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Borna So klingeln die Handys in Borna
Region Borna So klingeln die Handys in Borna
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12:09 31.12.2018
Spiel’ mir deinen Klingelton und ich sage Dir, wer Du bist... Quelle: dpa
Borna

Bei der Klospülung und dem Wendler („Sie liebt den DJ“) hört der Spaß auf. Manche Handy-Klingeltöne liegen einfach so dicht an einer Körperverletzung, dass sie verboten gehören. Ab damit nach Irgendwoweitwegsibirsk.

Denn es geht auch anders. Das Diensthandy von LVZ-Redakteurin Julia Tonne zum Beispiel. Wenn das klingelt, wird’s kriminell. Beim „Miss Marple Theme“ von Ron Goodwin ziehen sofort Bilder von einer betagten Hobbykriminalistin auf, die im Baumwollrock und Lockwelle um die Häuser schleicht und Scotland Yard um den Verstand kombiniert. Das machen Journalisten in der Regel auch. Also um die Häuser schleichen und kombinieren. Den Baumwollrock vergessen wir.

Der markante Miss-Marple-Sound führt aktuell die redaktionsinterne Hitparade der Klingeltöne an. Julia Tonne hört schon seit vielen Jahren auf dieses einprägsame Signal: „Ich mochte die Filme ganz gerne und die Musik sowieso. Im Spielmannszug haben wir die Melodie früher auch immer gespielt.“

Sara Kamolz von der Mediathek Borna legt derzeit „Mighty Quinn“ von Manfred Mann auf. „Da ich mein Handy meist lautlos stelle, erschrecke ich selbst, wenn es wirklich mal klingelt“, sagt die junge Frau, die ihre eigene Handynummer nicht auswendig kennt. Privat und dienstlich nutzt sie das gleiche Gerät, nimmt im Urlaub aber gerne mal eine Auszeit davon. Erlaubt sind dann pro Tag zehn Minuten. „Das finde ich sehr schön. Überhaupt versuche ich so wenig wie möglich, am Handy zu sein. Klappt leider nicht immer.”

Sara Kamolz hört beim Handy-Klingelton auf „Mighty Quinn“ von Manfred Mann. Quelle: Julia Tonne

Ihre WhatsApp-Nachrichten würzt Sara Kamolz gerne mit Emojis, am liebsten das errötende Gesicht oder „das, welches so gelassen wirkt“. Verlegt oder verloren hat sie ihr Mobiltelefon noch nie, war aber einmal kurz davor. „Auf einer Busfahrt von Rom nach Deutschland hatte ich Panik, dass ich mein Handy in der Unterkunft vergessen hatte. Beim ersten Stopp habe ich es dann unter meinem Sitz gefunden – was für eine Erleichterung.”

LVZ-Redakteurin Kathrin Haase lässt ihr Samsung-Oldie in der Regel eine Weile klingeln, bevor sie über den grünen Hörer streift. Sonst würde der „Summer of 69“ von Brian Adams schon mitten im Frühling aufhören, und das wäre irgendwie auch nicht gesund. Akute Verwechslungsgefahr besteht meist dann, wenn die ersten Takte dieser Rockhymne im Radio laufen.

Da stören WhatsApp-Nachrichten den Betriebsablauf weit weniger, sind unkomplizierter und zeitlich nicht so eingeengt. Aber sie können auch derb aus dem Ruder laufen. Stichwort: Autokorrektur. „Wenn ich meine Kollegin mit ,Hallo Geli’ anschreibe, macht das Rechtschreibprogramm ,Hallo Geliebte’ draus. Das kann diplomatische Krisen hervorrufen...”, lacht die Redakteurin und will das Thema nicht weiter vertiefen.

Frauen finden alles in Handtaschen – nur das Handy nicht

Handys in Frauenhandtaschen sind ein weiteres Thema, über das sich zu reden lohnt. Sobald das kleine Schwarze Alarm schlägt, geht die Sucherei los. Alles findet frau in ihrem Taschensafe: den Heiligen Gral, eine Boing 737, das Bernsteinzimmer, Arzneimittel für eine komplette Intensivstation – aber NIEMALS das Handy und schon gar nicht im richtigen Moment.

Astrid Neumann aus Kitzscher kann ein Lied davon singen. „Ich krame und krame in meiner Tasche – und wenn ich es dann gefunden habe, hört das Klingeln auf“, hat die 37-jährige Ernährungsberaterin erfahren müssen. „In die Hosentasche möchte ich das Handy auch nicht stecken, da ist es mir einmal schon rausgefallen, ohne dass ich es gemerkt habe...“ Ihren Klingelton hat sie ganz bewusst dezent gewählt – das Schlaflied „La le lu“. „Das Lieblingslied meiner Tochter“, erzählt die junge Mutti. „Und meins übrigens auch...“

