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Borna Strukturwandel wird zu Pfingsten in Deutzen diskutiert
Region Borna Strukturwandel wird zu Pfingsten in Deutzen diskutiert
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12:00 06.06.2019
Die katholische Kirche St. Konrad in Deutzen. Pfingstmontag finden hier ein ökumenischer Gottesdienst, ein Markt der Möglichkeiten und eine Podiumsdiskussion statt. Quelle: Jens Paul Taubert
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Neukieritzsch/Deutzen

Umweltgottesdienste haben in der katholische Kirche St. Konrad in Deutzen eine gewisse Tradition. In den letzten Jahren der DDR versammelten sich hier Menschen, „die gegen den Raubbau an der Natur auftraten“, erinnert sich der 82 Jahre alte Nikolaus Legutke. Der Markkleeberger gehört zum Initiativkreis für die Ökokirche Deutzen.

Nach zwei bis drei Veranstaltungen, die nach der friedlichen Revolution Anfang der neunziger Jahre noch folgten sei es still geworden, bedauert Legutke. Bis jetzt. Die Strukturveränderungen, denen auch die katholische Kirche unterworfen ist, nimmt die Bornaer Pfarrei als Chance auf der Suche nach einer neuen Bestimmung für die Deutzener Kirche.

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Ökumenischer Umweltgottesdienst in St. Konrad in Deutzen

Am Pfingstmontag, 10. Juni, findet der nunmehr zweite ökumenische Umweltgottesdienst in St. Konrad statt. Beteiligt sind die evangelische Pfarrerin Ulrike Franke und ihr katholischer Kollege Dietrich Oettler, die Predigt wird Superintendent Jochen Kinder halten. Beginn ist 10.30 Uhr.

Wie schon im vergangenen Jahr schließen sich ein Markt der Möglichkeiten rund um die Kirche und eine Podiumsdiskussion an. Deren Thema ist höchst aktuell und bringt auf den Punkt, was die Region derzeit und in den kommenden Jahren umtreibt: Vom Strukturbruch zum Strukturwandel.

Der katholische Pfarrer Dietrich Oettler beteiligt sich am Umweltgottesdienst in Deutzen. Quelle: web

In diesem Spannungsfeld wollen die Veranstalter den Blick ganz konkret auf einen möglichen Energieträger der Zukunft richten: Wasserstoff. Landrat Henry Graichen (CDU), der Physiklehrer Pascal Kühn, der Wasserstoff-Netzwerker Florian Tamm und der Ingenieur Ingmar Reichert sollen über Chancen und Grenzen wasserstoffbasierter Energieträger beim Kohleausstieg diskutieren.

Wasserstoff als Technologie der Zukunft?

Warum gerade Wasserstoff? Pfarrer Oettler hat die Anregung von einer Konferenz der mitteldeutschen Kohleländer im März mitgebracht. Dort sei von Wasserstoff als Energieträger die Rede gewesen. „Ich hatte den Eindruck, dort wurde ein Ball abgeschossen. Wer fängt den auf?“, versucht Oettler zu erklären.

Und er hat auch eine Erklärung dafür, dass der Gedanke an einen möglichen Energieträger der Zukunft nun ausgerechnet unter dem Dach der Deutzener Kirche unter die Leute gestreut werden soll.

Für Dietrich Oettler (links) und Nikolaus Legutke gehören Kirche und Umwelt eng zusammen.  Quelle: Julia Tonne

Diese Kirche sei vor gut 60 Jahren gebaut worden, „um Menschen aus Schlesien und Bayern Heimat zu geben“, erinnert der Pfarrer an die damals der Arbeit wegen zugezogenen Familien. dieser Bestimmungszweck laufe aus. Dafür sei es heute die Schöpfung selbst, die Heimat brauche und diese in dieser Kirche finden soll. Die Suche nach umweltfreundlichen Energieträgern sei daher auch als geistlicher Auftrag zu verstehen, ist der Pfarrer überzeugt. Die Podiumsdiskussion beginnt 13 Uhr.

Markt der Möglichkeiten in Deutzen

Verantwortung spielt auch beim Markt der Möglichkeiten gleich im Anschluss an den Gottesdienst eine Rolle, unter anderem durch die Beteiligung des katholischen Hilfswerkes Misereor, das sich um die Ärmsten auf der Welt kümmert. Oettler spricht in diesem Zusammenhang davon, dass Deutschland den Kohleausstieg exportiere: „Wir verhindern, dass hier weitere Dörfer verschwinden, beziehen aber Kohle aus anderen Teilen der Welt.“

Ansonsten beteiligen sich am Markt der Möglichkeiten ein Eine-Welt-Laden und die Heimatgruppe Deutzen, es gibt ein Kinderprogramm und ein Mittagessen.

Von André Neumann