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Borna Stillgelegtes Borsdorfer Containerdorf verursacht Kosten
Region Borna Stillgelegtes Borsdorfer Containerdorf verursacht Kosten
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20:19 18.07.2018
Die Gemeinschaftsunterkunft in Borsdorf wurde vom Landkreis stillgelegt. Der Betreibervertrag mit der Firma Abub läuft allerdings weiter und verursacht Kosten. Quelle: Simone Prenzel
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Landkreis Leipzig/Borsdorf

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise schuf der Landkreis Kapazitäten, die er jetzt wieder loswerden muss. Doch so einfach ist das nicht, wie sich am Beispiel der stillgelegten Gemeinschaftsunterkunft in Borsdorf zeigt. Zu Zeiten, in denen monatlich rund 400 Ankommende zu verkraften waren, musste man sich teilweise auf langfristige Verträge einlassen.

Betreiber Abub bat um längere Laufzeit

Das Borsdorfer Containerdorf wurde auf einem kommunalen Grundstück in der Leipziger Straße errichtet. Seit Januar 2016 nimmt die Gemeinde als Eigentümer der Fläche dafür Pacht ein. Mit dem Heimbetreiber, der Abub GmbH, war ursprünglich eine Laufzeit von fünf Jahren vereinbart worden. Auf Bitten des Betreibers verlängerte der Gemeinderat die Laufzeit wenige Monate später auf sieben Jahre. Borsdorf hatte damals dem Wunsch der Firma entsprochen, das Vorhaben dadurch wirtschaftlicher darstellen zu können. Als Begründung hatte die Abub angeführt, dass die Preise für die benötigen Container durch die massive Nachfrage explodiert seien.

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Borsdorfer Flüchtlinge in anderen Heimen untergebracht

Zu Spitzenzeiten war das Borsdorfer Heim mit rund 100 Asylbewerbern belegt. Anfang Juni hatte der Kreis dann seine Entscheidung bekannt gegeben, das Domizil stillzulegen. Inzwischen sind die Container geräumt. „Die Bewohner wurden auf andere Gemeinschaftsunterkünfte verteilt. 20 nach Beucha, sechs nach Grimma und zehn nach Markranstädt“, wie aus einer Antwort von Landrat Henry Graichen (CDU) an die Kreisräte hervorgeht. Die Fraktion der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWV) sowie CDU-Kreisrat Roland Wübbeke hatten sich nach den Umständen der Stilllegung und vor allem Details des Betreibervertrages erkundigt.

Die Entwicklung der Zahlen zur zentralen und dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen. Quelle: LVZ

Früheste Kündigung Ende September 2021

Vertraglich gebunden ist der Kreis derzeit bis 31. Januar 2023. Dann endet die ursprünglich vereinbarte siebenjährige Laufzeit des Kontraktes mit der Abub. Bei Nichtbedarf könne der Vertrag frühestens nach fünf Jahren – zum 30. September 2021 – gekündigt werden, so Landrat Graichen. „Eine Auflösung des Vertrages wäre nur im gegenseitigen Einvernehmen möglich gewesen. Da dies nicht der Fall war, hat sich der Landkreis auf Grund der sinkenden Zuweisungszahlen und somit der rückläufigen Auslastung in den Gemeinschaftsunterkünften für eine Stilllegung der Borsdorfer Einrichtung entschieden“, berichtet der Kreischef weiter. Von Borsdorf habe man sich früher als von anderen Objekten trennen wollen, da dies die einzige Containerunterkunft in Verantwortung des Landratsamtes war. Finanzielle Vorteile, so Graichen, bringe die Stilllegung ebenfalls. So würden sich die Nebenkosten bis September 2021 um 382 000 Euro reduzieren. Dennoch verursache der Vertrag natürlich weiter Kosten.

Weitere Schließungen nicht ausgeschlossen

Bereits in der Vergangenheit hatte der Kreis auf den Rückgang der Asylbewerberzahlen mit der Schließung von Objekten reagiert. Ende 2016 gingen die Unterkünfte in Thräna (Stadt Borna), Elbisbach und Hopfgarten (beide Frohburg) vom Netz. Bahren bei Grimma und als größtes Objekt das Böhlener Apart-Hotel mit rund 120 Bewohnern folgten im Vorjahr. „Je nachdem, wie sich die Zuweisungen entwickeln, werden wir weitere Entscheidungen treffen.“ Derzeit belegt der Kreis noch Heime in Borna, Brandis (Ortsteil Beucha), Grimma, Markranstädt, Naunhof, Neukieritzsch (Ortsteil Lobstädt) und Rötha.

Unterkünfte jetzt zu 82 Prozent ausgelastet

Laut aktueller Statistik des Ausländeramtes sind von den derzeit im Landkreis lebenden Asylbewerbern rund 780 in Gemeinschaftsunterkünften und etwa 760 in Wohnungen untergebracht. Die Zahl der Heimplätze sank mit der Schließung der Borsdorfer Anlage von 1070 auf 950. „Damit“, so Graichen, „sind die Unterkünfte derzeit zu 82 Prozent ausgelastet.“ Auch von vertraglich gebundenen Wohnungen habe man sich getrennt und halte derzeit noch Kapazitäten für 935 Personen vor. Im Einzelfall falle es hier natürlich leichter, Verträge zu kündigen.

Von Simone Prenzel