Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Röthaer Stadtraben bringen Volkstheater auf die Bühne
Region Borna Röthaer Stadtraben bringen Volkstheater auf die Bühne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:25 31.07.2019
Hier noch ohne Kostüme: Stadtraben proben auf dem Theaterhügel am Schlosspark. Quelle: privat
Rötha

Nur noch wenige Tage, und in Rötha erzählen die Raben wieder Geschichten aus der reichen Stadthistorie. Gemeint ist die Laientheatergruppe „Röthaer Stadtraben“, die seit dem Jahr 2013 alle zwei Jahre ein großes Volkstheater auf die Beine stellt. Am 10. August bespielen sie das nächste Mal die Schlossparkwiese.

Begonnen hat alles mit einem Stück über das in Rötha angesiedelte Hauptquartier der Alliierten gegen die napoleonischen Truppen während der Völkerschlacht im Jahre 1813. Das war vor sechs Jahren, als zum ersten mal Dutzende Röthaer in farbenprächtigen Gewändern Theater machten. Und dafür gefeiert wurden.

Stadtraben erzählten schon die Geschichte des Röthaer Apfelweins

Zwei Jahre später, also 2015, widmeten sich die Stadtraben dem Jahr 1883. Sie erzählten die Geschichte des Röthaer Apfelweins. Weil das alles so viel Spaß machte, wurde der Zweijahresrhythmus sogar einmal unterbrochen, und 2016 führten 80 Kinder und insgesamt mehr als 100 Darsteller ein Singspiel über die Tiere im Wald auf.

So bereiten sich die Röthaer Stadtraben auf ihren nächsten großen Auftriff vor: mit Proben, Videoaufnahmen und Arbeiten an der Bühne.

Weiter ging es 2017 mit einer abenteuerlichen und bis zu reichlich 500 Jahre zurückliegenden Story über ein glückloses Röthaer Adelgeschlecht und den Kirchenschatz der Stadt.

Und diesmal? Der Fundus, aus dem Regisseurin und Drehbuchschreiberin Gabriele Richter sich bedienen kann, ist ziemlich unerschöpflich. Denn, sagt sie: „Rötha hat das große Glück, gleich zwei Sagen zu besitzen.“ Beide ranken sich um den Bau der Marienkirche, deren 500. Geburtstag im vorigen Jahr gefeiert wurde.

Die erste Sage spricht von einem Birnbaum. Dem wurden wundersame Kräfte zugesprochen, und man hielt ihn für heilig, was Leipziger Nonnen veranlasst haben soll, in seiner Nähe eine Wallfahrtskirche zu errichten. Eine, die angeblich viel größer werden sollte, als es die Marienkirche heute ist.

Sage vom Röthaer Drache wird aufgeführt

Während des Baus, das erzählt die zweite Sage, fiel immer wieder ein Drache in Gestalt eines Lindwurmes über das Bauwerk her und riss die gerade errichteten Mauern wieder ein. Mutige Ritter starben im Kampf mit dem Drachen. Erst Ritter Georg besiegte den mit einer List, was Ritter und Drachen bis heute den Platz auf dem Röthaer Stadtwappen sichert.

„In jeder Sage steckt irgendwo ein Körnchen, was sich geschichtliches Ereignis nennt“, ist Gabriele Richter überzeugt. Tatsächlich dürfte es der damalige sächsische Landesfürst Georg, genannt der Bärtige, kaum mit einem Drachen zu tun gehabt haben. Mit Ungemach rund um den Bau der Kirche aber schon.

Denn von den Spenden, die für den Kirchenbau eingingen, wollte auch der für das Gebiet zuständige Merseburger Bischof Thilo von Trotha einen Teil abhaben. Er stritt darüber mit dem Röthaer Herrn Wolf von Pflugk und dem Pfarrer, der das Geld verwaltete. Der Bischof sei, so heißt es in der Ankündigung für das Stück der Stadtraben, auch vor geistlichen Zwangsmitteln nicht zurückgeschreckt.

Gewirr aus Sagen, Überlieferungen und Fakten

Herzog Georg sollte vermitteln. Das gelang nicht, der Streit endete mit dem Tod des Bischofs und die Kirche blieb, weil bald kein Geld mehr floss, ein Bruchstück ohne Turm und mit großer Giebelwand, wie man sie heute kennt und schätzt.

Dieses Gewirr aus Sagen, Überlieferungen und Fakten wollen und werden die Stadtraben vielleicht nicht restlos auseinanderfitzen, ganz sicher aber zur lehrreichen Belustigung vor den Röthaern ausbreiten. Dafür proben an die 50 Darsteller seit mehreren Monaten für das Stück „Georg im Kampf mit dem Drachen“.

Gezeigt wird es am 10. August auf der Naturbühne am Koppelweg auf der Wiese am Schlosspark, wo sich pünktlich 16 Uhr der Vorhang heben soll. Einlass ist ab 15 Uhr.

Kommentar: Mit Hingabe auf die Beine gestellt

Bitte kein Regen am Nachmittag des 10. August über Rötha. Auch wenn der an sich bitter nötig ist, bitte nicht an diesem Tag. An diesem Tag ist nämlich Volkstheater in Rötha, und das im besten traditionellen Sinne des Wortes: Menschen aus dem Volk schlüpfen in Kostüme und erzählen ihren Mitmenschen, also dem Volk, Geschichten, die das Volk in der Vergangenheit selbst geschrieben hat.

Oder so geschrieben haben könnte. Denn wenn die Laientheatergruppe namens „Röthaer Stadtraben“ in die Historie der Stadt Rötha eintaucht, dann auch immer mit viel Augenzwinkern. Dann werden Fakten und Legenden amüsant miteinander verwoben und mit Spielfreude ausgeschmückt.

Wer das schon einmal oder mehrmals gesehen und gehört hat auf der Naturbühne am Rande des Röthaer Schlossparkes, weiß, was ihn erwartet. Der weiß, dass er rechtzeitig kommt, um einen Platz auf den aufgestellten Bänken zu ergattern oder sich gleich Campingstuhl oder Kissen mitbringt. Wer es noch nicht erlebt hat, er hat etwas verpasst und sollte es nachholen.

Denn das Stadtraben-Theater, das darf man schon sagen, ohne das neueste Stück gesehen zu haben, ist sehenswert und verdient jede Aufmerksamkeit. Denn was hier mit Freude und Hingabe auf die Beine gestellt wird, ist einfach beachtlich, und es erreicht mit Darstellern, Akteuren hinter der Bühne und Publikum eine Dimension, die hunderte Röthaer zusammenführt.

Und damit durchaus auch sinn- und identitätsstiftend ist in einer Zeit, in der die Gesellschaft aus verschiedensten Gründen mehr und mehr von Brüchen durchzogen wird. Deswegen ist es nur in Ordnung, wenn das Röthaer Theaterprojekt auch überregional auf Anerkennung stößt und Fördermittel aus dem Leader-Programm erhält.

Von André Neumann

Der Groitzscher Abgeordnete Kai Ludwig (FDP) hat sich im Stadtrat über üblen Gestank im dorf Wischstauden aufgeregt. In den Abendstunden habe es immer wieder stark nach Gülle gerochen.

31.07.2019

Der Sportverein Groitzsch weiß nicht, wie er der Vielzahl an Einbrüchen in jüngster Zeit begegnen soll. Immer wieder steigen Diebe in die Anlage ein.

31.07.2019

Bis zum Jahr 2030 geht die Bevölkerung in Borna weiter zurück. Das hat Folgen für den innerstädtischen Einzelhandel.

31.07.2019