Edeltraud Lorenz liebt es zu telefonieren, aber besser noch, mit den Menschen von Angesicht zu Angesicht zu reden. „Ich gehöre zu denen, die gerne sprechen. Klar, Whats-App-Nachrichten sind schnell mal geschrieben, aber ich hasse dieses ewige Hin- und Hergeschreibe“, so die Vorsitzende des Bouleclub Leipziger Land aus Borna. „Mir macht vor allem Sorge, dass die Jugendlichen heutzutage kaum noch miteinander reden, sondern nur noch schreiben.“ Das Handy dürfe nicht unseren Lebensalltag bestimmen. „Reden ist doch sowas Schönes.“

Edeltraud Lorenz leitet den Bouleclub Leipziger Land in Borna. Privat und dienstlich nutzt sie ein- und dasselbe Handy, überwiegend zum Telefonieren und weniger zum Nachrichten schreiben. Quelle: Julia Tonne

Ein überaus entspanntes Verhältnis zu seinem Smartphone hat der Bornaer Rechtsanwalt und Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Oliver Urban. „Ich kann meine Nummer sogar auswendig“, lacht der Familienvater, der die gleiche Ziffernfolge seit fast 20 Jahren von Handy zu Handy mitnimmt. „Man könnte mich nachts um 3 wecken: Ich könnte sofort meine Telefonnummer ansagen.“

Den Klingelton hat sich Oliver Urban nicht selbst ausgesucht, sondern seine 16-jährige Tochter. Einzige Bedingung: „Ich wollte einen neutralen Ton und den kein anderer hat.“ Die Melodie ist einprägsam, „aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, was es ist.“ Neben dem Telefonieren nutzt der 51-Jährige sein Handy gerne zum fotografieren, Fotos verschicken und für schnelle Nachrichten an die Familie. „Ganz banale Dinge halt.“

Größere Havarien sind ihm mit seinem Smartphone kaum passiert, er hat es weder verloren, noch verlegt oder im Wasser versenkt. „Einmal ist es mir in der Tiefgarage aus der Hand gefallen und in tausend Teil zersprungen. Sogar die Karte war weg, das war der Horror. Aber das war auch das einzige Malheur in 20 Jahren.“

Wenn das Handy „Mamaaaa“ ruft

Steffi Kausch nimmt sofort Haltung an, wenn ihr Handy laut „Mamaaaaa“ ruft. „Ich hatte früher mehrere Telefone“, so die Pflegedienstleiterin aus Greifenhain. „Diesen schrillen Ton habe ich mir extra ausgesucht, um die Handys voneinander unterscheiden zu können.“ Mittlerweile nutzt die 60-Jährige nur noch ein Gerät fürs Private und Dienstliche. „Telefonieren und schreiben – ich mache alles damit“, erzählt Steffi Kausch, die ihr Handy zu Hause immer an einen festen Platz legt. „Nur auf Arbeit suche ich es öfter. Dann sage ich zu meinen Kolleginnen, dass sie mich mal anrufen sollen und ich gezielt danach suchen kann.“

Steffi Kauschs Handy ruft lauthals „Mamaaaa“. Quelle: Kathrin Haase

Bei Heike Judith klingelt das Smartphone „von früh bis spät, und manchmal sogar nachts um 3“, sagt die Geschäftsführerin der „Pflege mit Akzeptanz“ in Borna. „Weil ich eine Rufumleitung vom Büro gelegt habe.“ Lediglich im Urlaub gönnt sie sich eine Auszeit. „Es ist schön, wenn das Ding mal nicht piepst. Ich kann das wunderbar genießen, es ist sehr erholsam.“

Auf ihrem Schreibtisch legt Heike Judith das mobile Gerät meist an den selben Platz, unterwegs verstaut sie es griffbereit in ihrer Manteltasche. „Lange gesucht habe ich es jedenfalls noch nicht.“ Und bis auf einen tiefen Fall ins Toilettenbecken sind ihre Handys bisher von größeren Katastrophen verschont geblieben. Der Klingelton war schon voreingestellt, nichts Spektakuläres. „Er hat mir ganz gut gefallen, da brauche ich nichts anderes runterzuladen.“

Wenn die Ente zweimal schnattert

Ein Stück Heimat hat sich die Bildhauerin und Malerin Jiang Bian-Harbort aus Kitzen aufs Handy geholt: den Werbener See als Hintergrundbild. Auch beim Klingelton setzt die Künstlerin auf Kreativität: eine schnatternde Ente. Ihre beiden Kinder finden das gut. „Wenn es klingelt und ich gerade mal nicht in der Nähe bin, rufen sie immer: Mama, deine Ente...“

Jiang Bian-Harbort nutzt ihr Handy viel zum Telefonieren, Fotografieren und Nachrichten schreiben. Als Klingelton hat die Künstlerin aus Kitzen eine schnatternde Ente eingestellt. Quelle: privat

Seit über zehn Jahren nutzt Jiang Bian-Harbort die gleiche Handynummer, kann sie mittlerweile im Schlaf ansagen. „Ich nutze mein Handy ziemlich viel, privat und dienstlich“, sagt sie und meint damit sowohl das Telefonieren, Fotografieren als auch Nachrichten schreiben. Tippfehler unterlaufen ihr immer mal wieder, „aber zum Glück kann man die Nachrichten wieder löschen“, lacht die Kitzenerin.

Von Kathrin Haase

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