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Borna Stauseepiraten fürchten um Vereinsgelände
Region Borna Stauseepiraten fürchten um Vereinsgelände
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05:01 20.05.2018
Die Röthaer Stauseepiraten, hier Vereinschef Ralf Buschkowski (r.) und Vize Matthias Schneider, wollen wieder aufs Wasser. Quelle: André Neumann
Rötha

Für hartgesottene Kanuten beginnt die Saison, wenn die ersten Frühlingssonnenstrahlen das letzte Eis von ihrem Lieblingsgewässer lecken. Die Röthaer Stauseepiraten, die sowohl im langen Drachenboot als auch in Sport- und Wanderkajaks unterwegs sind, sind nicht ganz so forsch. Sie starten gewöhnlich im Mai in den Trainingsbetrieb.

Boote noch auf dem Trockenen

Doch in diesem Jahr blieb ihnen die Rückkehr auf den Stausee Rötha nach dem zurückliegenden Winter bis jetzt verwehrt. Einige im Verein sehen sogar dessen Zukunft in Gefahr.

Seit 1946, sagt Matthias Schneider, sei auf dem Gelände am Nordufer des Stausees direkt neben dem Auslauf der Kleinen Pleiße ein Kanuverein ansässig. Schneider ist Übungsleiter und stellvertretender Vereinsvorsitzender.

Gehörte der Kanustützpunkt zunächst zum Sportverein Chemie Böhlen, so siedelte sich 2008 mit den Stauseepiraten auch der Drachenbootverein auf dem Gelände an. Vier Jahre später wechselten die Chemiker in den neuen Verein, der seitdem beide Sparten vereint.

Genehmigung zum Paddeln abgelaufen

Doch nun stehen die Zeichen ausgerechnet im zehnten Jahr der Stauseepiraten nicht besonders günstig. Seit dem letzten Training am 29. September herrscht Stille auf dem Stausee. Jedenfalls wenn man von dem Schlammsauger absieht, der den See reinigte, und von den Baumaschinen, mit denen die Landestalsperrenverwaltung (LTV) den Uferweg und den Auslauf der Kleinen Pleiße sanieren ließ.

Die Entschlammung ist längst abgeschlossen, die Baumaßnahmen sind vorüber, und die LTV hat den Teil des Wassersport-Geländes, den sie für die Baustelle mit in Anspruch genommen hatte, wieder in Ordnung gebracht. Dennoch ist der Sportbetrieb noch blockiert, weil über den Winter einiges zusammenkam: Zum einen, erklärt Vereinsvorsitzender Ralf Buschkowski, war die erforderliche Genehmigung zum Paddeln auf dem Stausee abgelaufen und musste bei der unteren Wasserbehörde im Landratsamt neu beantragt werden.

Keine Genehmigung für langen Bootssteg

An sich kein großes Problem. Doch zugleich fiel auf, dass es für den langen Bootssteg, an dem die Stauseepiraten ihr zwölf Meter langes Drachenboot zu Wasser lassen, gar keine Genehmigung gab.

Dabei lag der seit rund 50 Jahren im Wasser. Weil er verschlissen war, musste er ohnehin raus. Die LTV, die gleich daneben ihre Slipanlage für ihr Stauseeboot erneuerte, übernahm die Demontage gleich mit.

Schaut er traurig oder grimmig? Der Kopf des Drachenbootes hängt im Bootshaus der Stauseepiraten. Quelle: André Neumann

Nun begann wochenlanges Beantragen und Verhandeln um die Genehmigung für einen neuen Steg – ohne den das lange Boot nicht ins Wasser zu bekommen ist – und um die zum Paddeln. Der Verein braucht das Okay mehrerer Behörden.

Nach dem letzten Gespräch, sagt Schneider, sehe es gut aus. Man sei sich einig gewesen, wieder paddeln zu dürfen. Diesen Tenor des Gesprächs bestätigt auch Henriette Salewski von der LTV: „Es sieht gut aus, es gibt eine Lösung“, sagt sie. Im Landratsamt sieht man sich ebenfalls auf der Zielgeraden. Zwar laufe noch die Anhörungsfrist, „es dürfte aber keine Probleme mit der Genehmigung geben“, sagt Sprecherin Brigitte Laux.

Gepachtetes Gelände auf der Verkaufsliste der Stadt

Damit könnte, wenn die Genehmigung vorliegt, der Verein Geld für einen neuen Steg in die Hand nehmen. Doch nun taucht eine weitere Unsicherheit auf: Das Gelände, welches die Stauseepiraten von der Stadt gepachtet hat, steht auf der Verkaufsliste, mit der der städtische Haushalt saniert werden soll. Die Verwaltung hat das Gelände schon begutachten lassen und mit der Vereinsführung gesprochen.

„Die Stadt möchte einen Nutzen aus dieser Anlage ziehen“, schlussfolgern Schneider und Buschkowski. Kerstin Große, Vereinsmitglied und Stadtratsabgeordnete, fasste das kürzlich so in Worte: „Die Stadt möchte ab 2019 Geld für die Nutzung des Geländes sehen.“ Befürchtet wird, das Pachtverhältnis könnte gekündigt werden. „Wir verursachen keine Kosten, pflegen das Gelände selbst“, sagt Schneider. „Aber wir bringen der Stadt auch nichts ein.“ Denn die Pacht wird mit Eigenleistungen verrechnet.

Stadtchef: Über touristische Nutzung nachdenken

Die Stadt habe mit dem Grundstück vorläufig nichts vor, sagt Bürgermeister Stephan Eichhorn (parteilos) auf LVZ-Anfrage. Im Gespräch habe man dem Verein nahe gelegt, über eine touristische Nutzung nachzudenken. „Das wäre einen Versuch wert“, meint Eichhorn.

Das nächste Gespräch ist für Juni vorgesehen. Was bedeuten könnte, dass das Drachenboot vorläufig weiterhin im Bootsschuppen bleiben muss. Denn ohne sichere Perspektive wird der Verein kaum das viele Geld für einen neuen Steg ausgeben. Bestenfalls die kleinen Paddelboote bekommt man auch ohne ins Wasser. Kerstin Große warnt deswegen schon: „Wenn es so weiter geht, wird es den Verein nicht mehr lange geben.“

Von André Neumann

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