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Borna Umweltamt hat keine Lösung für illegales Abfalllager in Lobstädt
Region Borna Umweltamt hat keine Lösung für illegales Abfalllager in Lobstädt
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14:00 26.06.2019
Lutz Bergmann, der Leiter des Umweltamtes des Landkreises Leipzig, hat im Gemeinderat von Neukieritzsch wenig Neues zu berichten. Quelle: André Neumann
Neukieritzsch/Lobstädt

Drei Monate ist es her, seit der Neukieritzscher Gemeinderat sich mit einem offenen Brief Luft machte über die Situation um ein illegales Abfalllager in Lobstädt. Dort befindet sich auf dem Gebiet der ehemaligen Ziegelei, dem so genannten Erfkamp-Gelände, tonnenweise Abfall unterschiedlichster Art.

In dem Schreiben an das Landratsamt, die Landesdirektion und das Umweltministerium erhob Neukieritzsch den Vorwurf, die zuständigen Behörden hätten „keinerlei nachvollziehbare und zielführende Maßnahmen zur Beräumung des Grundstückes“ eingeleitet. Daran hatte der Gemeinderat Fragen und Forderungen geknüpft.

Von Lutz Bergmann, dem Leiter des Umweltamtes des Landkreises Leipzig, hatte der Gemeinderat sich Antworten erhofft und möglicherweise Strategien, wie der Situation beizukommen sei. Die früheren Unternehmen, die die Abfälle zum Zweck einer späteren Verwertung angehäuft haben, sind längst insolvent, deren Inhaber und Geschäftsführer Helmut Erfkamp lebt in Lobstädt, will aber kein privates Geld, wie er der LVZ sagte, für die Beräumung des Grundstückes ausgeben. Welches überwiegend nicht ihm, sondern seiner Frau gehört.

Lutz Bergmann, der Leiter des Umweltamtes des Landkreise Leipzig, hat im Gemeinderat von Neukieritzsch wenig Neues zu berichten. Quelle: André Neumann

Umweltsamtsleiter weist Vorwurf der Untätigkeit seiner Behörde zurück

In dieser Situation wies der Umweltsamtsleiter, der zur Verstärkung noch drei Mitarbeiter mitgebracht hatte, den Vorwurf der Untätigkeit seiner Behörde zurück. Man habe die Unternehmen auf die illegale Müllablagerung aufmerksam gemacht, Emissionsschutzgutachten gefordert, Zwangszahlungen und Ersatzvornahmen angedroht und Strafanzeige gestellt. Das ganze mehrfach, weil die Unternehmen immer wieder insolvent geworden seien.

Das Gelände der ehemaligen Ziegelei in Lobstädt hat sich in den letzten Jahren zu einem Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt. Quelle: André Neumann

Schließlich habe man sich an die Grundstückseigentümerin gewandt und diese wegen des Abfalls zur Rechenschaft gezogen, doch die habe sich „als mittellos gemeldet“, so Bergmann. Das sei überprüft worden und habe sich bestätigt.

Mehr ist offenbar nicht möglich, besonders nicht eine zwangsweise Beräumung des Areals durch die Behörde. Dabei berief sich Bergmann auf eine generelle Haltung des Umweltministeriums: „Wenn keine unmittelbare Gefahr für Menschen besteht, sind für die Beräumung keine Steuermittel zu verwenden.“

Enttäuschung im Gemeinderat von Neukieritzsch über die Untätigkeit der Kreisbehörde. Quelle: André Neumann

Aus Sicht des Landratsamtes besteht in Lobstädt keine Gefahr

Und diese Gefahr besteht aus Sicht des Landratsamtes nicht. Damit sagte Bergmann nichts Neues, er wiederholte die bekannte Haltung der Behörde. Selbst wenn das Material brennen sollte, bestünde die Gefährdung aus der schwarzen Rauchwolke nur im giftigen Kohlenmonoxid, weswegen Feuerwehrleute mit Schutzausrüstung arbeiten würden. „Alles andere kommt in geringen Konzentrationen vor und stellt keine Gefährdung für die Bevölkerung dar“, sagte der Umweltamtsleiter.

Für die Einschätzung und Überwachung der Brandgefährdung sei zudem nicht das Landratsamt sondern die Kommune zuständig, betonte Bergmann, der auch einräumte: „Die Gefahr einer Selbstentzündung besteht immer.“

Auch für Wasser und Boden sieht das Umweltamt keine Gefährdung. Die Anhaftungen gefährlicher Substanzen an den gelagerten Stoffen seien so gering, dass es bei starkem Regen keine nennenswerten Mengen in die Pleiße abfließen würden, so Mitarbeiterin Ines Beckmann. Die Bodenabläufe seien nach dem Brand von 2011 immer noch verschlossen.

Nur bei Rückbau des Gebäudes könnte giftiges Arsen entweichen

Das gelte auch für den Schutz des Bodens. Gehandelt werden müsse erst, sagte eine Mitarbeiterin Bergmanns, wenn die Gebäude zurückgebaut würden. Dann könnte etwa Arsen entweichen, das hier nachgewiesen worden sei. „Es ist nicht schön, aber es besteht aus Sicht des Umweltamtes kein Handlungsbedarf“, fasste Mitarbeiterin Heidi Sprawka zusammen.

Lediglich an einer konkreten Gefährdung arbeite das Landratsamt im Moment. Ein Behälter mit Ölschlamm sei korrodiert. Der Eigentümer sei mit der Entsorgung beauflagt worden, er habe sich bemüht, doch die Firmen hätten ihm abgesagt. Jetzt werde das Landratsamt ein Unternehmen suchen, die den nicht transportfähigen Behälter vor Ort entleert.

Die Industriebrache Erfkamp in Lobstädt. Quelle: Thomas Kube

Im Gemeinderat stießen die Ausführungen Bergmanns und seiner Mitarbeiter auf Unverständnis und Enttäuschung. Hella Hallert (Linke) sprach von der „Ohnmacht einer Behörde gegenüber solchen Zuständen“. Lobstädts Ortsvorsteher Claus Meiner nannte die Angelegenheit eine Tragödie und befürchtete, das Problem werde wohl auch noch „für unsere Enkel und Urenkel bestehen bleiben“.

Bürgermeister Thomas Hellriegel: Thema noch nicht beendet

Thomas Meckel (SPD) kritisierte grundsätzlich die „nicht angemessene Weise“, wie mit den Leuten umgegangen werde, wie er sagte. Bürgermeister Thomas Hellriegel stellte schließlich fest, das Thema sei noch nicht abgearbeitet und kommentierte Bergmanns Ausführungen mit kaum unterdrücktem Hohn: „Es wird den Ortschaftsrat freuen, das dort keine Gefahr ausgeht, und dass ein Brand nicht so gefährlich ist.“ Und ernsthafter: So etwas könne man den Bürgern nach acht Jahren nicht mehr erklären.

Von André Neumann

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