios verloren, berichtet Heuser. „Auch vier Physiotherapeuten haben gekündigt, weil sie in niedergelassenen Praxen neuerdings besser verdienen.“

Brandbrief sächsischer Reha-Einrichtungen an die Politik

Der 64-Jährige hat deshalb einen Brandbrief sächsischer Reha-Einrichtungen mit verfasst. „Allein der Zusammenschluss von 13 konkurrierenden Rehabilitationseinrichtungen zu einem sächsischen Netzwerk zeigt die Not, in der wir uns befinden. Wenn die Politik nicht schnellstens handelt, wird uns das pflegerische und therapeutische Personal von Akutkrankenhäusern, niedergelassenen Therapeuten und Altenpflegeeinrichtungen abgeworben“, so seine Warnung.

Ausländische Kräfte immer gefragter

Ausländische Arbeitskräfte, aber auch teure Leiharbeiter sind in Erdmannshain längst der letzte Strohhalm, wenn es um die Absicherung von Dienstplänen geht. „Gute Erfahrungen haben wir zum Beispiel mit Auszubildenden aus Albanien gemacht.“ Zwei junge Frauen, die Heuser in Tirana anwarb und die im zweiten Lehrjahr als Altenpflegerinnen sind, gehören zu den Besten ihres Jahrgangs. Eine weitere Mitarbeiterin kommt ebenfalls aus Südosteuropa. „Sie ist ausgebildete Krankenschwester, darf aber nur als Hilfskraft arbeiten.“ Ob das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz Abhilfe schafft, wagt Heuser zu bezweifeln. „Der Entwurf strotzt vor Einschränkungen und Bedingungen. Auch dieses Papier“, fürchte ich, „wird uns nicht retten.“ Die Politik, so sein Appell, müsse endlich handeln.

Von Simone Prenzel

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