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Borna Schwerhörigenbund Borna hat jetzt ein barrierefreies Büro
Region Borna Schwerhörigenbund Borna hat jetzt ein barrierefreies Büro
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10:49 04.06.2019
Die Mitglieder des Schwerhörigenbundes Borna kegeln regelmäßig. Fünfte von links Renate Seidl. Quelle: Uwe Horst
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Borna

Wer Renate Seidl gegenübersitzt, würde nicht darauf kommen, dass die 80-Jährige ein großes Problem hat: „Ich bin gehörlos.“ An sich könnte der Gesprächspartner auch gegen eine Wand reden, „wenn ich mein Hörgerät nicht hätte“. Mit der Technik steht die aktive Seniorin, die seit vier Jahren an der Spitze des Schwerhörigenbundes Borna steht, aber nach wie vor mitten im Leben. Und sie freut sich, dass der mittlerweile entschieden besser zu erreichen ist.

Domizil in der Bornaer Reichsstraße

Dabei ist der Schwerhörigenbund im Prinzip an Ort und Stelle geblieben und hat sein Domizil nach wie vor in der Bornaer Reichsstraße 14a. Seit September aber im Erdgeschoss, so dass Besucher, oftmals ältere Menschen, nicht mehr die enge Treppe in den ersten Stock hinaufsteigen müssen. Stattdessen ist der Zugang zum neuen Büro, das doppelt so groß wie das alte ist, mittlerweile auch mit einem Rollator gut zu erreichen. So sieht Barrierefreiheit aus.

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Hannelore Reinhardt, die stellvertretende Vorsitzende (l.), und Koordinatorin Renate Seidl vom Schwerhörigenbund Borna. Quelle: Thomas Kube

Schwerhörigenbund Borna hat 32 Mitglieder

32 Mitglieder zählt die lokale Interessenvertretung von Menschen mit Hörproblemen in Borna und dem Umland. Renate Seidl: „Unser Durchschnittsalter liegt bei 74 Jahren“. Was bedeutet, dass die rührige Vereinschefin und ihre Mitstreiter im Vorstand wie Christa Wittenberg auch Vereinsmitglieder in Pflegeheim besuchen. Leute wie Elfriede Fließ, eine lebenslustige Frau, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiert. Es geht um soziale und menschliche Aspekte, lässt die Vorsitzende mit Blick auf den Hauptinhalt der Vereinsarbeit durchblicken.

Bornaer Vereinschefin: Hemmschwelle bei Hörgeräten

Denn die Schwerhörigkeit an sich ist nicht mehr das große Problem. Die moderne Technik macht ein normales Maß an Teilhabe am Leben möglich. Hörgeräte werden tendenziell immer besser. Allerdings auch teurer. Renate Seidl hat beobachtet, dass es eine gewisse Hemmschwelle gibt, mit dem Problem der Schwerhörigkeit offen umzugehen.

Vor allem Männer scheuen sich davor, ein Hörgerät zu tragen. „Manchen ist das vielleicht peinlich.“ Frauen offenkundig weniger, weil die das technische Hilfsmittel am Ohr unter längeren Haaren eher verbergen können. Dabei verhält es sich nach Überzeugung der Schwerhörigenbund-Vorsitzenden mit Hörgeräten genauso wie mit Brillen. Es handelt sich um Hilfsmittel, für die sich niemand schämen muss.

Acht Millionen Hörgeräteträger

Ihre Beobachtungen werden auch durch Zahlen gedeckt. 14,5 Millionen Menschen in Deutschland gelten als schwerhörig. Allerdings tragen nur acht Millionen ein Hörgerät.

Soziale Beratung in Borna

In Borna sehen Renate Seidl und ihre Mitstreiter ihre Aufgabe vor allem in der sozialen Beratung, die Dienstag von 9 bis 12 Uhr und Donnerstag von 14 bis 17 Uhr im Büro angeboten wird. Darüber hinaus gibt für die Mitglieder übers ganze Jahr hinweg Veranstaltungen. Neben traditionellen Festen wie dem Kappenfest oder der Weihnachtsfeier finden jeden Monat wenigsten drei Veranstaltungen statt, bei denen die Geselligkeit im Mittelpunkt steht. Etwa am 14. Juni, wenn es wie fast jeden Monat zum Kegeln in die Gaststätte „Glück auf“ in der Deutzener Straße geht.

Von Nikos Natsidis