Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Sachsens Umweltminister besucht Kitzener Blühwiese
Region Borna Sachsens Umweltminister besucht Kitzener Blühwiese
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 27.06.2019
Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) blüht regelrecht auf, wenn es um den Insektenschutz geht. Am Donnerstag stellte er auf dieser Blühwiese der Agrargenossenschaft Kitzen das Insektenschutzkonzept des Freistaates vor. Quelle: Kathrin Haase
Leipzig/Pegau

Insekten lieben die Abwechslung: Wilde, bunte Blumenwiesen mit ein bisschen Kraut und Rüben statt Fünf-Zentimeter-Einheitsrasen oder Vorgärten mit viel Kies und Schotter. Soweit blüht die Theorie.

Rückgänge in der Artenvielfalt

In Wahrheit haben die Insekten schon lange kein Bett mehr im Blumenfeld und richtig satt werden sie auch nicht. „Mehrere Studien und Rote Listen belegen erhebliche Rückgänge der Artenvielfalt und Biomasse der Insektenfauna in Deutschland“, heißt es im Vorwort des sächsischen Insektenschutzkonzeptes, das der Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt (CDU), am Donnerstag in Leipzig vorstellte. Noch in diesem Jahr rechnet er mit einem Kabinettsbeschluss, auf dessen Grundlage ein Programm zur „Erhaltung und Förderung der Insektenvielfalt“ entwickelt werde.

Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) wirbt für mehr insektenfreundliche Wiesen

673 Insekten-Arten ausgestorben oder gefährdet

Laut dem Entwurf sind im Freistaat schätzungsweise 25.000 Insektenarten einheimisch. Für 1533 dieser Arten wurden seit 2007 Gefährdungsanalysen durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass 673 Arten als ausgestorben beziehungsweise gefährdet gelten. Die Ursachen seien vielfältig, erläuterte der Insekten- und Schmetterlingsexperte Matthias Nuß von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, der wesentlich an diesem Papier mitgearbeitet hat. Sie reichen von fehlender Nahrung, dem Verlust von Lebensräumen und Schadstoffen in der Luft bis hin zur Lichtverschmutzung etwa durch LED-Lampen in der Nacht.

Alarmstufe Rot für alles, was summt und krabbelt

Höchste Alarmstufe also für alles, was summt, brummt, krabbelt, kreucht und fleucht. Das „Handlungskonzept Insektenvielfalt im Freistaat Sachsen“ formuliert daher neun Handlungsfelder, um den Insekten langfristig ein Überleben zu sichern. Umweltminister Schmidt (58), von Hause aus Agrotechniker und Diplom-Agraringenieur, blüht regelrecht auf, wenn er über diesen Katalog spricht. „Wir alle sind gefragt, wenn es um den Insektenschutz geht“, mahnte er am Donnerstag inmitten einer blühenden Wiese der Agrargenossenschaft Kitzen.

Rote Listen als Frühwarnsystem nutzen

In Dörfern und Städten könne etwa durch insektenfreundliche Lichtquellen, blütenreiche Vorgärten oder insektenfreundlich bewirtschaftete Wiesen schon viel getan werden. Das Konzept sehe auch die Förderung von Totholz im Wald, den Ausbau von Feldhecken und Ufergehölzen, die Stärkung insektengerechter Weidewirtschaft und Gewässerrandstreifen, Fassaden- und Dachbegrünung oder die Verwendung einheimischer Pflanzenarten und mechanische Unkrautbekämpfung vor, um wertvolle Lebensräume zu erhalten oder neu zu schaffen. Zudem sollen die Roten Listen fortgeführt und verstärkt als Frühwarnsystem genutzt werden.

Erfolg für „Puppenstuben gesucht“

Ein großer Erfolg sei auch die landesweite Mitmachaktion „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“. Inzwischen gebe es 300 insektengerecht bewirtschaftete Wiesen, für die Schulen, Unternehmen und Kommunen als Partner gewonnen wurden. „Das stimmt mich zuversichtlich für andere Projekte“, führte Schmidt aus.

