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Borna Trassentreffen in Deutzen: Erinnerung an die Zeit in der Sowjetunion
Region Borna Trassentreffen in Deutzen: Erinnerung an die Zeit in der Sowjetunion
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00:26 24.05.2018
Sie alle waren im heutigen ukrainischen Stryj – und zehren nun ein Wochenende lang von den Erinnerungen an abenteuerreiche Zeiten. Quelle: Julia Tonne
Neukieritzsch

Uta und Gunder haben sich an der Trommel kennen gelernt, kurz nachdem beide am Brett einkaufen waren. Schnell wurde deutlich, wer sich mit der Materie auskennt und wer nur mal gucken kommen wollte. Denn beim vom Regiser Verein „Erdgastrasse“ organisierten 11. Trassentreffen im Kulturpark Deutzen waren Abkürzungen und Spitznamen gang und gäbe. Rund 200 einstige Trassenarbeiter waren angereist, um gemeinsam Anekdoten auszugraben, alte Geschichten zu erzählen und in Erinnerungen zu schwelgen. Nicht verwunderlich also, dass jeder zweite Satz mit den Worten „ach, weißt Du noch“ anfing.

Für junge Leute war die Trasse ein Abenteuer

In den 80er Jahren bis Anfang der 90er Jahre waren tausende Arbeiter aus der DDR am Bau der Erdgastrasse beteiligt, die sich über das gesamte Gebiet der damaligen UdSSR erstreckte. Ziel war es, ein riesiges Rohrleitungsnetz zum Transport des in den damaligen Mitgliedsländern des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) dringend benötigten Energieträgers zu schaffen. „Das war eine Aufgabe für Abenteuerlustige“, erzählt Lars aus Lucka, der als Kraftfahrer von 1989 bis 1991 im heutigen ukrainischen Stryj war. Denn gelebt und gewohnt wurde in extra gebauten Barackendörfern nahe der Stadt, gearbeitet 10 bis 12 Stunden am Tag. Allerdings kam das Leben an sich nicht zu kurz, Inge sorgte fünf Jahre lang in dem Ort, wo die Verdichterstation und Untergrundspeicher für das Erdgas entstanden, für Kultur. „Fünfmal in der Woche gab es Kinoabende, zweimal Disko“, erinnert sie sich.

Eine Stadt für die Arbeiter

Allein in Stryi waren zeitweise bis zu 1200 Trassenleute untergebracht – auf einem umzäunten Areal mit Baracken, Krankenstation, Feuerwehr und Bürgermeisterei. Wer hierher kam, hatte sich entweder freiwillig gemeldet oder wurde vom Betrieb dorthin geschickt. „Ich hab` mich freiwillig gemeldet, denn ich wusste, dass ich fast das Dreifache von dem verdiene, was ich zuhause bekomme“, begründet Lars. Unzählige Freundschaften entstanden während der Bauzeit, die meisten halten noch heute. Für Kerstin, von allen liebevoll wegen ihrer wuseligen Art und wegen ihrer Umtriebigkeit nur Fussel genannt, hat das vor allem einen Grund. „Wer hier war, konnte sich nicht verstellen. Hier hat man sich richtig kennen gelernt“, erzählt sie.

Hier wurden Freundschaften fürs Leben geschlossen

Tischler, Kulturbeauftragte, Sekretärinnen, Dienstleister: in dem Trassendorf gab es unzählige Gewerke und Funktionen. Zu zweit oder zu dritt schliefen die Arbeiter in der Baracke, hatte sich ein Pärchen gefunden, gab es Absprachen, wann welches Domizil mal frei war. Beliebter Treffpunkt der Trassenleute war die Trommel. „Überall standen große Kabeltrommeln, drum herum konnte man sich wunderbar versammeln“, sagt Gunder, der seit nunmehr 30 Jahren mit seiner Frau Ute zusammen ist. Eingekauft wurde vorab am Brett, eine Art Durchreiche eines Einkaufsladens. „Wer uns sprechen hört und nicht dabei war, weiß nicht, wovon wir reden“, macht Kerstin deutlich. Nachnamen übrigens waren nicht nur damals Schall und Rauch, sondern sind es auch heute noch. „Wir kennen uns in- und auswendig, da sind Nachnamen nicht wo wichtig“, macht Kerstin deutlich, zumal jeder einen Spitznamen habe. Und bei diesen wisse jeder auf Anhieb, wer gemeint sei.

Von Julia Tonne

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