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Borna Tödliches Eifersuchtsdrama in Asylheim: Syrer gesteht die Tat
Region Borna Tödliches Eifersuchtsdrama in Asylheim: Syrer gesteht die Tat
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17:12 05.09.2018
Der Angeklagte Ghassan T. zwischen seinem Verteidiger Stefan Wirth und dem Dolmetscher. Quelle: André Kempner
Leipzig/Borna

Zimmer 109 der Bornaer Asylunterkunft in der Witznitzer Werkstraße. Hier lebten Ghassan T. (33), seine Frau Nahrene (24) und die gemeinsamen Kinder (heute 3 und 2 Jahre alt) bis zum späten Abend des 4. Februar dieses Jahres zusammen. Seitdem ist nichts mehr, wie es einmal war. Die Mutter und Ehefrau ist tot. Die Kinder sind in einer Pflegefamilie untergebracht. Ihr Vater sitzt in Untersuchungshaft. Er soll seine Frau getötet haben. Aus Eifersucht, weil sie nach einer bis dahin glücklichen Ehe, nach der Flucht durch halb Europa bis nach Borna eine Affäre mit einem Kurden begonnen haben soll.

Angeklagter gesteht Gutachter die Tat

Das Verhältnis mit dem Fremden war der Auslöser für fast tägliche Streitereien – über Monate hinweg. „Jede Kleinigkeit wurde zum Problem für die Eheleute. Auch nachdem der Angeklagte seiner Frau das Verhältnis verziehen habe, kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen – nur verbal, nie körperlich“, berichtete der Berliner Psychiater Matthias Lammel am ersten Verhandlungstag. Ghassan T. (33) machte zum Prozessauftakt am Mittwoch Morgen keine eigenen Angaben. Der psychiatrische Gutachter, mit dem sich der Syrer über sein Leben und die Tat unterhalten hatte, sollte der 1. Strafkammer des Landgerichtes unter Vorsitz von Hans Jagenlauf berichten, was sich zugetragen hatte, erklärte Strafverteidiger Stefan Wirth.

Flucht aus Aleppo mit zwei Kleinkindern

T. habe nicht vorgehabt, seine Frau, die er sehr geliebt habe, zu töten. Er habe sie 2014 in seiner syrischen Heimat in der Region Aleppo geheiratet und sei 2015 mit ihr, den beiden Kindern (damals wenige Monate beziehungsweise 1 Jahr alt) und einer Schwester über Griechenland und Portugal nach Deutschland geflüchtet.

Opfer stirbt an inneren Blutungen

An jenem Februarabend ist die Eifersucht Ghassan T.s dann eskaliert. Als die Ehefrau im neuerlichen Streit dem 33-Jährigen gesagt haben soll „du bist kein Mann mehr“, verlor T. die Fassung. Er besorgte sich beim Nachbarn ein Messer, kehrte zurück und tötete die Frau. Er stach ihr in die Brust. Die 21 Zentimeter lange Klinge durchbohrt ihr Herz und eine Lunge. Die 24-jährige Mutter zweier gemeinsamer Kinder stirbt wenige Minuten später an inneren Blutungen auf dem Fußboden des Zimmers. So steht es in der Anklage der Staatsanwaltschaft Leipzig. Die klagt wegen heimtückischen Mordes aus niederen Beweggründen an. Staatsanwältin Katrin Minkus: „Der Angeklagte handelte mit absolutem Vernichtungswillen.“

Staatsanwältin Katrin Minkus. Quelle: André Kempner

Angeklagter verlor linkes Bein durch Sprengstoffanschlag

Die Anklage, übersetzt von einem Dolmetscher, nimmt der 33-jährige Moslem regungslos auf. Er wirkt apathisch, fast wie in Trance. Während der Details zum Tatablauf, bei der auch die beiden Kinder in unmittelbarer Nähe gewesen sein sollen, weint Ghassan T. – ansonsten ist sein Blick leer, das Gesicht verhärmt und bleich. Er wird in einem Rollstuhl in den Gerichtssaal gefahren. Sein linkes Bein ist amputiert worden. Ghassan T. hat es 2013 bei einem Sprengstoffanschlag in seiner syrischen Heimat verloren. Ein Auto war explodiert. Am Krieg selbst habe er aktiv nie teilgenommen – er war als Zivilist zur falschen Zeit am falschen Ort. Damals wollte er sich – zum zweiten Mal in seinem Leben – selbst umbringen. Die Treue seiner Frau und gemeinsame Zukunftspläne ließen ihn überleben. Lammel zitierte den Angeklagten: „Er bezeichnete die Ehe als problemlos, man habe ein schönes Leben miteinander geführt, die Leute seien neidisch auf das Paar gewesen.“

Der Angeklagte Ghassan T. wird im Rollstuhl in den Gerichtssaal gefahren – er verlor sein linkes Bein durch ein Sprengstoffanschlag in Syrien. Quelle: Kempner

„Ich habe meine Familie und mein Leben zerstört“

Bis Nahrene den in Borna lebenden Kurden traf, der dort seit acht Jahren leben und einen Döner-Imbiss betreiben soll. Über Whatsapp-Nachrichten im Handy der Frau soll er davon erfahren haben. Die Affäre wuchs sich aus – von Nachrichten über Telefonate bis zu ersten Treffen. Bemühungen der Eheleute, ihre Beziehung zu retten, scheiterten am Abend des 4. Februar abrupt. „Ich habe meine Familie und mein Leben zerstört“, soll Ghassan T. einem Mitbewohner unmittelbar nach der tödlichen Attacke gesagt haben. Er selbst habe im Asylheim sofort um Hilfe geschrien, habe sie nicht töten wollen. Nur, dass sie still ist und ihn nicht weiter erniedrigen kann. Erste Zeugen sagten im Prozess aus. Ein Mitbewohner zu den Szenen am Tatabend: „Er hat geweint und am ganzen Leib gezittert. Er hat uns gebeten, seine Kinder zu seiner Frau ins Krankenhaus zu bringen.“ Die Frau war da schon tot.

Der Prozess wird am 26. September fortgesetzt. Es sind acht Verhandlungstage angesetzt, das Urteil wird im November erwartet.

Von Thomas Lieb

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