Blühende Wiesen sind das ideale Zuhause für viele Insektenarten. Quelle: Kathrin Haase

Das Prinzip Blühwiese verfolgt seit geraumer Zeit auch die Agrarprodukte Kitzen eG. Auf einem ehemaligen Erdbeerfeld in der Leipziger Gerhard-Ellrodt-Straße, Ecke Rippachtalstraße, leuchtet es mittlerweile lila, rot, gelb, weiß und pink soweit das Auge reicht. Auf einer Fläche von 15.000 Quadratmetern, so groß wie drei Fußballfelder, wachsen hüfthoch Buchweizen, Phacelia, Senf und andere insektenfreundliche Kräuter und Blumen. Ein Paradies für Honigbienen, Hummeln, Tagfalter, Heuschrecken und andere Insekten.

Für 50 Cent pro Quadratmeter und Jahr können sich Interessenten an der Blühwiese der Agrarprodukte Kitzen eG beteiligen. Quelle: Kathrin Haase

„Das Schöne daran ist: Jeder Einzelne kann diese biologische Artenvielfalt unterstützen“, rührte Heilmann die Werbetrommel. Für einen Unkostenbeitrag von 50 Cent pro Quadratmeter und Jahr können Zertifikate für diese Blühwiese erworben werden. Seit Ende Mai wurden bereits 164 dieser Zertifikate verkauft. Ein guter Anfang, wie er findet.

Strom durch Biogas und Photovoltaik

Daneben demonstriert das Agrarunternehmen auch auf anderer Strecke sein grünes Herz. „Wir produzieren beispielsweise mehr ökologischen Strom durch Biogas und Photovoltaik, als wir selber benötigen“, berichtete Heilmann und erwähnte außerdem das Beweidungsprojekt im Aufschlussgraben Werben-Sittel. Auf dem 35 Hektar großen ehemaligen Tagebaugelände bei Pegau, mitten im europäischen Vogelschutzgebiet, weiden schottische Galloway-Rinder und finden alles, was sie zum Leben brauchen. Ziel sei es, durch die Offenlandhaltung den aufkommenden Wald zu bremsen und ein Refugium für heimische Vogelarten zu schaffen, sagt Peter Windolph, der mit der Nabu-Regionalgruppe Südraum Leipzig das Projekt fachlich betreut. Hand in Hand arbeiten die Naturschützer mit der Ökologischen Station Borna-Birkenhain.

Seltene Vogelarten angesiedelt

Mittlerweile gehört der Aufschlussgraben zu den artenreichsten Biotopen im gesamten Landkreis Leipzig. Allein 20 Nistkästen haben die Naturschützer aufgehängt sowie Steilwände für Bienenfresser und Uferschwalben freigelegt. „Dadurch haben sich sehr seltene, bedrohte Offland-Vogelarten wie der Wendehals, Grauammer, Steinschmätzer oder Sperbergrasmücken angesiedelt. Darauf sind wir besonders stolz.“

Auch im Entwurf des Insektenschutzkonzeptes spielt die Landwirtschaft eine große Rolle. „Es geht nicht darum, einzelne Betriebsformen an den Pranger zu stellen“, meinte Thomas Schmidt. „In den letzten Jahren haben wir schon große Fortschritte gemacht und streben nun an, den Anteil insektenfreundlich bewirtschafteter Landwirtschaftsflächen bis 2030 signifikant zu erhöhen.“

Von Kathrin Haase

Am Donnerstagnachmittag wurden die Feuerwehren aus Rötha, Böhlen und Umgebung an die Straße zwischen Kahnsdorf und Rötha gerufen. 5000 Quadratmeter Grünfläche standen in Flammen. Die Ursache ist unklar.

27.06.2019

Sparringskämpfe stehen am Sonntag in der Bornaer Lothar-Scheida-Halle auf dem Programm. Der SC Borna lädt zum Tag der offenen Tür ein.

27.06.2019

Preise für die Ökostation Birkenhain und den Förderverein des Museumshofs Wyhra: Sie erhielten jetzt Geld für ihre Projekte zur Dorfgemeinschaft und zur Naturpädagogik.

27.06.2019