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Borna Tödlicher Zusammenstoß: Verursacherin kommt mit Geldstrafe davon
Region Borna Tödlicher Zusammenstoß: Verursacherin kommt mit Geldstrafe davon
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12:34 29.01.2016
Quelle: dpa-Zentralbild
Borna

Wie genau es zu diesem schrecklichen Verkehrsunfall kam, der jetzt am Amtsgericht Borna verhandelt wurde, ist nicht mehr aufzuklären. Das Unfallopfer, ein Familienvater aus Leipzig, der kurz vor dem Ruhestand war, ist tot. Und die Verursacherin, Karen E. *, eine 52 Jahre alte Frau aus Groitzsch, kann sich an nichts erinnern. Weil nach Zeugen und Gutachteraussagen sie allein die Schuld an dem Unfall trägt, musste sie sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Dafür sieht das Gesetz Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren vor.

Am Nachmittag des 4. Mai 2015 verließ Christoph Z.* mit seinem VW Golf gerade Zwenkau auf der Bundesstraße 186 in Richtung Markranstädt. Das Wetter war gut, die Straße trocken. Er hatte soeben einen Lkw überholt, dessen Fahrer den Überholvorgang später als normal und unkritisch beschrieb. Der Golf war mit rund 100 Kilometern je Stunde unterwegs. Kurz danach, in einer lang gezogenen Kurve, kam ihm plötzlich auf seiner Fahrbahn ein Wagen entgegen. Karen E., auf dem Heimweg von der Arbeit in Halle, war bei rund 75 bis 85 Km/h nach links ausgeschert. Z., das bescheinigen die Gutachter, hatte keine Chance, den Zusammenstoß zu verhindern. Er starb in seinem Auto an mehreren schweren Verletzungen.

Die Umstände waren klar und eindeutig, die Angeklagte konnte nichts zum Unfallhergang sagen, räumte aber auf Grund der Aktenlage, wie ihr Verteidiger sagte, ihre alleinige Schuld am Unfall ein. Auf die Vernehmung von Zeugen und Gutachtern verzichtete das Gericht daher.

Dennoch stand die Kammer vor einer äußerst komplizierten Frage, darüber immerhin waren sich Richter, Verteidiger, Staatsanwalt und der Vertreter der Witwe als Nebenklägerin einig: Wie bestraft man die Unfallverursacherin. In ihrer Schlussfolgerung und Bewertung lagen sie dann doch gehörig auseinander.

Staatsanwalt Dennis Michalski leitete sein Plädoyer mit der Feststellung ein: Das kann jedem passieren. „Eine kleine Unaufmerksamkeit und schon hat man ein Menschenleben auf dem Gewissen.“ Dass die Angeklagte geständig ist und keinerlei Vorstrafen hat, hielt er ihr zu Gute. Dennoch sei sie ganz allein Schuld am tödlichen Unfall. Michalski forderte 120 Tagessätze zu je 30 Euro, also 3600 Euro Geldstrafe.

Für Nebenklagevertreter Rechtsanwalt Torsten Seiffert eine zu geringe Bestrafung. Er teilte zwar auch die Ansicht, dass ein kleiner Fehler ganz unterschiedliche Folgen haben könne, jedoch seien die „vorhersehbar“. „Ihre Sorgfaltspflichtverletzung“, hielt er der Angeklagten vor, „hatte die schlimmsten denkbaren Folgen“. Völlig anders auch seine Bewertung des Geständnisses und der unter Tränen hervorgebrachten Beileidsbekundungen der Unfallverursacherin: „Diese Reue hat auch jeder, der an der roten Ampel geblitzt wird“, sagte Seiffert und forderte sechs Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung.

Verteidiger Wolfgang Borchert wollte dagegen einen Schuldspruch mit gänzlicher Straffreiheit für seine Mandantin herausschlagen. Das lasse das Gesetz zu, wenn der Unfallverursacher durch eigene Verletzungen geschädigt sei. Karen E., führte er ins Feld, werde durch physische und psychische Spätfolgen „ein Leben lang an diesen Unfall erinnert“ werden.

Richter Thomas Sternberger folgte mit seinem Urteil exakt dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Auch wenn die Ursache des Ausscherens nach links nicht erklärbar sei, sagte er in der Begründung, sei die auf jeden Fall in einem Verhalten der Angeklagten zu suchen. „Vielleicht hat sie das Radio verstellt, hat das Handy geklingelt oder sie hat eine Zigarette angezündet“, nannte er Denkbares. Die Folgen seien der Angeklagten jedoch nur bedingt zuzuschreiben. Ob ein Fehler zu einem Blechschaden führt oder zum Tod, „kann sie nicht mehr beeinflussen“.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

*Namen geändert

Von André Neumann

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