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Borna Über 100 Bornaer putzen ihre Stadt an allen Ecken und Enden
Region Borna Über 100 Bornaer putzen ihre Stadt an allen Ecken und Enden
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13:03 31.03.2019
Rund 110 Helfer waren zum Bauhof gekommen, um von dort aus in alle Richtungen zum Putzen auszuschwärmen. Quelle: Julia Tonne
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Borna

 Menschen mit Handschuhen, Mülltüten und Greifern bewaffnet waren am Sonnabend in ganz Borna ein gewohntes Bild. Überall wurde Müll eingesammelt, Borna wieder schick gemacht. Vor allem einer freute sich über die zahlreichen Helfer: Richard Müller.

Der 19-Jährige hatte in den vergangenen Wochen nicht nur bei Stadt und Wohnungsunternehmen um Unterstützung gebeten, sondern auch bei ortsansässigen Geschäften. Der Erfolg seiner Aktion „Borna räumt auf“ war gewaltig. Mehr als 110 Bornaer hatten ihren Samstagvormittag genutzt, um die Stadt von Dreck und Müll zu befreien.

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Allerorten wurde am Sonnabend in Borna geputzt. Der 19-jährige Richard Müller hatte für seine Aktion „Borna räumt auf“ mehr als 110 Helfer gewinnen können, das Jugendparlament noch einmal 30.

Groß aufgezogener Frühjahrsputz in Borna

Einer von ihnen war Henry Kunze, Bornaer Stadtratskandidat. „Die Aktion ist ein gutes Zeichen an die Bornaer, mehr auf ihre Stadt zu achten“, sagte er. Ein solcher groß aufgezogener Frühjahrsputz sei nötig, um den Bewohnern deutlich zu machen, dass sich der Dreck eben nicht alleine wegräume.

Richard Müller (links) verteilt die Routen und teilt die Gruppen ein. Quelle: Julia Tonne

Bewohner des Pestalozzihauses putzen das Teichufer

Angerückt waren auch die jungen Bewohner des Pestalozzi-Hauses mit ihren Erziehern. Sie sammelten in den Löscheranlagen und rund um den Breiten Teich. „Wir sind mit den Kleinsten und den Mittelgroßen unterwegs“, erklärte Nadine Krock. Was die Helfer am meisten ärgerte, waren die unzähligen Flaschen und Tüten, die im Park und am Ufer zu finden waren, „denn vor allem das Glas ist ja nicht ganz ungefährlich“, ergänzte sie.

Mit von der Aufräumpartie war zudem der Bornaer Verein Bon Courage mit etlichen Flüchtlingen und die Dinterschule mit der Klasse Deutsch als Zweitsprache (DAZ). Für sie ging es ebenfalls zum Breiten Teich und in die Wyhraaue. „Für uns ist es selbstverständlich, bei einer solchen Aktion mit anzupacken“, begründeten die beiden Lehrer Luciana Laconianni und Daniel Heber das Engagement der Jugendlichen. Denn auch die wollen in einer attraktiven und sauberen Stadt leben.

Schilf wird vom Wasser am Breiten Teich aus vom Müll befreit

Während die meisten zu Fuß ihre vorher abgestimmten Routen abklapperten, durften Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Die Linke) und Stadtratskandidat Philipp Berger ihre Beine schonen und mit dem Boot über den Breiten Teich schippern. Ihre Aufgabe: das Schilf von Flaschen und Verpackungen befreien. „Was aber mächtig auf die Arme geht“, sagten beide.

Simone Luedtke und Philipp Berger befreien das Schilf des Teichs von Dreck und Müll. Quelle: Julia Tonne

Was Richard Müller am Wochenende auf die Beine gestellt hatte, verdiente Hochachtung. Der von ihm angefragte Bauhof half, wo es ging, fuhr die einzelnen Gruppen zu den Einsatzorten, versorgte die Helfer mit Mülltüten und sammelte die dann anschließend auch ein. Fleischerei Kalz lieferte für die mehr als 110 Helfer Bratwürstchen, Bäckerei Hennig steuerte die Brötchen bei.

Zehn Routen stehen in Borna zur Auswahl

„Ich hatte zwar auf diese Resonanz gehofft, aber war mir nicht sicher, ob es gelingt“, erklärte der 19-jährige Organisator. Für ihn sei die Aktion „Borna räumt auf“ deshalb so wichtig, weil jeder Bewohner eine Verantwortung für seine Stadt habe. „Der Bauhof kommt nicht mehr hinterher, alles einzusammeln, zumal er noch andere Aufgaben zu bewältigen hat.“

Für André Schmidt vom Bauhof und seine Kollegen war es eine Selbstverständlichkeit, mit anzupacken. „Wenn jemand in seiner Freizeit so etwas auf die Beine stellt, helfen wir natürlich, wo es geht“, betonte er. Im Vorfeld hatte Müller mit allen beteiligten die Routen abgesprochen, zu den Einsatzorten gehörten unter anderem die Kohlebahntrasse, das Gewerbegebiet Am Wilhelmsschacht, die beiden Kippen und der Schillerpark. Nach drei Stunden Arbeit waren 15 Kubikmeter Müll zusammengekommen.

Jugendparlament putzt mit 30 Helfern in Gnandorf

Auch in Gnandorf nutzten rund 30 junge Leute den Sonnabend zum Großreinemachen. Das Kinder- und Jugendparlament (Kijupa) hatte gemeinsam mit dem Seniorenparlament und dem Nabu zum Frühjahrsputz „Who kehr`s? We care“ eingeladen. Neben zahlreichen Jugendlichen kamen etliche Besucher des Kinder- und Jugendhauses. Was sie fanden, waren teils komplette Wohnungseinrichtungen: Matratzen, kleine Regale, Schaumstoff. Hinzu kamen Autoreifen, Handyhüllen und unzählige Verpackungen.

Etliche junge Besucher des Kinder- und Jugendhauses halfen mit, Gnandorf sauberer zu machen. Quelle: Julia Tonne

Eine Konkurrenz zu ihrem Frühjahrsputz sehen die beiden Helferinnen Clara und Fränzi durch die Aktion „Borna räumt auf“ nicht, vielmehr eine Ergänzung. „Aber vielleicht ist es ja denkbar, in Zukunft zusammenzuarbeiten.“

Von Julia Tonne